Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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27 nur darauf schließen, daß unsere Glaubensgenossen auf kommerziellem Gebiete Hervorragendes leisten, sondern daß ihre Verdienste um Handel und Gewerbe auch volle Würdigung seitens unserer hoben Negierung finden. D. Kreutz, 27. Dez. In unserer. von strengster Gläubigkeit durchdrungenen Gemeinde fand am 25. Dezember nach heftiger, seitens der Neuerer-Partei forcirten Agitation die Vorstandswahl statt und wurde der bisherige streng orthodoxe EultuSpemeinde - Vorsteher Herr Gerson K a p wiedergewählt. Während der bisherigen Amt-nhätigkeit dieses Mannes, der auch Vicerichter (Bürgermeister-Stellvertreter) ist und die größte Popularität bei der gesammten Bevölkerung genießt, herrschte Friede und Eintracht in der Gemeinde, was mit besonderem Danke anerkannt werden muß. Im übrigen drang die streng-orthodore Eandidatenliste durch- Es wurden als Beirätbe gewählt die Herren: Jg. Tauber, Jg. Spiegel, Jul. Frischmann, Salomon Hocker, S. Lipschüß, als Cassier ging zum 2«. male der hochverdiente Herr N- L. Kohn aus der Urne hervor. Möge dem neugewählten Cultusvorstand vergönnt sein, zum Heile der Gemeinde sein Ehrenamt noch viele Jahre zu verwalten. X. Feuilleton. Späte Sühne.*) Von Robert Hänlein. 4) Nachdruck verboten. „Kennt Ihr die Zahl und genaue Form der einzelnen Stücke"? fragte Herr von Dingeldein. „Gewiß," erwiederte Rabbi Jesaja. Er gab darauf eine so genaue Beschreibung der einzelnen Gegenstände, daß Herr von Dingeldein über das wunderbare Gedächtniß des Rabbi erstaunte und alles genau zu Papier brachte. „Das erste wird sein, daß ich mich selber an Ort und Stelle begebe, um durch persönliche Besichtigung alles Erforderliche seststelle. Wenn es Euch recht ist, gehen wir sofort, um nicht unnützer Weise noch mehr Zeit zu verlieren." „Excellenz, wir werden den Tag als einen Festtag in unserer Familie begehen, an dem wir die Ehre haben, Ew. Exeellenz innerhalb unserer Räume begrüßen zu dürfen. Aber gerade diese seltene Ehre wird wie ein Lauffeuer die ganze Judengaffe durchdringen, man wird nach dem Anlaß dieses seltenen Besuches suchen und ihn leicht finden. Diese Oeffentlichkeit ist aber jedenfalls nicht im Jntereffe einer erfolgreichen Untersuchung." „Dafür lastet mich sorgen;" erwiederte kurz Herr von Dingeldein. „Euere bisherige Geheimthuerei hat der Sache jedenfalls nicht gedient; vielleicht erreichen wir das Ziel leichter durch das Gegentheil. Der Dieb wird es sicher nicht geheuer finden, *) Neu eingetretene Abonnenten erhalten die ersten fünf Kapitel dieser Erzählung, soweit der Vorrath reicht, ans Verlangen kosten- und portofrei nach^eliefert Geschäftsstelle des Israelit. wenn er sieht und hört, daß der Stadthauptmann selber die Sache in die Hand nimmt. Ihr könnt sofort in meiner Doppelsänfte mit kommen, wir wollen der Sache sobald als möglich auf die Spur kommen." Rabbi Jesaja erschreckte die Energie des Stadthauptmannes. Nachdem er eingesehen, welchen Fehler er gemacht, daß er die Polizei ins Vertrauen gezogen hatte, wollte er den Mißgriff wenigstens, soweit er noch konnte, abzuschwächen suchen. Er hätte es deshalb gern vermieden, die Sache zum Gegenstand des öffentlichen Geredes zu machen. Wenn aber der Stadthauptmann in einer und derselben Sänfte sich mit ihm durch die Judengaffe tragen läßt, dann war für nichts mehr zu stehen. „Wenn Euere Excellenz unserem Hause die Ehre Hochdero Besuches erweisen wollen, so kann ich aber die Ehre schlechterdings nicht annehmen, daß ich mit Ihnen in einer und derselben Sänfte mich durch die Stadt tragen laste. Zudem möchte ich auch meine Frau von der uns bevorstehenden Ehre benachrichtigen, damit sie unsere bescheidenen Räume ein wenig vorher in Stand setzen kann, um einen so hohen Gast einigermaßen würdig zu empfangen." Herr von Dingeldein ließ sich aber nicht abwendig machen; und wenige Minuten später bot sich der Stadt Frankfurt das seltene Schauspiel, daß der Rabbiner und der erste höchste Polizeibeamte der Stadt in einer und derselben Sänfte die Judengaffe passirten und vor der Wohnung des Rabbiners abstiegen. VI. Ehrfurchtsvoll betrat der Stadthauptmann unter Führung des großen Gelehrten dessen Geisteswerkstätte, die Lernstube. Beim Anblick der großen Folianten, welche sämmtliche Wände in hohen Schränken ausfüllten, vergaß Herr von Dingeldein einen Augenblick den Anlaß, der ihn hierhergeführt hatte. Ehrerbietig entblößte er das Haupt und ließ den Blick über die langen Bücherreihen und dann durch das ganze Zimmer schweifen. Es war einfach, geradezu dürftig möblirt. Ein langer eichener Tisch und mehrere tannene Stühle, ein einfacher Stehpult mit einem Gießfaß und einem linnenen Handtuch bildeten das ganze Mobiliar. Zuletzt hastete das Auge auf dem Eigenthümer dieses Raumes, der bescheiden am Eingänge stehen geblieben war. Rabbi Jesaja glaubte einen leisen Vorwurf in diesem Blick zu lesen. „Seid willkommen, gnädiger Herr, in diesem Hause und verzeiht, daß ich bedeckten Hauptes vor Euch stehe, aber unser Gesetz verbietet uns die Entblößung des Hauptes." „Macht Euch deßhalb keine Sorge," erwiederte leutselig der Stadthauptmann, indem er sich auf einen der alten Stühle so gründlich niederließ, daß dieser in allen Fugen krachte. „Ihr seid ja zu Hause un<