Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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-. ll .1. I1' "■' u-'- 23 lehrsamkeit kein Zweifel ist. So sehr die Begeisterung für den Zionisinus bei unfern russischen Glaubensbrüdern zu erklären ist, die unter einem schweren, bisweilen unerträglichen Joche schmachten, so mar es doch vielen befremdlich gewesen, daß sich große und gelehrte Rabbiner ohneVorbehalt der Bewegung angeschlossen, deren Führung in den Händen radikaler, glaubensloser Männer liegt. Der unten folgende Aufruf gibt die Lösung des Räthsels. Kurz vor dem Zionisten-Congreß fand eine Zusammenkunft von Rabbinern in Warschau statt, die bedeutsame Beschlüsse faßte und als deren Vertreter die russischen Rabbiner zum Congreß kamen. Im Wesentlichen liefen ihre Vorschläge darauf hinaus, man solle den jetzigen Führern alle rein politischen und ökonomischen Fragen überlasten, hingegen für die Ueberwachung der religiösen Angelegenheiten ein Rabbiner-Co mit^ von unzweifelhafter Autorität ernennen. Durch welche Irreführung maßgebende zionistische Führer die Vorlegung und Diskussion dieses Gesuches der Rabbiner auf dem Congreß verhindert haben, darüber werden uns interessante Enthüllungen in Aussicht gestellt. In jedem Fall, das ist klar, würde die zionistische Sache durch Annahme der von den Rabbinern vorgetragenen Grundsätze unendlich viel gewonnen haben! Wir werden auf die Angelegenheit zurückkommen. Beschluß der Bersaminlung z i o n i st i s ch gesinnter n b b i n e r z u W arscha u. Das einzige Centrum, daS geeignet wäre, die verschiedenen Parteien des Judenthums zu einigen, ist der Zionismus,- denn in ihm kann das Bestreben jeder Partei in irgend einer Form zur Verwirklichung gelangen. Cs versteht sich also, daß der Zionismus nur dann seinen Aufgaben in jeder Beziehung gerecht werden kann, wenn er sich auf einer gesunden Basis aufbaut, auf einer Basis, die int Stande ist, diesen herrlichen Bau für alle Ewigkeit zu tragen. Leider aber bildet schon, ebe sich der Zionismus zu einem festen C'efüge zu konstituieren im Stande ist, sein Fundament einen (Gegenstand des Anstoßes für die verschiedenen Parteien. Wir erachten es also als unsere Pflicht, auf diesen Umstand rechtzeitig aufmerksam zu machen. Wir stellen fest, daß der Zionismus sich nur auf dem jüdischen Ratiorralitätsbewußtseiu aufbaut, aber dieses Bewußtsein kann in zweifacher Weise aufgefaßt werden. Wir und alle unsere gleichgesinnten Brüder in Rußland anerkennen nur ein solches jüdisches 'Rationalbewußtsein, das sich auf den ((lesegen und Rechten unserer Thora aufbaut, die uns seit Jahrtausenden erhält, uns das eigenthümlich jüdische Gepräge aufdrückt und welche die Ursache ist, daß wir uns mit den anderen Völkern nicht assimilieren konnten. Dieses ist diejenige Art des jüd- Rationalitätsbewußtseins, die unzertrennlich mit der Thora verbunden ist. Nun aber macht sich seit kurzer Zeit ein neues j üd- Rationalitätsgefühl geltend, welches auch ohne das heilige Erbe unserer Vorfahren bestehen zu können glaubt. Es läßt sich nun allerdings nickt bestreiten, daß auch diese Form des Naiionalitätsbewußtseins eine erhabene Idee ist, da sie viele unserer Söhne, die durch Assimilation > schon am Rande des Verderbens waren, 311 ihrem Volke zu- ' rückführte — doch auf diese Basis allein dürfen wir den Zionismus nicht stellen. Wenn wir nur auf' diesem