Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1899)
- Date
- 1899-01-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage ju M 3 des „Israelit". Leitender Artikel. Zum 27. Teweth. Von L. Sch. (Fortsetzung.) Als treuer Freund, der nicht seine geistige Ueberlegenheit ins Helle Licht stellt, der sich nicht von dem thörichten jungen Mann abwendet und seine Meinung, ohne irgend welche Grundangabe, für die unanfechtbare hält, beantwortet Naphtali den Brief Benjamins. 18 Briefe sind es, die feine Antwort bilden, und wie hat er es verstanden in ihnen den Ton anzuschlagen, vor dem die Eisesrinde des Jndifferentismus, die das Menschenherz erstarren läßt, schmilzt, jenen Ton, der in so unnachahmlicher Weise die Güte des Vaterherzens, die treueste Freundschaft und die erziehende Liebe vereinigt. Einige Antworten Benjamins, aus welche Naphtali Bezug nimmt, müssen wir uns zwischen den einzelnen Briefen denken, da der Verfasser sie nicht anführt. Nachdem er zuerst kurz aber entschieden die von Benjamin ausgesprochene Verdächtigung widerlegt, daß er nur um des lieben Brodes willen so fromm und überzeugungstreu handle, bittet er seinen Freund die Thauro einmal mit ihm durchzulesen, als hätten sie dieselbe noch nie gelesen, einmal zu vergessen alle Vorurtheile, die er gegen sie empfände, als Juden sie zu lesen und zu verstehen suchen, als Juden aus ihr zu erkennen suchen, was es heißt „Mensch und was es heißt Jude, welchen Zweck und welches Ziel der Mensch und dann der Jude im besonderen auf Erden haben soll." Es würde den Nahmen unserer Darlegung weit überschreiten, wenn wir jeden einzelnen Brief ausführlich oder sogar auch nur auszugsweise besprechen würden, und so wollen wir versuchen einige Stellen aus den „19 Briefen" herauszugreifen um uns an ihnen zu erwärmen und zu begeistern für Gott und Judenthum. Im Anfang war Gott als Schöpfer wirkend, alles was wir über uns, in uns, unter uns erblicken, hören und fühlen, die ganze Natur, Alles Gottes Geschöpfe, alles nach Gottes Gesetzen unabänderlich geregelt. „Gottes Diener Alles, Diener der Sturmwind, der Blitz und der Regen und der Schnee, Diener der Wurm, der zu deinen Füßen schleicht, der Grashalm, der dir am Wege nickt, der Donner, der dir majestätisch hinrollt und der Luftzug, der leise Kühlung dir fächelt. — Diener Alles!" In den nächstfolgenden Briefen zeigt uns Ben Usiel, welchen Zweck nun der im Gegensatz zu allen anderen Wesen in seinen Triebe freie Mensch auf Erden hat, wie auch e r nur dazu bestimmt ist, Gotte sd ie n er zu werden in allen seinen Handlungen; wie er alle seine Triebe und Leidenschaften dem göttlichen Willen unterordnen soll, wie alle Leiden nur als Erziehung und deßhalb nicht als Unglück zu betrachten sind. Daß von Allem Anfang Gott in der Geschichte als Richter waltete und von Zeit zu Zeit dem Menschen zeigt, wie nichtig und haltlos alle seine Pläne sind, wenn nicht von der Gottesidee durchdrungen; wenn er nicht sein Hab und Gut als Gott gehörig und seine Kinder mcht als Segen Gottes betrachte und sie in dieser Weise erziehe. Soweit der Zweck jedes Menschen. Welchen Zweck und welche Stellung nimmt nun Israel in dieser Völkerfamilie ein? Im 7. Briefe zeigt uns Samson Raphael Hirsch, daß Israel erwählt wurde, diese Gottesidee über die Welt zu verbreiten. Gerade Israel als ein Volk, arm an allem, was die übrige Menschheit Größe nennt, welches von einem Abraham, Isaak und Jakob herstammen mußte, und welches erst durch über 400jährige Sklaverei egyptischer Tyrannei und 40jährige Wüstenwanderung zu seinem Gotte empor geführt werden mußte und in das Land seiner Väter gebracht wurde, um hier den Boden und dessen Segen nicht als Ziel seiner Bestimmung, sondern als Mittel zur Erfüllung der Thauro zu betrachten. Von kurzer Dauer war dieses Glück im Lande seiner Bestimmung. Vergehen, welche im römischen und griechischen Reiche nicht von Gott geahndet worden, in Israel wurden sie durch Goluß bestraft; 'p^K h, der allbarmherzige Richter fand Israel noch nicht reif seiner Bestimmung und schickte es ins Goluß, nachdem noch ein Sprößling von ihm ausgegangen, welcher sich zwar „halb in Gegensatz zu seiner Religion stellte, aber trotzdem kein kleiner Baustein, zum Bau des Heileszieles der Gesammlmenschheit geworden ist", indem er die im sittlichen Verfall lebenden heidnischen Völker einige Grundideen des Judenthums gelehrt und unter denselben verbreitet hat. Jahrtausende mittelalterlichen und neuzeitlichen Druckes mußten unsere Väter erdulden, schreibt Napbtali in einem der nächsten Briefe, doch alle Völker, die es beherrschten und bedrückten, sind mehr oder minder untergegangen, das Judenthum, trotz aller Drangsal und Dual, lebt immer noch fort, sollte die» nicht Zeugniß sein für die Wahrheit des Judenthums?! Und