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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1916 schlossen hallenden, hiesigen Engrosfirmen noch über 100, darunter Geschäfte ersten Ranges, für die ein zweitägiger Schluß Samstag und Sonntag von den schwersten wirthschaftlichen Nachtheilen begleitet sein müßte. Diese Firmen, ebenso der Vorstand der Jsr. Religionsgesellschaft, wendeten sich deshalb mit Petitionen an die Stadtverordneten-Versammlung, in denen sie die schlimmen Folgen dieser Maßregel schilderten. Ihnen sekundirte eine ausführliche Eingabe des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit," die um Schutz für die bedrohten Interessen der orthodoxen, jüdischen Handlungsgehülfen ersuchte. Die Eingabe schloß mit dem Antrag: den an Sabbat geschloffenen Geschäften, auch bei Annahme des Magistratsantrages, die seitherige Arbeitszeit weiter zu belaffen. In der umfangreichen Debatte, die sich an den Magistratsvorschlag anknüpfte, spielte dieser Vorschlag des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit eine Hauptrolle. Der Referent, Herr Landtagsabgeordneter Funck meinte, es könne in der Commission, an die der Antrag verwiesen werden soll, erörtert werden, ob sich solche Ausnahmen praktisch durchführen lassen. Herr Emil Stiebel, einer der jüngsten Mitglieder der Versammlung, trat mit großer Wärme für die Gewährung dieser Ausnahme ein, da für die Sonntagsruhe ja nicht religiöse sondern nur sociale Motive maßgebend gewesen seien. Auch Herr LeopoldSonnemann, der Führer der ausschlaggebenden demokratischen Partei, äußerte sich in ähnlicher Weise. Eine ganz andere Tonart schlug Herr Justizrath Dr. Berthold Geiger (nomen et oraen!) an, der mit der ganzen Lebhaftigkeit seines Naturells sich gegen Gewährung dieser Vergünstigung für die jüdischen Geschäfte eintrat. Er steht auf dem Standpunkt für alle Juden die gleichen Rechte zu beanspruchen, dafür müßten sie aber auch sich den Gesetzen des Staates, in denen sie leben, unterwerfen und dürfen keine Vorrechte verlangen, das war nach den übereinstimmenden Berichten der hiesigen Blätter, der Kern der Geigec'- schen Ausführungen. Man muß wirklich schon Jurist sein, um eine derartige willkürliche — sagen wir höflich „Umdeutung" eines klaren und einfachen Antrages fertig zu bringen! Die Rechtslage ist doch ohne weiteres klar: der Magistrat will aus socialen und hygienischen Gründen den Handlungsgehülfen, die im Allgemeinen 6 Tage arbeiten muffen, am Sonntag nur noch l1/* Stunden Arbeit auferlegen laffen. Nun kommen jüdische Handlungsgehülfen und sagen: „Wir arbeiten jetzt nur 5 Tage voll; laßt uns daher die Sonntagsarbeit im bisherigen Umfange, sonst nehmen die Geschäfte, bei denen wir unser Brot finden, Schaden und wir mit ihnen!" Wo liegt hier auch nur der Schatten eines Verlangens nach Vorrechten? Freilich wem der Haß gegen das überlieferte Judenthum die Augen verblendet, der sieht anderes als andere Menschen, anderes, aber nicht richtiger! In der Sache selbst dürfte uns die pathetische Deelamation des Herrn Dr. Geiger nicht viel schaden, denn bei seinen eigenen freisinnigen Prrteigenoffen wird er schon lange nicht mehr für ernst genommen. Wir haben vielmehr zu der Gerechtigkeit und Einsicht unserer Behörden das sichere Vertrauen, daß sie unserer berechtigten Forderung williges Gehör schenken werden. Marburg (H ssen), 27. Dez. (Unlieb verspätet.) Am 8. November, ppmo ra, waren 25 Jahre verflossen, seitdem in unserer damals noch in der Entwicklung sich befindenden Gemeinde eine Anzahl Männer zusammentrat, eine Gemeinschaft zu begründen für alle diejenigen, denen cs Herzensbedürfniß sei, die böchste Stafftl im jüdischen Liebeswirken: ri'b'v: zu erklimmen. Unsere an jenem Tage entstandene uno seitdem in gedeihlicher Entwicklung aufblühende L'-ion rub'LZ rnan wollte die 25jährige Wiederkehr dieses Tages ohne eine, wenn auch in bescheidenen Grenzen sich haltende Erinnenmgsfeier nicht verstreichen lassen. — So fand der mnr; Gottesdienst am pprris rra, Sonntag, den 13. Nov., die sämmtlichen Mitglieder der rr-an im Gotteshause vereinigt. Eine warme, der Bedeutung der Vereinigung und ihres Gedächtnißtages gerecht werdende Ansprache unsercs verehrten Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk '"e, wie ein sich daran schließender gemeinschaftlicher Gang auf das ira, der dahingeschiedencn Brüder in wchmüthiger Erinnerung an ihre einstige Thätigkeit in der Vereinigung zu gedenken, bildete den wesentlichen Inhalt der angemessenen und würdigen Gedächtnißfeier. Der Abend vereinigte die Mitglieder, wie alljährlich zu einer.txc rr Die Stimmung derBetheiligten war gehobener denn sonst. Eine kleine Feier ging dem Beginnen der voraus. Die m*n nee, welche die man aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens hatte schreiben laffen, wurde von den anwesenden Mitgliedern durch Ergänzung der noch fehlenden Schlußworte vollendet. Das so würdig eingeleitete Festmahl verlief in ungetrübter Harmonie. Der Bedeutung des Augenblicks entsprechende Ansprachen, anregende die Ziele und Aufgaben der Gemeinschaft beleuchtende Gespräche, den lebhaftesten Wiederhall in den Herzen der Versammelten findend, bildeten die Würze des Mahles. Der am darauffolgenden 'e nst? stattfindenden des neuen icc gab einen würdigen, harmonischen Abschluß der Gedächtnißfeier. — Möge letztere zu einer Etappe werden, von der einst ein späterer Chronist eine immer fortschreitende, gedeihliche, immer intensiver sich gestaltende von jüoischem Geiste durchdrungene Wirksamkeit der n-ia-

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