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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 21)
Language
German
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’iyggy^sgyiywp^*? 1933 schichte und der rabbinisch-takmudischen Literatur zu pflegen." Dieses Ziel zu erreichen, veranstaltet der Verein regelmäßige Lehrkurse, welche dem Verständnisse der Hörer angepaßt und deren Wissen zu fördern geeignet sind. Auch unterhält er eine Bibliothek, in der neben jüdischer Belletristrik vor allen auch jüdische Geschichte und Litteraturgeschichte in ihren besten, volksthümlichen Darstellungen vertreten sind. Mit diesen, seinen Veranstaltungen wendet der Verein sich in erster Reihe an denjenigen Theil der Jugend unserer Stadt, welcher dem Kaufmannsberufe sich widmet, um ihm Gelegenheit zur Ausfüllung der Lücken seines Wisiens von der Religion und der Geschichte seines Stammvolkes zu bieten. Fortbildungsschulen und Vereine aller Art bestreben sich, an den Wissensbesitz, welchen die Kaufmanns- und Handwerkerlehrlinge aus der Schulzeit in's Leben mithinausgenommen haben, anzuknüpfen, um dieses Gut zu vertiefen und zu erweitern und dadurch den Jüngling für den Daseinskampf zu wappnen und zu stählen. Zu einer Vertiefung und Erweiterung seiner Kenntnisse in der Religion und Geschichte feines Bekenntnisses über das nur allzu bescheidene Maaß hinaus, welches der schulplanmäßige Religionsunterricht vor dem Eintritt ins praktische Leben ihm gewährt, bietet dagegen einzig und allein dieser Verein ihm ausreichende Gelegenheit. Und doch sollten gerade in unserer Zeit mit ihren überwuchernden, materialistischen Trieben und Neigungen, welche der Seele des Menschen den Frieden rauben und die Jugend in ihrem Wollen und Trachten vorzeitig altern und greisenhaft werden lasten; sollten gerade in unserer Weltstadt, wo die Lockungen und Versuchungen in mannigfachster Form und Gestalt dem Jünglinge nahen, um ihm vom Pfade der Sitte und Ehrbarkeit in die Arme des Lasters zu führen, denjenigen Bestrebungen, welche diesen mehr und mehr entschwindenden Seelenfrieden wenigstens der Jugend erhallen, aus unedlen Neigungen und Zerstreuungen dieselbe zu den freieren Höhen einer edlen Geselligkeit — denn auch diese pflegt unser Verein — und zur Bethätigung der Kräfte des Gemüths und der Seele im Kreise Gleichgesinnter und Gleichstrebender lsinaufftthren wollen, der Unterstützung aller weitsichtigen und ihrer Verantwortlichkeit gegen die menschliche Gesellschaft sich bewußten Elemente sicher sein. Hat es ja nicht geringes Aufsehen erregt, als jüngst der jüdische Seelsorger einer größeren Gefangenenanstalt öffentlich erklärte, er habe in seiner Anftaltsthätigkeit fast durchgehends bei seinen Pflegebefohlenen das Fehlen fast jeglicher religiösen Kenntniste, und damit naturgemäß den empfindlichen Mangel einer religiössittlichen Weltanschauung feststellen müsten! Und hat nicht anderseits schlaglichtartig die schweren Schäden unserer Zeit jenes Wort eines GerichtSvorsttzenden erleuchtet, der Weg zum Zuchthaus führe fast regelmäßig durch die Vergnügungslokale niederer Art, in welchen, leider, auch viele jüdische junge Leute Zerstreuung nach des Tages Last und Mühe suchen! Wir wissen uns in dieser Gesinnung eins mit den geschätzten Lesern dieser Zeitschrift und erlauben uns daher, zum Besuche unserer Lehrkurse und zum Anschlüsse an unseren Verein ganz ergebenst einzuladen. Die Kurse finden statt in unserem Vereinslokale, Rosenstraße 2 parterre rechts Montags und Donnerstags Abends 9—lO Uhr. Gäste sind jederzeit willkommen. Am Donnerstag, den 5. Januar 18^9, Abends 9 Uhr, findet im Saale Münchener Hof, Spandauerstr. 11/13, eine Versammlung statt, in welcher Herr Rabbrnats- Afsissor Dr. Ed. Biberfeld über die Rothwendigkeit und Bedeutung israelitischer Fortbildungsvereine sprechen wird. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Ed. Biberfeld, Ehrenvorsitzender, Heidereuthergasse 4, Akiba N. Hartmann, Vorsitzender, Schönhauser Allee 186, Arthur Marcus, l. Schriftführer, Weinmeisterstraße 3, Louis Levy, 2. Schriftführer, Louisenstraße 52, Leo Struck, Cassirer, Spandauerbrücke 4/5, Herrmann Mannheimer, Bibliothekar, Augustinerstraße 47. Holland. Amsterdam, 23. Dez. Ich versprach Ihnen, über den Standpunkt eines Theils der freisinnigen Juden in Holland und über die Ungenauigkeiten in dem Bericht vom 5. Dez. Mittheilungen zukommen zu lassen. Zunächst möchte ich über die letzteren einige Bemerkungen machen. Es ist eine völlige Unwahrheit, daß seit Errichtung der konfessionslosen Schulen niemals von jüd. Seite Klagen geäußert wurden. Wiederholt wurde daraus hingewiesen, daß die Neutralität derselben theilweise nur dem Namen nach bestehe. Hauptsächlich in Bezug auf die Anstellung, richtiger Nichtanstellung jüdischer Lehrer, die an Sabbat und Festtagen nicht in der Schule erscheinen wollten, wurde schon seit Jahren geklagt, während andererseits, und dies ist von viel größerer Wichtigkeit, mit Nachdruck darauf hingewiesen wurde, daß für den Religionsunterricht nur geringe ungeeignete Zeit überblieb. Amsterdam, behauptet Ihr vorzüglich unterrichteter (?) Berichterstatter weiter, sei bisher eine Hochburg des orthodoxen Judenthums ^geblieben. Ach, könnte man diesen Ausspruch nur so ohne weiteres unterschreiben! Ja, ganz sicher, Hollands Hauptstadt hat auf spezifisch religiösem Gebiet noch viel Schönes aufzuweisen, besonders die Gemeindeinstitutionen, die allgemeinen jüdischen Anstalten und die Ange-

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