Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1899)
- Date
- 1899-01-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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49 beim Magistrat ein gereichten Eingabe gegen Beschränkung der Sonntagsarbeit führt der Redner an, daß nach dem Reichsgesetze über die Sonntagsruhe eine Ausnahmebestimmung durch die Städte überhaupt nicht zulässig sei. Leute, die ihrer Religion wegen große Opfer für ihre Sabbatruhe bringen, sollten doch nicht das Ansinnen stellen, daß ihretwegen den sonstigen Angestellten die Sonntagsruhe beschränkt werde, um so weniger, als ihre Angestellten am Samstag nach Schluß des Sabbats noch meistens bis tief in die Nacht hinein arbeiten müßten. M. A. Löb ist im Prinzip Anhänger der völligen Sonntagsrube, grundsätzlich unterscheide er sich aber von dem ersten Referenten in der Ansicht über die Eingabe der orthodox jüdischen Firm,n. Es handelt sich darin nicht um eine Forderung auf Ablehnung des Magistratsantrags, sondern nur um Berücksichtigung der Firmen, die ihren Angestellten am Samstag ihren Ruhetag gewähren. Die 24stündige Ruhe am Samstag ist hygienisch mindestens gerade so vortbeilhaft wie am Sonntag. Eine Schädigung der christlichen Mitbürger ist vollständig ausgeschloffen. Es kommen 120 Firmen in Betracht. Haben die christlichen Kollegen einen Schaden davon, wenn ihre jüdischen Kollegen an Sonntagen anderthalb Stunden arbeitend Die vollständige allgemeine Sonntagsruhe ist ein Ideal und deßhalb gerade unerreichbar. Dr Quarck hielt die in der Magistratsvorlage angesetzten Arbeitsstunden für völlig unannehmbar, schon der nicht auszufübrenden Kontrolle wegen. Gegenüber den Ausführungen des Vorredners stellte er sich auf den entgegengesetzten Standpunkt, das ethische Moment in der Frage liege gerade in der gemeinsamen Sonntagsruhe. Die Scheingründe, die in der orthodox-jüdischen Eingabe angeführt sind, erscheinen nur geeignet, Antisemiten zu machen. Striener erklärte im Namen des Vereins für kaufmännische Angestellte, daß er und sein Verein vollständig auf dem Boden der Resolution stehen. Das Vereinsmitglied Löb stehe mit seinen Ausführungen in dem Verein allem. Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter Funck sprach gegen die Ausführungen Löbs, die ein religiöses, Moment in sich trügen, während die Frage ein eminent soziales Jntereffe habe. Ich halte es für unbedingt nöthig, daß nach dieser Richtung mehr geschieht. Der Schwerpunkt der sozialen Bewegung liegt in den Kommunen. Die Stadtverwaltung muß sich sagen, daß hier radikal gearbeitet werden muß, und so muß auch eine radikale Sonntagsruhe eingeführt werden. Der Redner versprach, für seine Person dafür einzutreten, daß die Stadtverwaltung auf diesen Weg gedrängt werde. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution an, die die vom Magistrat vorgeschlagene Beschränkung der Sonntagsruhe in Bankgeschäften, im Waaren-Großhandel, Fabrikgeschäften, Agenturen, Spedition und ähnlichen Geschäften als verfehlt und unannehmbar erklärt. Die Versammlung hält die völlige Sonntagsruhe in den genannten Geschäftszweigen für durchaus erstrebenswerth, für ein in kultureller und gesundheitlicher Beziehung dringendes Bedürfniß und sie richtet darum an die städtischen Behörden wiederholt das Ersuchen, durch Ortsstatut ein völliges Verbot der Sonntagsarbeit herbeiführen zu wollen. Sie betrachtet dies als einen weiteren Schritt zu dem Ziele der vollständigen Sonntagsruhe auch für die Angestellten in Detailgefchäften. Die Versammlung beauftragt ihr Bureau, den städtischen Behörden diesen Beschluß mitzutheilen. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Tornallya, 26. Dez. Am dritten Tage Chanukah wurde in Putnok ein crn bi'd gefeiert. ES ist wohl alljährlich üblich, dies zu veranstalten. Diesmal aber war es von doppelter Bedeutung, indem es zugleich ein Pietätsfest war; der verstorbene Oberrabbiner Tannenbaum b'D nämlich, dessen Jahrzeit am genannten Tage ist, rief diesen Verein ins Leben. An dem rr nahmen nicht blos die heimischen rrrn ’ä Theil, sondern von den entferntesten Gegenden strömten rrnn 'ä wie Laien — unter Führung von Rabbinen oder Gelehrten — herbei, um das Fest zu feiern. Wir sahen unter den anwesenden Gästen die Rabbiner von: Putnok, Rimascecs, Rosnau, Torna, Werpelet, Tulek, Tornallya und mehrere Deputationen. Die Feier begann mit der Einleitungsrede des rühmlichst bekannten Herrn Rabbiner M. Tannenbaum ältesten Sohn des seligen psc, dessen Redegewandtheit bei dieser Gelegenheit auf herrlichste Weise sich dokumentirte. Hierauf hielten obengenannte Rabbiner exegetische Reden, die ebenfalls mit Beifall ausgenommen wurden. Während des Bankers, das aus mehr als hundert Gedecken bestand, sprachen und toastirten die.ttci Das Fest verlief in sehr animirter Weise. Großen Beifall erntete Rabbiner E. Balajty aus Tornallya, der in gediegenen Worten einen warmen Nachruf dem dahingeschiedenen pa: widmete. Es wurde hierauf er unter den Anwesenden vertheilt und erst in den Morgenstunden nahm die Feier ihr Ende. Rabb.-Cand. Samuel Blum. Serajewo, 5. Jan. Dieser Tage ist der Rabbinats Verweser der Gemeinde in Banjaluka, Herr W. Herzler, zu Grabe getragen worden. Dem Sarg folgten sämmtliche staatlichen und städtischen Behörden, an ihrer Spitze der Kreisvorsteher Lazzarini.