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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1934 legenheiten der Kaschruth, kurz überall da, wo das Rabbinat, unter der kräftigeu Leitung des Herrn Dr. Dünner, die Zügel führt. Es giebt auch noch sehr viele, die die Tradition in jeder Hinsicht in Ehren halten; wir finden eine Anzahl Vereine, wo täglich von Hunderten, auch von jungen Leuten, das Thorastudium geübt wird u. s. w. Man vergefie aber nicht, daß man sich in einer Gemeinde von über 50,000 jüdischen Seelen befindet. Was bedeuten da einige Hunderte? Im Großen und Ganzen macht es einen tieftraurigen Eindruck, zu sehen, wie erschreckend die Religiosität abgenommen hat; wie groß auf jüdischem Gebiet die Gleichgiltigkeit und Unwissenheit ist. Und diese Letzteren sind doch die schlimmsten Feinde des gesetzestreuen Judenthums. Es ist selbstverständlich, daß die geringe Zeit, die für den Religionsunterricht übrig bleibt, im hohen Maaße dazu beitrug, diesen Zustand ins Leben zu rufen. Dazu kam noch außerdem, daß in den letzten Jahren der Lehrerkorps der neutralen Schule viele Mitglieder zählte, die auf verschiedenen Gebieten den allerneuesten Prinzipien huldigen,*) so daß auch von dieser Seite dem jüdischen Kinde Gefahr droht, umsomehr als sich viele in Bezug auf das Verkünden ihrer Ideen eine außergewöhnliche Freiheit erlauben. Braucht man sich da noch zu wundern, daß man ernstlich aus Mittel sann, diese Zustände zu verbessern? Das am nächsten liegende Mittel, um die bestehenden Zustände zu verbessern, war die Errichtung von jüdisch-konfessionellen Schulen. Es gab wohl schon einige solche, deren Erfolge theilweise nicht unbefriedigend waren, doch konnten diese Institute von kleinem Zuschnitt aus verschiedenen Gründen nur in geringem Maße dem bestehenden Bedürfnisse abhelfen. Es mußten Schulen gegründet werden, an denen für verhältnißmäßiges billiges Schulgeld ein Unterricht ertheilt werden konnte, der die höchsten Ansprüche auf religiösem und profanen Gebiete befriedigte. Lehranstalten, die in jeder Hinsicht, auch was das äußerliche anbetrifft, als M u st e r s ch u l e n gelten konnten. Wiederholt wurde dann auch durch einige unserer Gemeindemitglieder berathschlagt über die Möglichkeit, Pläne in der soeben angedeuteten Richtung zur Ausführung zu bringen. Alan machte die detaillirtesten Kostenanschläge, die minutiösesten Berechnungen, hielt Berathungen über die Anstellung von Lehrern ab, jedoch dabei blieb es; vermuthlich weil man an der Möglichkeit zweifelte, irgendwelche kräftige Unterstützung zur Beschaffung der nöthigen Gelder finden zu können. Dann und wann hörte man einmal *) In dem Brief des Herrn Dr. D., wovon ich das vorige Mal eine U e b e r f e tz u n g — nicht Abschrift — gab, wird diedeutlich hervorgehoben. über die Sache sprechen, dann aber schlief sie wieder ein. Vor einigen Monaten nun konstituirte sich durch die Jtlitiative eines eifrigen Anhängers der konfessionellen Schule ein Komitee, vorläufig ausschließlich zum Zwecke, einen Fonds zur Gründung der mehrerwähnten Schulen zn bilden. Der Herr Oberrabbiner wurde um seine Mithilfe gebeten, die er gerne zusagte, sich sogar bereit erklärend, was er während seiner beinahe 25jährigen Amtsthätigkeit noch nie gethan, ein Cirkular an eine Anzahl wohlhabender orthodoxer Gemeindemitglieder zu richten, worin Beiträge zum Schulsonds erbeten wurden. Gleichzeitig ungefähr mit diesem Eirkular wurde das Ihren Lesern bereits bekannte Schreiben von Dr. Dünner veröffentlicht. Es war dieses ein Privalbries über dasselbe Thema, deffen Veröffentlichung in einem hiesigen jüdischen Blatte gerne von Dr. D. gestattet wurde. Nicht, wie von vielen irrthümlich behauptet wurde, das Circular, sondern jener Brief war es, der nun die große Schulbewegung hervorrief. Dieses Schreiben wurde nämlich — zweifelsohne nicht gerade durch befreundete Hand — in Die politischen Zeitungen gebracht und die ersten Folgen davon waren eine Correspondenz zwischen dem Magistrat und Dr. D. und eine Behandlung in der Stadtverordnetenversammlung. In der letzteren hob der Bürgermeister hervor, daß einem Manne wie Dr. Dünner gegenüber, man die Pflicht habe, von seinen Klagen und Wünschen Notiz zu nehmen, selbst wenn er nicht den offiziellen Weg gewählt habe, sie vorzubringen. Für Ihre nächste Nummer werde ich Jhnert eilte Uebersetzung der geführten Correspondenz liefern. Bei der Beurtheilung derselben vergeffe man nicht, daß die Majorität des Magistrates zu einer politischen Partei gehört, welche die neutrale Schule stets als ihr Lieblingskind behandelt hatte. Das warme Gefühl für die Sache — von ihrem Standpunkte aus vollständig gerechtfertigt — erklärt denn auch verschiedene, häufig gar nicht unbedeutende Jrrihümer, welche den aufmerksamen Lesern Ihres Blattes wohl nicht entgehen werden. Aus der Correspondenz kann man auch noch einige von mir bis jetzt noch nicht deutlich genannte Beschwerden gegen die neutrale Schule kennen lernen. Vermischtes Schlochair, 28. Tez. Ter vom Kantor Herrn Raw itsch er hier gegründete Svnagogen-Gefang-Verein veranstaltete vor einigen Tagen eine Feier, die stark besucht war. Zur Aufführung gelangte das vom „Israelit" herausgegebene dramatische Gedicht in fünf Akten von Longsellow: „Juda Maccabaus". Der Reinertrag ist für wohlthätige Zwecke bestimmt.

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