Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 101 (22.12.1898)
- Date
- 1898-12-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1896 Füd Mllrrlvi. Die Juden in Tripolis. Dr. L. H. Grothe schreibt in der „Geographischen Zeitschrift" : Die ursprünglichen afrikanischen Juden, schon seit der Diaspora und der Ptolemäcrzeit am sässig, finden wir am zahlreichsten in Tripolitanien. Nicht nur, daß sie in der Hauptstadt gegenüber den später eingewanderten spaniolischen Juden — im Gegensatz zu den algerischen und marokkanischen Handelsplätzen — die Ueberzahl bilden, selbst noch häufiger als in den Atlasbergen und in einigen Oasen Südalgeriens leben an der Küste wie im Hochland von Messelata, Rharian und Aesren starke Siedelungen solcher afrikanischer Israeliten. Sie haben sich an diesen Orten fast vollkommen der Lebensweise der sie umgebenden Bevölkerung assimilirt. So Hausen sie in der Nhariangegend in den dort üblichen trog lodytenartigcn, in den Kalkstein gebauten unterirdischen Wohnungen. Auch vom Ritual ist an solchen Stellen manches abgeschleist, im Widerstreit zu den orthodoxen Stadtjuden. Die tripolitaniichen Judäer treten jedoch nicht nur als Makler, Geldwechsler und Händler auf, sondern auch als tüchtige Handwerker und allerdings seltener als Bodenarbeiter. Die meisten Schneiderwerkstätten, in denen die Kleidung der Eingeborenen gefertigt wird, befinden sich in jüdischen Händen. Weiterhin sind als Schmiede (so in der Ortschaft Hamrus, östlich von Tripolis), ferner als Gold- und Silberarbeiter, als Sticker, Schreiner, Steinmetzen thätig. In den Küsten-Oasen widmen sie sich häufig dem Olivenhandel und der Oelzubereitung, in den Bergen dem Weinbau und der Weinkelterung. Vor ihren Glaubensangehörigen in Algerien und Tunesien zeichnen sich die tripolitanischen Juden durch große Umgänglichkeit, Gastfreundschaft, Milvthätigkeit, Sanftmuth und regen Bildungseifer aus. An Körperschönheit, Selbstbewußtsein, und was das Schlimmste, an Sauberkeit stehen sie jedoch diesen Stammesangehörigen bedeutend nach. Durch strenges Einhalten der rituellen Gebote, durch Bewahrung altväterlicher Gebräuche, sind sie nächst den tunesischen Juden in ganz Afrika bekannt. Bedrückungen hatten die Israeliten Tripolitaniens von den türkischen Behörden verhältnißmäßig tvenig zu erdulden, selbst unter den Caramanlis und den Korsarendeys wurden sie glimpflich behandelt. Die Regierung hat ihren ziemlich strast organisirten Gemeinden vollkommene Verwaltungsfreiheit belassen. Alle öffentlichen und privatrechtlichen Angelegenheiten unterstehen den Rabbinern der Judenschaft. Diese vertheilen die Gemeindesteuern, vermögen Geldbußen wie auch Prügelstrafen zu verhängen. Sie besitzen sogar ein Bann¬ oder Jnderdiktsrecht, das gegen widerspenstige oder freisinnige Mitglieder nach Belieben gerichtet werden kann. Dieser Bannspruch ist zugleich auch von empfindlicher sozialer Wirkung, da den übrigen Religionsgenoffen im Falle derselben jeder gesellige wie geschäftliche Verkehr mit dem vom Jnterdicte betroffenen untersagt wird. Ehen zwischen Jüdinnen und Christetl oder Jüdinnen und Mohamedanern und umgekehrt sind geradezu undenkbar. Sofort würde die vollständige, meist sehr zahlreiche Anverwandtschaft der Abtrünnigen in der Erwerbsmöglichkeit durch den Bann in strengster Form bedroht. Mindestens 8000 Juden mögen Tripolis bevölkern. Das ist gegenüber ihren 3ö 000 Seelen beinahe yU der städtischen Bewohnerzahl. Zahlreich sind sie auch in der Meschiya-Oase und in den übrigen Küstenzentren, namentlich in Sliten und Misrata. Im Gebirgslande sitzen sie namentlich längs der durch die Rharianberge laufenden Karawanenwege und zwar in den Ortschaften Terhrinna und ben Abbüs. Das Wilnjet Tripolitanien dürfte zum mindesten 15 000 Israeliten bergen. Der „JSraelit* erscheint wSehestlleh iwdimal, lo&tag« und DonmerAtaeH, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — per Buchhandel verkehrt durch tt. /. $tet*«*ec, feipfig, Dlvßzüatz 16 — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile tm Reclamethell 75 Pfennig. — Dtrecte Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Ssterr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Spedition frone» einzusenden. Eine «üstsendnng dev #* Hi eingesandter» Manuskripten findet nicht statt, «an dtttet deShatt», M »an aAen «infendnnaen eine Topie »nrüLrndehatte«. Anhalt sHauptblattZ Leilender Artikel: Zum Jubiläum de§ Rabbiner-ScminarS. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Köln. Wurzburg. Nürnberg. .Hamburg. Aus Thüringen. 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