Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1931 Lissa, das homiletisch-agadische x-nro und na» 'npn, außerdem einen neuen Kommentar des Herausgebers zu dem?pv m». Statt einer Vorrede gibt der Verf. einen schätzenswerthen Auszug aus dem mystischen Seser-Chassidim. Dann folgen gutgewäkilte Stücke aus dem mnyb nna und dem n;»p t, die Wesen und Werth des Thorasegenspruchs in gemüthvoller und gedankentiefer Weise erörtern. Dem Tikkun Nahet, den bekannten mitternächtlichen Klageweisen um Zions Fall schließt sich eine Liturgie der drei Nachtwachen an, die aus einer Sammlung von Soharstellen besteht, in denen sich die Sehnsucht noch dem verheerten Heimathlande ausspricht. Nachdem sich so der ungestillte Judenschmerz in ergreifenden Tönen nächtlicher Andacht ausgeweint hat, öffnen sich die Pforten des Morgengcbetcs. Der Gebetskommentar des Vers., der sich über alle Theile des Gebetbuches durch den ganzen Siddur hin erftreckt, enthält sorgfältige und auch wissenschaftlich werthvolle Quellenangaben, ist aber auch nicht frei von gezwungenen und willkürlichen Deutungen und geistreichelnden Emsällen. So begnügt sich der Vers, nicht mit der schlichten und wahren Erklärung nvana mxn nx un i»x „der den Menschen in Weisheit geschaffen", sondern deutet diese Stelle so, als wäre die Übersetzung: der den Menschen begabt mit Weisheit, was die Worte nach den Regeln der Sprache nimmer bedeuten können. Solchen störenden Willkürlichkeiten stehen aber eine Fülle schöner und tiefer Ausdeutungen gegenüber, die im Stande sind, manche dunkle Stelle in unserem Siddur zu beleuchten. Der Verf. zeigt dabei eine selbst für einen russischen Rabbiner seltene Belesenheit in der gesammten jüdischen Litteralur, sogar der ferner liegenden religionsphilosophischen. Hiedurch ist er in der Lage, oft recht intereffante Beziehungen von Gebeisstellen zu jüngeren oder älteren Litteraturwerken aufzuweisen vgl. z. B. S. 116, die Abhandlung über tk -un’ mit Beziehung aus Vrachotllrr, wo der Verf. allerdings die antipathische Tendenz der zu Grunde liegenden Jesaiasstelle verkennt. Schätzenswerth ist das allerorten hervorlretende Streben, die vorliegenden Gebetsstellen vertieft und verinnerlicht zu erfassen. Dein ycv geht eine warmherzige Vermahnung voraus, es nicht nur mit den Lippen, sondern mit dem Herzen zu bekennen nc»c ab *pa^> bv. Der Verf. gibt auch eine recht ansprechende Besprechung der 13 Glaubenslehren des MaimonideS. Von den kernigen Sätzen aus dem Siddur des Rabbi Jakob Emden: Ueber die rechte Art zu beten, gibt Verf. selbst in der Vorrede nayi -ns^ einem schönen Denkmal tiefinnigster Religiosität und durchgeistigter Frömmigkeit, die rechte Anleitung zum Gottesdienst mit Betonung des leider manchmal von deutschen Glaubensgenossen vergessenen Grundsatzes .in« n«'isf nute, daß die religiöf sen Thaläußerungen mit sinnvollem Gemüth zu üben seien und dringt in warmen Worten auf Verinnerlichung und Beseelung unseres Mlaubenslebens. Die Methode, nach der der Vers, die Gebete erläutert — nur so viel wollen wir noch zur Charakteristik seines Commentars hinzufügen — isNdie bei den russischen und ungarischen Rabbinen ja genügsam bekannte, dadurch, daß die zu erläuternden Stücke mit ihnen sinnverwandten Midraschim in Zusammenhang gebracht werden, wird den Gebeten oft eine überraschende Deutung abgewonnen. Vgl. S. 130, 132 u. oft. Am deutlichsten tritt das wohl bet J der; Auslegung der Schmone-Esre S. 148 hervor. Ein ausführlicher Commentar erleichtert das Verständniß der Bußgebete für Montag und Donnerstag und immer wieder versteht es der Verfasser, aus oem reichen Schatze seines Wissens durch Verknüpfung von Bibel und Midraschstellen dem Text interessante Seiten^abzugewinnen. Ein lehrreiches Beispiel dieser Deutungsweise siehe S. 178. Dankenswerth ist auch, daß das um tb* und -naai t» mit einer schlichten auf den Worlsinn dringenden Erklärung versehen ist. Auch treffliche halachische Parthieen enthält der Siddur, wie z. B. eine Einleitung zu den Sabbatgesetzen. Ja sogar die nwm für den Sabbat werden durch einen auf die Bibel- und Mrdraschquellen zurückgehenden Kommentar unsernr Verstänsniß eröffnet. Bei sämmtlichen Psalmen hat der Verfasser denMminentar des Rabbi David K i m ch i abgedruckt, :ine sehr anerkennenswerthe Beigabe, da Kimchl in ,eltener Weise Wärme und Wahrheit in der Schriftauslegung vereinigt. Ueberhaupt ist vorliegender Siddur durch glücklich gewählte Auszüge aus andern Werken zu einem überaus reichhaltigen und vielseitigen Volksbuch ausgestattet. Wir finden darin die Gebete der Amoräer, die sie nach der r» zu sagen pflegten, finden eine Sammlung von Bibslversen für alle Namen passend, finden Excerpte aus dem Sittenbuch des Kabbalisten Rabbi Mose Kurdovera. Das Lied Abraham ibn Esras und der Brief des Rachmanises. wie die Mahnworte des Gaon v. Wilna und das Sündenbekenntniß des Jssaia Hurwitz werden uns hier mitgetheilt. Auch die 1er ikrttischen Anmerkungen des W'.llnaer Gaon zu den Gebeten und dessen Com mentar zu dem xa^ r6r Gebete sind abgedruckt, selbst eine kalendarische Tabelle fehlt nicht. Zumal eine reiche Anzahl von Soharstellen, Auszüge ans den Werken ^oi poy und sind ausgenommen. Die Peßach-Hagada, die nvnr und rm*s sind mit ausführlicher Erläuterung versehen worden. Aus dem Werke e>ibx ist eine längere Abhandlung über die Thora-Vorlesung abgedruckt. Bei dieser erstaunlichen Fülle des dargebotenen Materials vermissen wir nur eine Erklärung vertan 'pia.