Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-12-22 · Heft 101 (22.12.1898) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 101 (22.12.1898)
Date
1898-12-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448951--47360-2497711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1891 leitet und geführt, mit allen Kräften beitrage zur Förderung der Thorakenntniß und Gottesfurcht. Der greise Gründer und Leiter des Seminars, den der Allgütige uns noch lange erhalten möge, hat dem Alter seinen Tribut geben müssen und er muß es sich schon längere Zeit versagen mit der früheren Unermüdlichkeit, sich der Förderung und Leitung seiner Rabbinerschule hinzugeben. Mögen die Freunde des Seminars in Zukunft eingreifen, dieser Anstalt ihre Unterstützung weihen und mögen die Mitarbeiter Dr. Israel Hildesheimer, das Kuratorium und der Lehrkörper des Seminars stets bemüht sein, im Geiste ihres großen Führers und Meisters seine Lebensschöpfung zu stützen und zu heben. Manches könnte noch bester, noch schöner am Seminare sein. Große Schwierigkeiten sind noch zu überwinden. Am Tage der Freude möge die Kritik schweigen, besonders da, wo so viel Veranlastung ist zum Loben. Wir geben jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß der Gedankenaustausch und die neuerweckte Begeisterung des Jubiläumstags dazu beiträgt, daß bald alle Schatten aus dem stolzen Bau des Seminars geschwunden sein werden, und daß diese Lehrstätte in eine Fluth von Licht getaucht, die ungetheilte Liebe und Bewunderung aller für Thora und Gottesfurcht warm fühlender Glaubensgenosten behalte und gewinne. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 21. Dez. Ausführliche Berichte über Chanukafeiern der zionistischen Vereine in Frankfurt a. M. u. Leipzig sind uns zugegangen. Wir entnehmen den Berichten, daß Die Festlichkeiten, welche von Anhängern und Gegnern der jungen Bewegung zahlreich besucht waren, einen animirten Verlauf nahmen. Die bei diesen Gelegenheiten gehaltenen Reden bieten zu wenig Neues, als daß ein Referat über dieselben allgemeines Jntereste hätte. In Frankfurt a. M. waren die Hauptredner Rabbiner Rülf, Bonn—Memel und Frl. I. W olp e. In Leipzig hatte das Referat Herr Martin Buber; auf eine große Rede des Herrn Dr. Heinrich Löwe aus Berlin wurde mit dreißig Mitgliedern eine zionistische Ortsgruppe dortselbft gegründet. Köln. Unter den Lehrern, die diesen Herbst am Provinzialschulkollegium zu Coblenz die Reklorprüfung bestanden haben, war als einziger Jude, der den Lesern dieser Zeitung durch seine Berichte über Lehrerversammlungen bekannte Schristsührer des Vereins der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen, Herr Elias Gut—Köln, Lehrer und Kantor der hiesigen Religionsgesellschaft. Derselbe erhielt die Berechtigung zur Leitung von Mittelschulen und höheren Mädchenschulen mit fremdsprachlichem Unterricht. Witrzvurg, 20. Dez. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt vor einigen Tagen Herr Distrikts-Rabbiner N. Bamberger hier einen Vortrag über „die ewige Stadt im Orient". Das interessante Thema hatte zahlreiche Zuhörer herangezogen, die am Ende des Vortrags dem Redner allgemeinen Beifall zollten. Der Redner führte ungefähr aus: Sowohl die Kaiserreise nach Palästina, als auch die verschiedensten Gedanken und Erinnerungen, die sich an dieses Land knüpfen, erwecken das allgemeine Jntereste, und so sei es daher am Platze, Näheres über dieses Land und deren Hauptstadt vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu erfahren. Jerusalem dürste wohl als die älteste jüdische Stadt bezeichnet werden, da schon die B.bel, selbst in ihren erster» Blätlern dieselbe erwähnt, auch ste als die Residenzstadt der jüdischen Könige bezeichnet. Mit jener Zeit aber, da Israel seine Selbstständigkeit verloren, hatte auch seine Hauptstadt ihre Blüthezeit hinter sich. llnb wenn auch mehreremale später wieder die Juden in sie einzogen, so war dies stets in verminderter Zahl und Pracht. Niemals erlangten die Nückkehrenoen wieder ihre staatliche Selbst' ftändigkeit; die Herrschaft lag stets in den Händen der Syrer, Egypter, Perser u. s. w. Welche Leiden die Juden in diesem häufigen Regierungswechsel ertrugen, welche Veränderungen die Stadt Jerusalem selbst erfahren, suchte der Redner an der Hand geschichtlicher Nachweise klar zu legen. Eine Besterung der jüdischen Verhältnisse trat erst ein, als die Türken sich die Herrschaft über Jerusalem erobert hatten. Mit jener Zeit beginnt wiederum das Aufblühen der Stadt. Der Herr Rabbiner gab dann noch ein kurzes Bild der Verhältniste in Jerusalem, wie sie in der Gegenwart sich uns bieten. Die heutige Einwohnerzahl beträgt 60,0 0 Seelen, von denen 2/3 jüdischen Bekenntnisses sind. Diese theilen sich in spanisch portugiesische — als türkische Unterlhanen und polnisch-demsche Juden, die unter dem Schutze des betr. Consulates stehen. An der Spitze aller Juden steht der Chacham Baschi und ihm zur Seite gibt es 9 Vorstände. Gemeindeumlagen werden keine erhoben; die Ausgaben werden daher durch Einkaufsgelder von Ansiedlern bestritten. Ueber die soziale Stellung der Juden bemerkte der Redner, daß diese sich in drei Klasten theilen: a) solche, die den Abend ihres Lebens sorgenfrei in Jerusalem verbringen und dort begraben sein wollen; sie leben von ihren Z nsen; d) Geschaststreibenve un) Handwerker, die den größten Theil ausmachen; c) Talmudisten und Männer, die fromme Handlungen ausüben: diese letzteren sind

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.