Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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28 könnt Euch ganz nach Belieben verhalten. Aber habe ich Euch recht verstanden, so sagtet Ihr soeben, daß Euer Gesetz Euch die Entblößung des Hauptes verbietet? Das finde ich merkwürdig, da Ihr soeben in meiner Amtsstube doch mehr als eine halbe Stunde entb'ößten Hauptes verbracht habt." „Das ist richtig," entgegnete Rabbi Jesaja. „Bei Eurer Excellenz habe ich durch Abnahme meiner Pelzmütze nicht gegen unser Gesetz gehandelt, aber hier würde ich die Rücksicht und Ehrerbietung gegen die uns umgebenden heiligen Schriften verletzen, wenn ich das Haupt in ihrer Gegenwart entblößte." „Ihr sprecht in Räthseln, Rabbi. Ich dächte, Ihr verletzet gerade durch das Bedeckthalten des Hauptes die Ehrehrbietuna, während man sie durch Hauptentblößung ja eben zum Ausdruck bringt." „Im Allgemeinen trifft das schon zu, daß man seine Achtung durch Abnahme der Kopfbedeckung bezeugt, aber in besonderen Fällen ist das selbst bei der allgemeinen landläufigen Anschauung nicht immer der Fall. Nimmt z. B. der Soldat Helm und Mütze ab, wenn er vor seinem Kaiser selbst steht?" „Ich gebe zu," erwiederte der redselige, hohe Gast, „daß man verschiedener Meinung darüber fern kann, ob man seine Ehrerbietung durch Bedecken oder Entblößen des Hauptes bester ausdrückt, und daß die Form dieses Ausdruckes füglich gleichgiltig sein kann, wenn nur die rechte Gesinnung vorhanden ist. Aber ich dächte doch, daß unsere Gepflogenheit darin vernunftgemäßer ist, als die jüdische." Rabbi Jesaja besaß in hohem Grade die Geistes¬ und Herzensbildung, verbunden mit dem feinen Takt, der seinem Partner nie die eigene geistige tteberlegenheit fühlen läßt und selbst die Schwächen des Gegners in verbindliche Formen zu kleiden weiß, ohne jedoch dabei etwas von seinem Standpunkte zu vergeben, Lächelnd bemerkte er: „Sie haben von Ihrem Gesichtspunkte aus wobl Recht, und die jüdische Gepflogenheit hat es vielleicht auch. Nehmen wir einmal an, man kann seine Ehrerbietung sowohl durch Bedeckung als Entblößung des Hauptes bekunden und räumen wir sogar der letzteren Art den Vorzug deshalb ein, weil derjenige, der seinen Hut zieht, s ine Ehrerbietung durch eme Tyat ausdrückt, was im andern Falle nicht geschieht. Im Verkehr mit Menschen wäre daher dieser Brauch vielleicht wirklich der geeignetste. Aber die jüdische Ehrerbietung, die Gott und seinem Gesetze, seinen heiligen Stätten und Männern gilt, diese müßte, da der Gegenstand ihrer Verehrung — Gott — Tag und Nacht, in der Jugend und im Alter, im Hause und auf der Straße, also immer und überall zugegen ist, diese müßte denn auch immer und überall uns die Mütze in die Hand drücken und uns nöthigen barhaupt zu gehen. Da das durch körperliche Disposition, durch Witterungsverhältniste und andere Umstände nicht wohl möglich ist, so sind wir auf die andere Art des Grußes angewiesen und tragen das Haupt fortwährend bedeckt. (Fortsetz, f.) Räthsel. (Hebräisch.) 1. 2. 4. Bietet Lust und Behagen, 2. 1. 4. .;. Wird vom Master getragen, 4. 1. 2. 4. Ist ein sonniges Land, 4. 2. 1. 3. Berühr' nicht mit der Hand. L a n d a u—Raschkow. Der erscheint wöchentlich iweimal, Montags and Donnerstags, jedesmal in mindestenpsrt voaen. Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder ^erteljährlich. »lle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — per puchhandel verkehrt durch E. $. Steina»« r, Letztst», pvhPlntz 16. — Inserate 25 Pfmntg die s spaltige Petttzelle oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheu 75 Pfennt,. — Directe Francozusendung unter Streifband vr» Jahrgang für Deutschland m» Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. ästerr., für'« Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition frane» einzusenden, eitte 9tft«ftts»rn»0 dev OM di» «HtzOfltls» eir»-efa»d1e« «anas-ript-rr stadst dicht statt, maa bittet deshalb, stch »»» a»s« Giaseadaa«ea eine «o»ie ravückradehaltea. Jdhatt (Haaptvlatt) Lebender Artikel: Frau Rabb. Tr. Lehmann — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Sväte Sühne. (Fortsetzung.) — Räthsel. Inhalt der ersten «,<»ag-r Leitender Artikel: Zum 27. Teweth. Zeitungsnachrichten uno Korrespondenzen: Aogasen. - Feuilleton: Verkauft (Fortsetzung.) . . Anhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Briefwecknel zwilchen der Amfterdamer .Stadtbehorde und Herrn Sberrabbiner Dr. Dünner. — Zeitungsnachrichten und (sorrespondenzen: Deutschland: ^iöln. Creta: (sanea - Vermischtes. verantwortliche Redaction: Joseph 5t ahn in Mainz. — Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerci'Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«