Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1899)
- Date
- 1899-01-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448956--47462-2497816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 großen Antheil an den glänzenden Erfolgen ihres Gatten gehabt. Die näheren Freunde wissen es, wie sie ermunternd, rathend, harrend, helfend, stützend, stets neben ihm stand, wie sie die würdige Tochter Rabbi Samuel Bondi's ‘•to auch Dr. Lehmann's würdige Gemahlin war. Welche feurige, aus dem Herzen kommende, zum Herzen dringende Worte fand sie, als der beredte Mund ihres Gatten verstummt war, so es galt, für nx^- m:r einzutreten! Wie leuchtete die Flamme der Thorafreude in ihrem Hause und aus ihrem Hause heraus. Soviel an ihr lag, vermißte kein Armer die leider so früh geschloffene mildthätige Hand ihres herzensguten Mannes, wie früher saßen die Bedürftigen, Familienmitgliedern gleich, um ihren Tisch herum. Ihre treue Liebe für den so früh dahingeschiedenen Fürsten ihres Hauses zeigte sie auch äußerlich dadurch, daß sie nicht gestattete, daß in der Wohnung irgend eine Veränderung vorgenommen wurde. Und als wir uns gestern in den wohlbekannten Gemächern zusammenfanden, um der Tobten die letzte Ehre zu erweisen, da bot sich uns derselbe Anblick dar, als damals, als wir in namenlosem Jammer von unserem großen Lehrer Abschied nahmen. Die Räume sind bis jetzt noch dieselben geblieben, doch die segenspendenden Geister der Edlen, die darin walteten, sind nach Gottes unerforschlichem Rathschluß daraus geschwunden. Es ist nicht nöthig hervorzuheben, daß die Trauer um den Verlust einer solchen Frau hier in unserer Stadt eine allgemeine ist. Aengstliche Erkundigungen liefen während ihrer Krankheit von allen Seiten ein. Die Kunde von dem traurigen Ausgange der Krankheit wurde überall mit tiefer Erschütterung vernommen. Schon lange vor der für die Beerdigung festgesetzten Zeit waren die Räume der Wohnung von einer dichtgedrängten Menge erfüllt und eine zahlreiche Zuhörerschaft lauschte, den tiefergreifenden, geistvollen Abschiedsworten, die Herr Liepmann P r i n s aus Frankfurt a. M. im Trauerhause an der Bahre der Verblichenen sprach. In leuchtenden Farben schilderte der Redner die unübetreffliche Gastfreundschaft des Lehmann'schen Hauses. Eine geistvolle Deutung einer räthselhaften Midraschstelle bildete die Grundlage der weiteren Rede. Im Midrasch heißt es: npr c*:zrt rx* cxn rx nStrr r6sr bxrv'b n :p- -cx ‘"z rx c*p^x x-" "zx;tr p;j?r nbycb r—yrn rwP "p c'p^x jrr. Gott sprach zu Israel. Schicke die Mutter fort und die Kinder nehme dir, damit du die Liebe Gottes erweckest. Denn so heißt es: und als Gott die Kinder Israels sah, da wurde die göttliche Liebe rege. Die Deutung dieses Midrasch gab Veranlassung, die Kinder der Verschiedenen zu ermahnen, die eigenen Kinder im Geiste und im Sinne der Ahnen zu erziehen. Jetzt, wo die Mutter sich aus dem Hause entfernt hat, so faßte der Redner diese Stelle bildlich auf, nehmt euch mit verdoppelter Fürsorge eurer Kinder an. Durch ein Leben nach den Lehren großer Voreltern, bleiben wir der göttlichen Liebe würdig. So lesen wir in der kommenden Sidra: Als unsere Väter in Aegypten aufschrieen zu Gott in ihrer Roth, gedachte der Allgütige seines Bundes mit Abraham, Jizchak und Jakob. Und als Er nun sah, daß sie würdige Söhne dieser großen Männer waren, wahrhafte ^e>' ’jz, da erbarmte sich Gott ihrer. Der Sarg, der so kostbares Gut barg, wurde nun zur Straße hinabgetragen, wo eine große Trauergemeinde seiner wartete, um ihn wehmuthsooll zum „Hause des Lebens" zu geleiten. Auf dem Friedhofe sprach Herr Rabbiner Dr. Bonoi den ersten Nachruf. Das Lebensbild der Prophetin Mirjam bot ihm Gelegenheit, die Vorzüge der Dahingeschiedenen zu schildern, vornehmlich ihr aufopferungsvolles Wirken für die israelitische Religionsgesellschaft vor und nach deren Gründung, bis zu dem Tage, da sie aus ihrem segensreichen Leben abberufen wurde. Der Redakteur des Israelit, Herr Oskar Lehmann '"i, nahm nun mit thränenerftickter Stimme das Wort, um von der theuren Mutter Abschied zu nehmen. In der ergreifenden meisterhaften Rede schilderte er auch die großen Verdienste der Dahingeschiedenen um diese Zeitschrift. Herr Dr. Jonas Lehmann aus Berlin, der zweite Sohn der Dahingeschiedenen, schilderte mit den Worten, Gedanken und Bildern eines Dichters in tiefergreifender Weise die Liebe seiner Mutter zu ihrem Gatten und ihre Liebe für die Kinder. Der Redakteur dieses Blattes wird nach Ablauf der Trauerwoche über seine und seines Bruders Rede selbst ausführlicher berichten. Da die Stunde schon vorgerückt war, konnten keine weiteren Redner zu Worte kommen. Die Schatten des Abends senkten sich herab und die untergehende Sonne beleuchtete eine stillklagende, schmerzbewegte Versammlung, die von dem frischen Grabe einer theuren, unvergeßlichen Frau sich trennte mit dem tiefempfundenen Rufe sbrz '2^. Ziehe hin in Frieden! .tmuii. Zeitungsnachrichten und Correfponderrzerr. Deutschland. Mainz, 3. Jan. Aus Rußland geht uns von einem Freund bie unten abgedruckte Erklärung zu, die uns über die Stellung hervorragender russischer Rabbiner zum Zionismus aufklärt. Bekanntlich haben in diesem Jahre zum ersten Male am Baseler Zionisten Congresse einige große russischen Rabbiner Theil genommen, an deren wahrhaften, echten Frömmigkeit und an deren großen Ge-