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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1923 ein Defizit von 52 472 Gulden für dieses Jahr hinzu! Unsere Gemeinde hat also ein Defizit von mehr als $0 ooo Gulden jetzt zu decken. Wen die einzelnen Posten interesfiren, der findet sie hier aufgestellt: Einnahmen: Bethäuser 77 120 fl., Schule 22 218 fl., Wohlthätigkeitssektion (Stiftungszinsen) 50 054 fl., Kultussteuern 355 000, fl. Diverse 4;» 351 fl., Matrikel 4220 fl., Friedhof 177 006 fl. In Summa 744 05!» fl. Ausgaben: Bethäuser 186 181 fl., Schule 108 085 ff., Wohlthätigkeitssektion (Spital, Versorgungshaus, Unterstützungen) 182 608 fl., Administration 186 204 fl, Matrikel 12 805 fl., Friedhof 110 656 fl. In Summa 706 532 fl. — Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" mußte jüngst die folgende Berichtigung der „Alliance Jsraelrte Universelle" bringen: „In Nummer .">348 Ihres Blattes vom 1 7. November 1808 wird unter der Ueberschrift: „Ein polnisches Judenreich in Oesterreich" ein Aufruf veröffentlicht, den die „Alliance Jsraelitc" angeblich erlassen, und in welchem sie zu Sammlungen behufs Gründung eines jüdischen Reiches in Galizien ausgefordert haben soll. Demgegenüber sehen wir uns bemüßigt, Sie auf Grund des £ 19 des österreichischen Preßgesetzes um Aufnahme folgender Berichtigung zu ersuchen: Wir deklariren hiermit, daß es unwahr ist, daß die gefertigte „Alliance Jsraelitc" jemals diesen oder einen ähnlichen Aufruf erlassen hat. Mit aller Hochachtung. Der Präsident Leven." Aus Mähren. Unsere mährischen Gemeinden sind recht erfinderisch auf dem Gebiete der Reformen und jeder Rabbiner, den das Glück in den Schooß einer solchen alleinseligmachenden Rfformgemeinde wirft, muß mit dem erwähnten Erfindungsgeiste seiner ihm anvertrauten Gemeindekinder gleichen Schritt halten, ja er muß einem zärtlichen Vater gleich, der neues Spielzeug ausdenkl, um das Kind zu zerstreuen, denn die alten wirst es sehr bald weg, — immerfort trachten auch alte Gebräuche auszumerzen, um nur im Judenrhum ganz fremde Sitten einzuführen. Von dem Talente dieser Rabbinen war es abhängig, ob die jeweilige Gemeinde sich mehr oder minder von der durch Jahrtausende geheiligten Tradition entfremdete. Von diesem Standpunkte ausgehend, müssen die Rabbinen von Mißlitz wahre Columbufse auf dem Gebiete der Reformer gewesen sein und in diesem Fache entwickelten sie eine Thätigkeit, die wahrlich einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Von den vielen Reformen, die in dieser Gemeinde eingeführt worden, wollen wir nur eine hervorheben, die unseres Wissens noch in keiner zweiten mährischen Gemeinde existirt, es ist dies die Einführung des Damenchores und das Singen eines deutschen Liedes nicht bei christlichen, sondern bei — jüdischen Leichenbegängnissen. Welchen Unwillen, ja I welchm Ekel über solche Nachäffereien jedermann ergreifen muß, kann nur derjenige empfinden, dem nur noch ein Funken traditionellen Judenthums anhaftet. Umsomehr ist diese Erscheinung unbegreiflich, da schon seit geraumer Zeit ein Rabbiner im Amt ist, der aus der Wiener Rabbinatsschule, von welcher es allgemein heißt, daß sie auf konservative Grundlage fußet, her- ' vorgegangen ist und der augenscheinlich nichts gethan hat, um dieser empörenden, das Judenthum zersetzenden Unsitte zu steuern. Nikolsburg, 12. Dez. Wie in allen Orten unseres Heimathlandes, so wurde auch in unserer Gemeinde das 50jährige Jubiläum unseres Monarchen in festlicher Weise begangen. In unserer altehrwürdigen Allschul versammelte sich am 1. Dezember ein ungewöhnlich zahlreiches Publikum, unter welchem wir den Bürgermeister unserer Stadt den Reichsraths' und Landtagsabgeordneten Dr. Gö tz, den k. k. Bezirksrichter Wilhelm Bringen er, dessen Bruder der k. k. Bezirkshauptmann Leo po ld Büngener, die Mitglieder des Cultus- und Gemeindeausschuffes, den Lehrkörper der Jsraelitenqemeinde und denOctSschulrath bemerkten. Der Rabbiner Dr. David Feuchtwang hielt eine von religiösem und patriotischem Geiste durchwehte Rede, die eine solche Wirkung ausübte, daß sie im hiesigen Lokalblatte vollinhaltlich wiedergegeben wurde. Von dem Leben und Wirken des Königs David ausgehend, wußte er eine sinngemäße Anwendung der Negierungszeit unseres Kaisers anzupassen. Mit dem Absingen des p-iK und des Kaiserliedes schloß diese würdige Feier. V Pretzburg Einer der schönsten und nützlichsten Vereine, die auf dem Gebiete der Heranbildung unserer Jugend zur Thora bestehen, ist unbestreitbar der hiesige weltberühmte Verein „Jeßode Thora." Es wird derselbe von nahezu hundert Zöglingen freguentirt, welche von vier n'-ic'.Sa, die große s'«r "vsS-i sind, unterrichtet worden. Um die Zöglinge auch an den rer* Nachmittagen, an welchen nicht unterrichtet wird, zu belehren, hat es Herr Ignatz Br ein er, Nabbinats-Candioat, übernommen, denselben Vorträge aus dem Wochenabschnitte zu halten, welche wegen des großen Wiffenschatzes und Rednertalents, über die Herr Bremer verfügt, nicht nur von den Zöglingen dieses Vereins, sondern beinahe von sämmtlichen der hiesigen rr-u** besucht werden, so daß das Lokal, woselbst diese Vorträge abgehalten werden, an jedem reu* vollgedrängt ist. Da Herr Bremer diese Vorträge aeu* au**? hält, so wollen wir ihm in diesen Zeilen öffentlich unfern Dank aussprechen. Budapest. (Eine neue Sekte.) In Ungarn ist eine neue Religionssekte namentlich unter den Siebenbürger Sachsen im Entstehen begriffen. In Fogaras zählt sie schon, wie man dem Pesther

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