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Der Israelit · 1898-12-22 · Heft 101 (22.12.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 101 (22.12.1898)
Date
1898-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1893 Religion in solche Kreise zu tragen, denen sür Schiurvorträge das Verständniß abgeht, die überhaupt für solche Belehrung nicht zu haben sind. Von größerer Tragweite und Bedeutung sür die Erhaltung des Judenthums wäre es allerdings, wenn man ans Werk ginge, überall das Wissen der der Schule entwachsenen Jugend durch Einrichtung von religiösen Fortbildungsschulen zu befestigen, zu vertiefen und zu erweitern. Gerade der religiöse Weiterbildung im noch schulpflichtigen Alter ist bislang wohl noch nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt worden. — rt. England. London, 18. Dez. Mit tiefem Bedauern habe ich das Ableben eines echt frommen Mannes und tapfern Kämpfers für das streng orlhospxe Jndenthum zu melden. Nach nur dreitägigem Krankenlager verschied gestern p"v>-MittagS Herr S a l o m on Herz, der Präsident und Gründer der Gemeinde mrt p-rna in seinem 56. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene war ein selten energischer und vom Geiste des wahren Judenthums beseelter Mann, der in New Park vor ca. 20 Jahren den Grundstein zu einer orthodoxen Gemeinde legte, indem er einen Sabbat-Verein gründete. Nachdem er vorher längere Zeit in Frankfurt a. M. gelebt hatte, nahm er sich das Wirken und Streben des fet Rabbiner Hirsch b'n zum Vorbilde und suchte überall, wo das Bedürfniß dazu vorhanden, orthodoxe Gemeinden zu gründen, damit die echten eh*,t in der Ausübung der reliaiösen Pflichten Nach den genauen Vorschriften der Ueberlieferungn nicht behindert werden. Die in New-Pork gegründete kleine Gemeinde vergrößerte sich und heute blüht dieselbe unter der Leitung des Rabbiners Dr. Klein — Herr Herz lebte seit 18 Jahren hier in London und verheirathete sich mit der echt frommen gottergebenen Tochter des seligen Mr. Jacobs (Vorstand der Hambro' Synagogue.) — Bekanntlich ist die Gemeinde London's orthodox, dennoch glaubte Herr Herz, daß in einer so enorm großen Gemeinde die Beaufsichtigung der nirms» trotz der guten und sorgfäligen Aufsicht des p nicht nach allen Richtungen hin befriedigend durchgeführt werden könne, und gründete eine Scparat-nv'w in kleinerem Maßstabe unter der Obhut des gelehrten Rabbi Abba Werner (Delegirter beim Basler Zionisten-Congreß.) Dieser Verein wuchs zu einer Gemeinde heran und diese mn 'pnnv-Gemeinde war in diesem Jahre im Stande eine große Synagoge im Eastend zu erbauen. Jndeß steht diese Gesellschaft der United- Synagogue nicht feindlich gegenüber und dem heutigen Leichenbegängnisse wohnte der ,'"n Rev. Spiers als Vertreter der United-Synagogue bei. — Als es im Eastend, gestern tf-np natr bekannt wurde, daß „der Onkel Herz" dem Verscheiden nahe sei, strömten die polnischen Glaubensbrüser nach Hunderten vom Eastend nach dem North (eine Stunde Weges) und die Straße (Grosvenor Road) glich einer Straße im östlichen Judenviertel. Herr Herz betete die rran und äußerte vorher den Wunsch, daß der \m von den Mitgliedern seiner Gemeinde angefertigt, und daß sein Leichnam in der Reibe der Kinder beerdigt werden soll, welchen Wünschen strikte Rechnung getragen wurde. Die Talmudisten lernten die ganze Nacht in dem Hause des Verblichenen und dem früher geäußerten Wunsche des Seligen zufolge, fand das Leichenbegängniß rasch nach seinem Ableben schon heute Vormittag 11 Uhr statt. Eine große Menge der östlichen und nördlichen jüdischen Bevölkerung folgte der Bahre. Auch bemerkten wir unter den Anwesenden am Friedhöfe Herrn Lunzer aus Wien, Herrn Julius Goldschmidt und Herrn Strauß aus Frankfurt a. M. Am Friedhofe zu Esmanton funktionirte Rev. Goldstern für die Federation of Synagogues, der der Verblichene angehörte. Der Rabbi Abba Werner hielt eine sehr passende Rede, indem er die von dem Dahingegangenen erzielte Gründung einer amerikanischen orthodoxen Gemeinde und die Verbesserung in der orthodoxen Londoner Gemeinde hervorhob. Der Dahingegangene war nicht mit Nachkommenschaft gesegnet, aber seine Werke für das Interesse der Religion sichern ihm ein bleibendes, gesegnetes Andenken .•Ynawn. London, 20. Dez. In der Londoner Central- Synagoge in Great Portland Street hat am vorletzten Sonntag Nachmittag gelegentlich des Tempelweihe-Festes ein jüdischer Militärgottesdienst stattgefunden, bei dem die englischen Linientruppen, die Reserven, die Miliz ltnb die verschiedenen Vollunteercorps vertreten waren. Eine große Anzahl Soldaten und Offiziere in den verschiedensten Uniformen füllte die mit vielen Fahnen und Wappen und Blattpflanzen dekorirte Synagoge. Der israelitische Militärgeistliche, Rabbiner F. Cohn hielt den Gottesdienst ab und predigte über den Text 11. Chronica XVII: „Amaziah, der Sohn Zichi, der sich freiwillig dem Herrn darbot, und mit ihm zweihunderttausend tapfere Männer" Der Prediger theilte mit, daß sich in den letzten Jahren die Zahl der Israeliten in der englischen regulären Armee um 20 pCt. vermehrt habe, in der Miliz um 35 pCt., und daß in den Volunteer-Corps der Prozentsatz ebenfalls gestiegen sei. In Kapstadt werde gleichzeitig ein Gottesdienst der den Truppen der Kapkolonie angehörigen jüdischen Soldaten abgehalten. Es sei Pflicht der Juden in England, sich der Vertheidigung eines Landes zu widmen, das ihnen in Toleranz, brüderlicher Be-

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