Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1924 Lloyd von dort berichtet, zahlreiche Anhänger, und wie es scheint, wird auch Hermannstadt ein beträchtliches Kontingent liefern. „Die deutsche Vereinigung oer siebten Tag-Advcntisten" ist der volle Titel der neuen Sekte; ihr Ursprung ist in Amerika zu suchen; für Europa ist die „Hauptaaentur" — wenn man diesen profanen Namen auf religiöse Sekten anwenden darf — in Hamburg. Der Reiseprediger, der in Siebenbürgen mit vieler jilität und Eloquenz die Getreuen wirbt, heißt I. F. Huenergardt, ein kaum .d'Ojähriger Mann von robustem Aussehen, aber gewinnenden Manieren. Derselbe hat sich vor ungefähr drei Monaten in Fogaras niedergelaffen und mit vielem Geschick und Glück seine Thätigkeit begonnen. Die religiösen Dogmen und die kirchliche Lithurgie der „Adventisten" erinnern in mancher Beziehung an diejenigen der Israeliten. Ihre Psalmengesänge im Beihause, die rituelle Zubereitung ihrer Speisen und hauptsächlich die überaus rigorose Beobachtung des Sabbat zeigt zur Genüge, wie sehr die „Adventisten" an den Satzungen des Alten Testaments festhalten. Und so gibt es denn schon in Fogaras eine beträchtliche Anzahl von — meist sächsischen Familien, die nicht mehr den Sonntag, sondern den Samstag heiligen, und zwar mit solch ausfälliger Strenge, daß schon vom Freitag Nachmittags angesangerr im Harrse keinerlei Arbeit verrichtet, kein Einkauf besorgt und mit Geld überhaupt nicht umgegangen wird. Der Prediger betont in seinen Vorträgen, daß der Stifter der christlichen Religion eigentlich nicht den Sonntag, sondern den in der Bibel ursprünglich als Ruhetag bezeichneten Samstag für heilig gehalten habe, und dies fei maßgebender, als die spätere willkürliche Einrichtung der Jünger, die den Ruhetag, blos um vom Judenthum sich merklicher zu unterscheiden, auf Sonntag als Auferstehungstag des Stifters der christlichen Religion ansetzten. Jur neuen Testament finde sich aber keinerlei bestimmte Anordnung. Die neue Sekte, die sich auch mit der Verbreitung von religiösen und hygienischen Zeitschriften besaßt, hat angeblich schon jetzt zahlreiche Anhänger im Deutschen Reiche, in den Niederlanden, in Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Serbien. Frankreich. Paris, 23. Dez. Der Großrabbiner von Paris nahm in der Synagoge der Nue de la Victoria den religiösen Trauungsact des bekannten Dichters Gustave Kahn und deffen seit Kurzem zum mosaischen Glauben übergetretenen Gattin Rachel, geborenen Elisabeth D ayz e, in Anwesenheit zahlreicher Dichter und Schriftsteller vor. Frau Kahn, die ihrem Gatten vor neun Jahren als Christin bürgerlich angetraut worden war, entschloß sich bekanntlich angesichts der antisemitischen Strömung, den Glauben ihres Gatten anzunehmen und erhielt, als alle Vorstellungen und Einwände der Großrabbmer Zadok Kahn und Dreyfus nichts nützten, eine religiöse Unterweisung, die mit dem rituellen Bade ihren Abschluß fand. Frau Kahn, eine blendende Schönheit vom reinsten Typus der Arl'.-sienne, war durch die religiöse Feier und die Ansprache des Großrabbiners tief erschüttert und nahm dann die Glückwünsche der Gäste entgegen. Der ehemalige Karmeliter-Pater und einstige Kanzelredner von 9iohe Dame, Hyacintlie Loyson, hat an Frau Kahn folgendes Glückwunschschreiben gerichtet: „Paris, 13. Dezember 1833. Madame Ich habe in der „Fronde" den Ihnen gewidmeten Artikel gelesen. Sie waren Katholikin nur durch Ihre Geburt. Sie werden Jüdin durch die wohl erwogene Wahl Ihres Verstandes und Ihres Willens. Deßhalb würde ich, falls ich nicht den ganzen Winter über fern von Paris bleiben müßte, nicht zögern, in der Synagoge der Rue de la Victoria Ihrem feierlichen Bekenntnisse jener großen, einfachen und geschmähten Religion beizuwohnen. Genehmigen Sie u. s. w. Hyacinthe Loyson." > vermischtes. < München, 27. Dez. Vor etwa 3 Jahren entstand hier ein Verein mit dem Rainen „Unitas" iChewrath Kifchnt Beth Hachnesethl a. V.) Derselbe besteht ans jungen Leuten, die sich die Aufgabe gestellt baden, den Gottesdienst in der Svnagoge der Fnrstenfelderstraße (der nach streng orth. Prinzipien geleitet wird) durch eifrigen Besuch, sowie durch Verschönerung des BetlokalcS w. zu heben. So hat im vorigen Jahre dieser Verein den Vetsaal renoviren lassen rind im vergangenen Juli einen Chor ins Leben gerufen, der an den hohen Feiertagen sehr zur Hebung des Gottesdienstes beitrug Am vergangenen Sonntag, den 11. Dezember veranstaltete nun dieser Verein zu Gunsten seines Fonds eine wohlgelnngene Ehanntkah Feier, die sehr zahlreich besucht rvar. Wir bemerkten in den prächtig dekorirten Schlachten- und Prinzensälen des Cafe Luitpolds uns. wohll. Rabbiner und Lehrer sotvie die übrigen Honoratioren der Gemeinde. Erst am frühen Morgen trennten sich die Anwesenden alle boffatb, das; dao Fest dem Pereine auch den erhofften pekuniären Gewinn gebracht habe. Wir wünschen, daß er blühen und gedeihen möge zum Segen der kleinen Synagoge in der Fürstenfclderstraße und uns bald wieder ein sichtbares Zeichen seiner Dhätigkeit geben möge. Kreivurg, 27. De; Als Spezialität weiden hier in drei Fabriken kleine und große Bretzel sabrizirt, die nicht nur iir Baden, sondern auch in weiter Ferne, meist nach Tisch als Denert verspeist werden. Wie ich ans zwei Fabriken erfahren, werden diese Bretzel mit Wasser gemischt mit M i l ch geknetet, sind also nach Fleischinahlzelten sicher verboten und dürfen ja auch sonü wegen nicht gegessen werden. _ Briefkasten der Expedition. Tl. L. in B.r Gewünschte Adresse lautet: Frau Baronin Clara von Hirsch, Paris, Rue d’Elyssee 2. E. M. in R r Betrag von Mk. v. — dankend empfangen.