Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WWW 25 den blinden, ziel- und planlosen Fortschritt perhorresciren. Namens der Dozenten dankte Prof. Barth für das eben ausgebrachte Hoch. Von weit her sind die Söhne des Seminars gekommen, um die Jubelfeier der alma mater zu begehen. Die Bedeutung des Festes liegt darin, daß Alle, die gekommen sind, Strebensgenosten sind für die altüberlieferte Religion und für die jüdische Wissenschaft. Ueberall regt sich der Drang nach religiöser Belehrung und die Zeit der Stagnation, die vor dreißig Jahren geherrscht hat, ist erfreulicherweise überwunden. Das Rabbinerseminar hat sein gut Theil Verdienst an diesem Erfolg. Wohl dem Rabbiner, der die verlangte Belehrung spenden kann. Aus der jüdischen Geschichte kann das jüdische Volk lernen, daß alle die Sekten, die mit der traditionellen Ueberlieferung gebrochen haben, im Laufe der Jahrhunderte zu Grunde gegangen sind. Aus Talmud und Midrasch soll das jüdische Volk lernen, daß dieselben nicht das Zerrbild sind, das Gehässigkeit aus ihnen gemacht hat; aus seinen Religionsphilosophen, daß das Heil nicht in der hermetischen Absperrung gegenüber der Außenwelt liegt, daß aber auch die tiefsten Denker unter ihnen nie die Hand an die unantastbaren Würzeln unserer Religion gelegt haben, Nur umfassend gebildete Geister können der Aufgabe, all dies zu lehren, gerecht werden. Die Hörer kommen und gehen, aber die Grundlage des Senrinars bleibt dieselbe. Wir treiben keine voraussetzungslose Wissenschaft, aber unsere Aufgabe ist, all die hohen Güter, die auf deru Boden des traditionellen Judenthums gewachsen sind, unangetastet d,er Zukunft zu überliefern. Mit einem kräftigen Hoch auf die jetzigen und früheren Hörer des Seminars schloß der geistvolle Redner. Dr. G o i t e i n—Kopenhagen, verglich ein Midrasch-Wort auslegend die Rabbiner dem Wehrstand und die Dozenten dem Lehrstand. Beide seien machtlos ohne den Nährstand, aber zum Glück fei auch ein solcher im Kuratorium der Anstalt vorhanden, dem er seinen Toast widmete. Herr mann Gumpertz—Hamburg dankte für diese Liebenswürdigkeit, und knüpfte daran eine Schilderung der Thätigkeit des verehrten Dr. I. Hildesheimer, der auch in finanzieller Hinsicht viel bester verstanden habe, für das Wohl des Seminars zu sorgen, als all die erprobten Kaufleute, die im Kuratorium der Anstalt sitzen. Redner fordert alle Anwesenden auf dafür zu sorgen, daß genügende Summen herbeigeschafft werden, um das Seminar aus deren Zinserträgniffen unabhängig von den schwankenden Jahresbeiträgen zu machen. Sein Toast galt den Wohlthätern des Seminars. Rabbiner Dr. Bon di—Mainz fand außerordentlich herzliche Worte für den Dank an die Gemeinde Adas-Jisroel, die dem Seminar und seinen Hörern jederzeit so liebenswürdig Gastfreundschaft erwiesen habe. In den Häusern der Gemeindeangehörigen haben die Hörer des Seminars jederzeit die Grundsätze, die sie auf der Anstalt lernten, in der Praxis sehen können. Allen Gemeinden, in denen Schüler des Seminars wirken, besonders aber der Gemeinde Adas-Jisroel widmete Dr. Bondi sein Glas. Isidor Ro scnblüth—Berlin dankte Namens der Gemeinde Adas-Jisroel und brachte ein Hoch auf das Seminar aus. Die Herren Jacob Bamberg e r , Namens des B e t h - H a m i d r a s ch und Wilhelm G o l d s ch m i d t Namens des „Talmud- Vereins" brachten die Glückwünsche ihrer Vereine dar; alsdann feierte Herr Sigmund Frankel die Gattinnen der Dozenten, während Herr Benjamin Hirsch—Halberstadt den Gegensatz des Nabbinerseminars zur alten Form der Jeschiwah charaeterisirte. Dr. E pp e n st e i u—Briefen toastete auf die Herren Dr. Berliner und Dr. Hoffmaun, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 25jähriges Jubiläum als Dozenten am Rabbinerseminar feiern. Dr. Cahn- Fulda schilderte als letzter Redner die Gründung des Seminars und die Wirksamkeit des verehrten Rabbi, und forderte alle diejenigen, die sich Schüler dieses Meisters nennen wollen, auf, in ihrer ganzen Wirksamkeit seinem Beispiele zu folgen. In rührenden Worten betete der selbst tief ergriffene Redner um Gesundheit und langes Leben für seinen hochverehrten Meister und um reichen Segen für dessen größte Schöpfung, das Rabbinerseminar. Mit den außerordentlichen wirkungsvollenWorten des Dr. Cahn schloß das Festmahl, während besten Verlauf noch zwei deutsche und drei hebräische Festlieder gesungen wurden, das Tischgebet wurde gesprochen und die Tafel aufgehoben. Sowohl die Feier am Vormittag in der Synagoge, als das Festmahl am Abend werden allen Theilnehmern unvergesten bleiben. — 28. Dezember. Am Bormittag versammelten sich die anwesenden Rabbiner, die ehemaligen und die jetzigen Schüler und einige andere Talmud-Gelehrte Berlins, um einem halachifchen Vortrage des Dozenten Dr. Hofs mann beizuwohnen. Derselbe behandelte die rb ppt -rep r«: L und war ebenso gelehrt, wie geistvoll. Dem Vortrag folgte eine zwanglose Diskussion der anwesenden Rabbiner, in der mancherlei wichtige Fragen, welche gegenwärtig die jüdische Oeffentlichkeir bewegen, zur Sprache kamen. Am Abend fand ein vom Dibbuk Chawerim veranstalteter Kommers statt, zu dem die bei der Festfeier anwesenden Gäste ebenfalls eingeladen waren. Circa 300 Herren nahmen an demselben Thetl, während eine Anzahl Damen dem lebhaften Treiben zuschauten. Von den vielen Reden wollen wir nur die