Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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.-y.72-fr-^fjf+-rr.<?'&'*^i'rÄ->T*f7^‘ ‘»^'•V?^*!.' \r 1939 eine andere Absicht dabei, die Ihr leicht errathen werdet, Euch über die Sache klaren Wein einzu schenken. Ihr haltet mich jetzt doch für einen großen Vaal Schein, wie es dis Rebbezen thut. Wie?" Bei diesen Worten warf Rabbi Jesaja einen prüfenden Blick auf den jungen Mann, den dieser aber mit feinem natürlichen Verstand und seiner geraden, aufrichtigen Denkweise leicht parirte. „Nein, offen gesagt," crwiederte Proßnitzer, „für einen Baal Schem hätte ich Euch deßhalb nicht gehalten; die Erklärung des Wunders ist nach einer anderen Seite hin zu suchen, aber wie und wo, dafür reicht mein Wissen und Denken nicht au?. Ich habe keine Ahnung einer Lösung, obwohl ich die ganze Nacht darüber nachgegrübekt habe." „Die Nacht war für Euch nicht sehr lang, aber Ihr sollt das Räthsel sofort gelöst bekommen. Den ganzen vergangenen Winter drang die Rebbezen in mich, ich müßte mir auf Peßach einen neuen Rock machen lassen, da der bisherige für Jomtof nicht mehr gut genug sei. Wiederholt proteftirte ich dagegen, aber füglich entsprach ich dem Wunsche meines wackeren Weibes. Für meine Nachgiebigkeit versprach sie mir die zwölf goldenen Knöpfe an das neue Kleid anbringen zu lassen, die ihr von ihrem Großvater — der Friede sei über ihm — kurz zuvor als Erbe zugefallen waren. Am Ereb Peßach in aller Friihe brachte ihn Schneider Jerachmiel in's Haus. Meine Frau konnte den neuen Rock mit den herrlichsten aller Knöpfe nicht genug bewundern und legte ihn, nachdem sie ihn lange genug gemustert hatte, auf mein Bett, damit ich ihn Nachmittags anziehen könnte. Mir war bei dem neuen Rock mit dem kostbaren Schmuck nicht ganz geheuer. Was ihn anderen als erstrebenswert^ erscheinen ließ, machte ihn mir verleidet. Es war mir ein beschämendes Gefühl, einen Rock zu besitzen, für den jeder Kenner mehr bezahlt hätte, als für den Träger und Besitzer des Rockes. Dann hätte mich immer der Gedanke beunruhigt, wie leicht könnte ich einen dieser theueren Knöpfe verlieren, wie leicht die Lüsternheit von eitlen Menschen mit dem Flitter rege machen, und sie veranlassen, das letzte der zehn Gebote zu übertreten, kurz, ich konnte die reine, kindliche Freude meiner wackeren Frau — Gott erhalte sie uns gesund — nicht theilen. Messingene Knöpfe oder höchstens silberne, wie sie mein vorheriger Jomtof-Rock hatte, hätte ich für meine Person vorgezogen; aber was thut man nicht um des lieben Hausfriedens willen. Der Rock war einmal da und mußte getragen werden. Während ich da sitze und gerade die nöthigen Vorbereitungen für den Verkauf des Chomez treffe, kommt ein großer Talmid Chochom zu mir herein — Ihr kennt ihn auch, aber ich will eben seinen Namen nicht nennen — und vertraut mir an, daß er sein ganzes Vermögen den letzten Winter verloren habe, daß er seine Jomtof-Kleider versetzt habe und wenn er sie heute nicht einlösen könne, so käme sein Rückgang, den er bis dahin verheimlichen konnte, an die Oeffentlichkeit. Da kam mir ein glücklicher Gedanke durch den Kopf. Ich schnitt die zwölf goldenen Knöpfe ab, gab dem Armen den neuen Rock und die nöthigen übrigen Kleidungsstücke und freute mich nicht so sehr der guten That, als der List, mit der ich meiner Frau nun augenscheinlich beweisen konnte, daß mein alter Rock noch gut genug war. Ich wußte, daß sie sich mit dem alten Rock heute Abend, wenn sie ihn nur für neu hält, genau so freuen wird, als mit einen: neuen, und das that meiner Eitelkeit schon jetzt wohl, denn das war doch der vollgiltigste Beweis, daß ich im Rechte war, wenn ich meinen bisherigen Rock noch für gut genug hielt. Ich hätte nur die Knöpfe meines bisherigen Nockes abschneiden und die neuen dransetzen müssen. Doch meine Abneigung gegen diesen Luxus ließ mich einen anderen Weg versuchen. Ich schickte zu unserem Goldschmied Reb Mosche Zoref und zeigte ihm einen der Knöpfe mit der Frage, ob er mir bis heute Nachmittag 12 ähnliche Knöpfe, aber aus unächtem Golde Herstellen könne. Reb Moscheles Augen leuchteten, als er den Knopf sah und sagte, dieser Knopf enthielte einen sehr hohen Werth. Diese getriebene, kunstfertige Arbeit kann heute kein noch so vollendeter Goldkünstler nachmachcn. Aber aus Talmi oder Tombak imitirte Knöpfe von der Größe eines Thalers, wie dieser da, ließen sich, wenn auch nicht genau übereinstimmend, doch ziemlich ähnliche auftreiben, wenn man bei den hiesigen Trödlern Umschau halte. Er versprach mir das Nöthige zu besorgen und, um es kurz zu machen, in zwei Stunden waren die silbernen Knöpfe meines bisherigen Nockes entfernt, und dieser glänzte unter dem trügerischen Glanz von zwöf falschen Knöpfen so herrlich, daß sie die ächten Knöpfe, die ich in dem Schranke verschlossen, aus dem ich sie gestern Abend fortgenommen hatte, noch überstrahlten. Als ich am Seder-Abend beklommenen Herzens mit meinem alten Rock und seinen glitzernden falschen Knöpfen aus der Synagoge nach Hause kan: und in den Kreis der lieben Meinen trat, jubelte inir meine liebe Frau strahlenden Antlitzes ihren Gruß entgegen, sagte nlir, wie ich zehn Jahre jünger in dem schönen, glänzenden Rocke aussehe; wie Rabbi Jochanan doch so Recht hat, wenn er die Kleider die Ehre des Menschen nennt, kurz, die Feuerprobe war glänzend bestanden, die List war gelungen. Jetzt wißt Ihr alles. Meine liebe Frau darf von alledem nichts wissen, sonst stellt sich doch wieder die Nothwendig-