Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1899)
- Date
- 1899-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 sinder man schonin den Salomon'schen Sprüchen dasheirlichste Frauenideal gezeichnet, sieht man in der überall Bewunderung erregenden, dabei äußerst bescheidenen Sulamith das jüdische Weib verherrlicht und besungen. Der jüdischen Frau ist nie ein dichtender Frauenlob erstanden, Troubadours und Minnesänger hat der jüdische Gesang nur in geringer Zahl hervorgebracht, sie fand keinen Dichter, der zu ihrem Lobe die Saiten seiner Leier rührte, keinen, der ihren Ruhm und Preis verkündigte. Wozu auch? „Ist doch das Leben der jüdischen Frau in ihrer lieblichen Einfachheit, wie in ihrer titanischen Duldergröße selber ein Hochgedicht, wie es kein Dichter schöner je erdacht, eine Lobeshymne, wie keine voller und harmonischer je erklungen!" Nachdem der Redner die Stellung der jüdischen Frau im Hause und ihre Bedeutung für dasselbe gezeichnet, führte er eine große Gallerie herrlicher Gestalten aus der Geschichte und Literatur vor und verweilte lange bei der ausführlichen Schilderung zweier hochinteressanter Erscheinungen der jüdischen Literatur, bei dem Lebensbilde der jüdischen Dichterinnen Debora Ascarelli und ihrer jüngeren durch Geist und Annmuth strahlende Zeitgenossin Sarah Coppia Sullam. Zwei herrliche, leuchtende Gestalten in Judas Dichterhain, die interessantesten und bedeutendsten jüdischen Frauen auf den Schwellen des Mittelalters zur neuen Zeit. Mit einer liebevollen Schilderung Miß Graee Aguilars, der bedeutendsten Schriftstellerin der neueren Zeit, an der wir die seltene Vereinigung echter Bildung und tiefer Religiosität bewundern, schloß der herrliche Vortrag. Tosender Beifall ward dem jugendlichen Redner, der von einer temperamentvollen, deutlichen Vortragsweise unterstützt, die zahlreich Erschienenen fesselte. Möge sein Appell an die jüdischen Frauen, daß sie stets das Banner des Idealismus Hochhalten mögen — sie, die die Hüterinnen des Hauses sind, in denen das Heranwachsende Geschlecht die ersten Eindrücke und die erste Erziehung empfängt — beherzigt werden. Berlin, 27. Dez. Der Antrag des Justizraths Dr. Friedemann und Genossen wegen Errichtung einer zweiten höheren Mädchenschule im Westen, über den der von der Stadtverordnetenversammlung zur Vorberathung eingesetzte Ausschuß in drei Sitzungen berathen hat, ist in der gestellten Weise vom Ausschuß leider abgelehnt worden. Der Ausschuß empfahl aber der Stadtverordnetenversammlung folgende Beschlußfassung : 1. Die Versammlung erachtet es mit der geltenden Rechtsordnung für unvereinbar, daß Vorsteher und Vorsteherinnen konzessionirter Privatschulen zur Aufnahme angemeldete Kinder aus Rücksicht auf ihre Religion abweisen, und erkennt an, daß durch ein derartiges Verfahren der Vorsteherinnen der größten Zahl der höheren Töchterschulen im Westen Berlins ein thatsächlicher Nothstand vorliegt. 2. Die Versammlung ersucht demgemäß den Magistrat : a) rücksichtlich der bereits bestehenden Privatschulen den Grundsatz zu 1 bei den Aufsichtsbehörden mit allen Mitteln zur Geltung zu bringen; l>) der Konzessionirung neuer Privatschulen nur dann zuzustimmen, wenn in der Konzession selbst den Konzessionsinhabern die Verpflichtung auserlegt wird, bei der Aufnahme ohne Rücksicht aus die Religion der angemeldeten Kinder zu verfahren; e) entweder mit den bestehenden Privatschulen im Westen, soweit diese dem zu 1 aufgestellten Grundsatz entsprechend bei Aufnahme der Kinder ohne Rücksicht auf deren Religion verfahren, in Verhandlung zu treten wegen Erweiterung dieser Schulen; ä) oder ihr baldmöglichst eine Vorlage zugehen zu lassen wegen schleuniger Errichtung einer zweiten höheren Mädchenschule im Westen, und zwar einer Schule, in der nach Art der höheren Bürgerschulen (Realschulen) die Schülerinnen erst nach anderweitiger Absolvirung der Unterstufe Ausnahme finden. Frankfurt a. M., 29. Dez. (M o nt efio re- Verein zur Förderung der idealen Interessen jüdischer junger Leute.) Gestern Abend fand im Saale der israelitischen Suppenanstalt die ordentliche Hauptversammlung statt, die ziemlich stark besucht war und aus deren Erörterungen wir Folgendes herausgreifen. Nach dem Referate des ersten Vorsitzenden, Herrn Sie gm. Singer, hat sich der Verein auch im verflossenen Jahre wieder vergrößert und manche Verbesserung eingeführt. Besonderes Entgegenkommen erfuhr er seitens der Verwaltung der israel. Suppenanstalt durch Ueberlassung der Lokalitäten, ferner durch die Frankfurt Loge V. 0. B. B., sowie durch den Ehrenpräsidenten des Vereins, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Horovitz. Die Vorträge, zum größten Theil über jüdisch-wissenschaftliche Themen, waren sehr gut besucht. Dieselben wurden von den Herren Dr. Ä. Freymann, Dr. Grombacher, Jsaac Goldschmidt, Dr. Jsaac Heinemann, Dr. Schnapper-Arndt, M. A. Lob, Dr. Neuwirth, Dr. Hanauer, I. Dreyfus, Ludwig Katz, Dr. Schreiber, Dr. Schlesinger, Dr. Plotke und Wolfgang Querbach gehalten. Meist schloß sich ihnen eine lebhafte Diskussion an. Außerdem fanden jeden Samstag Vorträge des Herrn Dr. Js. Heinemann über „Jesaias" und des Herrn Dr. Neuwirt über Pentateuch mit Naschi-Commentar statt. Die vier während des Jahres gefeierten Feste erfreuten sich eines derartigen Zuspruchs, daß stets Mangel an Raum vorhanden war, obgleich solche im großen Saale des „Kaufmännischen Vereins" stattfanden. Der Verein unterhält einen Schreibkurs, woselbst den Mitgliedern kostenlos Unterricht im Schreiben,