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Der Israelit · 1898-12-19 · Heft 100 (19.12.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 100 (19.12.1898)
Date
1898-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1878 maß Artikel 99, § 2 des Munlzipalgejetzes die öffentliche Ordnung zu sichern, wobei sich die staatliche Behörde vorbehält, selbst die Polizeigewalt laut 8 1 des gleichen Artikels auszuüben, wenn ihr auf ihr Ansuchen nicht volle Genugthuung zu Theil wird. In welchem Geiste der Raufbold, den die Bürger Algiers zu ihrem Gemeindeoberhaupte erhoben haben, diese Aufforderung auffaßt, und welche seltsame Ansichten von den Pflichten eines Maires er hat, wird durch den Wortlaut folgenden Erlasses klargelegt, den er bezüglich des ihm feindlichen Blattes me“ veröffentlichen läßt: „Der Maire von Algier hat angeordnct, daß das „Telegramme“ von einem Zuge Polizisten Tag und Nacht überwacht wird, um die Bevölkerung von Algier daran zu hindern, sich wegen der Beleidigungen dieses Blattes zu rächen." Zu einem Zugeständniß, das allerdings zu seiner rein persönlichen Sicherheit erforderlich war, hat sich der Anführer der algerischen Plünderer und Mordbrenner aber doch verstanden. Er hat sein Leiborgan „I/Antijuif“ eingehen lassen: auä der Asche dieses Banditenblattes ist „Le nouvel Antijuif“ emporgestiegen, der aber weder den Namen eines Direktors noch eines Chefredacteurs nennt. So ist Negis der Justiz gegenüber gedeckt — oder glaubt es wenigstens zu sein, wenn das Blatt wegen seiner Aufreizungen zu Einbruch und Mord belangt werden sollte. All diese Anzeichen deuten darauf hin, daß einerseits die Antisemiten Algiers zunl Aeußersten entschlossen sind, und daß andererseits die staatlichen Behörden endlich den Ernst der Sachlage erkennen und Maßregeln zur Niederhaltung der algerischen aus allen möglichen Nationalitäten zusammengewürfelten Räuberbanden ergreifen. Griechenland.? Athen. Die Situation in Thessalien ist noch immer für die Juden höchst bedenklich, schließen sich doch die unteren Gerichte jetzt auch der feindlichen Stimmung vollkommen an und haben gegen einzelne Juden Urtheile erlassen, die jedem Gerechtigkeitsgefühl Hohn sprechen. Zum Glück haben sich einige angesehene liberale Deputirten der verfolgten Juden angenommen und auch die höheren Gerichte werden hoffentlich das ihrige thun, um dem Rechte zum Siege zu verhelfen. Immerhin bleibt die Situation der Juden in der ganzen Provinz noch höchst prekär. Schweden.? Stockholm. Der hier verstorbene Kaufmann B. Ursell bat von seinem 600,000 Kronen betragenden Vermögen je 100,000 Kronen der jüdischen Gemeinde in Soest, dem jüdischen Krankenhaus in Soest oder Paderborn, dem katholischen Krankenhaus in Soest und dem katholischen Krankenhaus in Paderborn hinterlaffen. Der Rest seines Vermögens ist für andere wohlthätige Zwecke bestimmt. Der Verstorbene war, obwohl Jude, Offizier in der deutschen Armee, hat als solcher den Feldzug 1870/71 und den Einzug in Paris mitgemacht und auch das eiserne Kreuz erhalten. > DermischteL. < Saloniki. Ein fürchterlicher Orkan hat hier enormen Schaden gethan, den man auf eine halbe Million türkische Pfund, d h 9 bi- 10 Millionen Mark schätzt Besonders das Iudenciuartier hat stark gelitten. Feuilleton. verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 3i) Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten. Am darauffolgenden Tage betrat Prozessor Max Felder, von seiner Berufsthätigkeit heimkehrend, mit bewölkter Stlrne seine Wohnung. Hermine, welcher er im Corridore begegnete, benrerkte er nicht gleich. Er erwiederte kaum ihren freundlichen Gruß und schritt sichtlich in Gedanken vertieft, an ihr vorbei. An der Thüre seines Arbeitszimmers angelangt, blieb er, mit der Thürklinke in der Hand eine Weile vor sich hinsinnend stehen; dann wendete er plötzlich den Kopf nach ihr um und sprach: „Hermine, bitte Mama sie möchte ein wenig zu mir herüberkommen." Als nach einer kurzen Weile seine Frau bei ihm einirat, fand sie ihn am Fenster stehend, die Hände auf dem Rücken gekreuzt und in die Scheiben hineinstarrend. „Hermine sagte mir —" Er fuhr beim Klang ihrer Stimme rasch herum. „Ach, entschuldige," sprach er mit nervöser Unruhe an dem Knopf der Chemisette zupfend, „ja, ich ließ Dich bitten herüberznkommen . . . Hm . . . . ja . . . Setze Dich!" Doch sie setzte sich nicht, sondern sah ihn mit einem beunruhigenden Blick an. „Was möchtest Du, Max?" sprach sie, indem ihr eine dunkle Beklemmung ins Herz fiel. Er blieb mit einem raschen Entschluß vor ihr stehen. „Ich wollte Dich fragen, Rosa, glaubst Du, daß Rudolf gestern in Bezug auf die zwei Studenten, die bei ihm waren, die Wahrheit gesprochen habe?" „Was willst Du damit sagen?" fragte die bestürzte Mutier leise.

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