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Der Israelit · 1899-01-09 · Heft 3 (9.1.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 3 (9.1.1899)
Date
1899-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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46 man früher öfters aufzubleiben um dieselbe mit Lernen zu verbringen. Aber dann pflegte wohl der eine zu schlafen und ließ sich dann vom anderen wecken, der dann eine Zeit der Ruhe pflegte. Wie er mit Allem Ernst machte, so auch mit dem Ausbleiben in'der Donnerstag- 'nacht. Wenn man um vier Uhr von mye aus dem Bethhamidrasch ging, dann blieb er dort und lernte stehend bis acht Uhr Morgens sechszehn Stunden ununterbrochen mit lauter Stimme. Am Freitag Abend macht die nv' ws» ™ dem Alleinlernen Schwierigkeiten. Nicht Lernen, das erschien ihm als eine viel größere Sünde noch. Das Dilemma, in das ein jeder kommt, der einerseits eine heilige Scheu vor rrnn und andererseits einen heiligen Respekt vor pn mw hat, löste er nun in höchst origineller Weise. Er lernte einfach achthundert Blatt ino;, ein Drittel von ganz rtn, wörtlich auswendig mt> hatte nun genügenden Stoff für alle Sabbate der Woche. Was für eiserne Energie, was für eine Selbstaufopferung darin zum Ausdruck gekommen ist, davon macht sich so leicht keiner eine Vorstellung, der nicht einmal versucht hat, ein paar Blatt auswendig zu lernen. Freilich ist ein solcher Fleiß nur denkbar, wenn Geist und Körper sich konzentrirt auf den einen Gedanken: daß die Lehre und ihre Schriften unser Leben sind. Darum war es auch nicht bloß in seiner Jugend, in seinem Mannesalter, daß er diese Energie des Fleißes entfaltet hat, noch in dem letzten Jahrzehnt kam es unzählige Male vor, daß er erst um zwei Uhr Nachmittags von Schul zum Frühstück kam. Er hatte sein Frühstück „vergessen", sodaß seine Frau zuletzt ihm das Frühstück immer nach der Klaus bringen mußte. Bei diesem Fleiß wird der unendliche Reichthum seines Wissens verständlich. Welchen man ihn fragen mochte, aus dem sotra ,*ts*n so gut wie aus dem am mix, aus allen rtr prnx, den wußte er sofort nach dem auswendig anzugeben. Freilich kam ihm dabei die ungeheuere Praxis zu statten, die eine m,np wie Memel in jener Zeit bot, da sie der Brennpunkt des Holzhandels zwischen Rußland und Deutschland war und eine so große Zahl russischer Juden alljährlich dort sich traf, die nun bei R. Jeschajah alle ihre Fragen erledigt wissen wollten. Doch das Wissen hat nur die Bedeutung, wenn es von dem rechten Handeln begleitet wird, n*tritt mm. Und dadurch ragen unsere Alten besonders hervor, daß sie aus der richtigen Art zu handeln, gewissermaßen ein Studium machen. Und je bedeutender sie sind, desto weniger merkt man etwas davon, desto weniger dringt davon in die Oeffentlichkeit. Unsere ganz Großen haben niemals irren getrieben, in dem Sinne, daß man ihnen von Ferne das schon anmerkte. Sie wußten auch, wie leicht es ist, sich selber Genüsse zu versagen, wie schwer aber und wie werthvoll darum, in dem steten Konflikt der Pflichten, wie er sich so oft ergiebt, wenn man unter Menschen und mit den Menschen lebt, stets das Richtige zu treffen, nx-rc oirn sein, das war stets das Mahn- und Leitwort unseres R. Jeschaja ren. Eine Unzahl kleiner Züge lebt davon noch im Kreise seiner früheren Wirksamkeit. Sie drehen stch alle darum, den me nan2? enx per gerecht zu werden. Wenn er mit seinen Kindern einen Spaziergang machte, dann duldete er nicht, daß sie sich auf Privatfelder zum Ausruhen hinsetzten. ~o: ist doch verboten, und wenn es sich auch um einen minimalen Schaden handelte, -r»"v ’sn ist ja mim fe tbx. Bei seinem umfassenden Wissen hatte er eine n^xrn bald entschieden. Aber Tage lang konnte er nachlernen, um pco zu retten. Eine Frau kam einmal 2'' am mit einer a^na ib»2 Frage, über das Essen, das sie für am gekocht hatte. Die ganze Nacht von 2'' blieb er da auf, nicht um c’mn zu sagen, odermitma irmo zu sein, sondern um der Frau den Topf Essen zu retten. Und wie im Kleinen, so im Großen. Er ging einmal mit zwei Rabbinern, die eine größere Summe bei sich führten, des Nachts auf abgelegener Straße. Sie wurden überfallen und beraubt; da hielt er die Räuber mit übermenschlicher Anstrengung je einen mit einer Hand trotz ihrer wüthenden Gegenwehr so lange fest, bis Hilfe herbeieilte und man ihnen den Raub abnehmen konnte. Daß er, an der Grenze Deutschlands und Rußlands ansässig, unzählige Male ^an naie^ eingreifen mußte und für die russischen Juden eingetreten ist, dadurch, daß er seine Glaubensgenossen zur Rettung alarmirte, davon wissen sehr viele Gemeinden in Rußland zu erzählen. Mit Dr. Rülf aus Memel, der nun auch seinen alten Wirkungskreis verlassen hat, vereinigte ihn Jahrzehnte hindurch ein inniges Band, das auf der gemeinsamen hilfreichen Thätigkeit sich aufbaute. Und noch ein drittes war ihm eigen, und das hat er auch mit den großen Rabbinern gemeinsam, die Toleranz. Die Toleranz, die eben nur ein ganz starker Mann, ein in seiner Größe alles überragender empfinden und üben kann, weil dieser nicht zu fürchten hat, er könne sich verlieren, wenn er die Anschauungen des Anderen duldet. Freilich, wo man sich gegen Grundprinzipien he moi 2*122 min wandte, da konnte er gewaltig aufbrausen. Er sagte einmal einem sehr hervorragenden Manne auf's gründlichste Bescheid, als dieser von den Amoräern nicht mit der genügenden Ehrfurcht sprach. Sonst aber versuchte er Keinem seine Meinung aufzudrängen. Er war ein ganz gründlicher Soharkenner, er konnte auf eine Frage erklären, das steht nicht im Sohar, und doch konnte niemand, der diesem Werke nicht die Achtung entgegenbrachte, im Verkehr mit ihm das erkennen, denn er sprach vom MaimonideS als vom fcmpn 0*22*1.

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