Wege fortsahren, so haben wir nichts erreicht, weil wir dadurch die große Masse des Volkes, die in althergebrachter Weise an den uralten Satzungen festhält und deren Zahl Millionen beträgt, eher entfremden und abschrecken. Anderseits wieder ist dieses Nationalitätsbewußtsein durch zwei vielleicht vorübergehende Einflüsse erzeugt worden, durch das Nationalitätsgefübl, das sich bei allen europäischen Völkern geltend macht und nun auch auf das Judenthum übergreift, siruer durch den Antisemitismus. Cs ist nun möglich, daß durch gewisse politische Verhältnisse, beide Erscheinungen vom Schauplätze der Politik verschwinden können, somit würde dem Zionismus die Basis entzogen werden und er würde jede Daseins- und Existenzberechtigung verlieren! — Wir fühlen lins also im Rainen der großen Masse des jüdischen Volkes, die wir vertreten, verpflichtet, den Vorschlag zu machen, den Zionismus auf Grundlage der Thora zu stellen, denn diese allein ist der natürliche Quell und der Ursprung unseres Rationalbewußtseins, nie dies unser Lehrer Rabbi Samuel Mohilewer gesegneten Andenkens in seinen Briefen dargestellt hat. Nur dann wird die Grundlage des Zionismus eine feste sein, nur dann wird sie allen politischen Strömungen Stand halten können, und unter das Banner des Zionisinus werden sich alle diejenigen scharen, die sich schon lange zu diesem Prinzipe bekennen und die sich bis jetzt aus religiösen Bedenken zurückgehalten haben. Zu diesem Behuse ist es nöthig, ein Eomits, bestehend aus solchen glaubenstreuen Rabbinern unseres Landes sowie auch des Auslandes einzuberufen, die sich vollständig das Vertrauen des Volkes erobert haben. Die Ausgabe deS Rabbinerkomitees wird sein, die Interessen des Zionismus und der Religion zu vertreten und zwar soll bezüglich ökonomischer und sozialer Fragen dem Aktionskomitee freie Hand gelassen werden, Fragen jedoch, die die Religion betreffen, sollen dem Rabbinerkomitee überlassen werden. In den Wirkungskreis des Rabbinerkomitees fällt auch die Aufsicht über die religiöse Erziehung der Kinder und auch die Ernennung von Agitatoren, und zwar liegt es im Interesse des Zionismus, daß nur solche Agitatoren ernannt werden, die die Zustimmung des Rabbinerkomitees erlangt haben. Tie .Rabbiner ihrerseits werden es dann als Pflicht erachten, das Volk für die heilige und erhabene Idee des Zionismus 311 gewinnen und dabin streben, daß der Zionismus auf friedlichem Boden gedeihe und emporblühe. Gestützt nun aus obige Darlegungen sind wir so frei, den II. Basler Zionisten-Congreß zu ersuchen, diesen wichtigen Punkt in seine Verhandlungen ausnehmen zu wollen. Bezüglich der Art, wie wir uns unfern Einfluß auf die religiöse Erziehung der Kinder wahren wollen und in Bezug auf die Ernennung von Agitatoren haben wir noch keinen festen Beschluß gefaßt. III. Club 5058 zu Warschau Enoch Hendel, Rabbiner von Pariez, Israel Haleri, Rabbiner, Filszten, Leb Ztrelsohn Rabbiner, Priluk, Elias Rabbinowicz, Rabbiner Pollalva, Wolf Wolfsohn, Rabbiner, Sosnica Gabriel Wolf MargulieS, Rabbiner, «rodno, Josef Orlowati, Rabeiner, Bohnslaw, Levi Isaak Lembersti, Rabbiner, Smila. Mordechai Frenkel, Rabbiner, Soroko, Hirsch Direktor, Rabbiner, Sokolka. Dem obigen Beschluß der Rabbiner in Warschau haben sich angeschlossen: Abe Werner, Rabbiner, London, Elias David Rabinowitz, Rabbiner, Mir, Ginseppe Eanino, Rabbino di Napoli.