Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1898)
- Date
- 1898-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1877 stelle haben sich bis jetzt 42 Kandidaten beworben. Die Stelle soll am 1. Februar n. I. wieder besetzt werden. — Die 10. Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen findet am 2. Januar k. I. in Posen in Stern's Hotel statt. Die Tagesordnung enthält: 1. Gesang: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde." 2. Begrüßung und geschichtliche Mittheilungen. 3. Bericht des Delegirten über den Delegirtentag am 27. und 28. Dezember. 4. Referat über das VerbandSthema: Wie ist die jüdische Schule unserer Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt und was hat sie geleistet? 5. Referat: Die Chronik der jüdischen Schule in Schwersenz mit Bezugnahme auf die jüdischen Schulen unserer Provinz. 6. Referat über 3 eingesandte Lehrbücher. 7. Wahl eines Kaffenführers. 8. Tag und Ort der nächsten Versammlung, Anmeldung von Vorträgen für dieselben. 9. Anträge aus der Mitte der Versammlung. — Im hiesigen Literatur-Verein hielt der Vorsitzende, Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Lewin einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: ..Baruch Spinoza und sein Verhältniß zum Judenthum." — Die hiesige Religionsschule feierte auch in diesem Jahre das Chanukafest. An der Feier nahmen auch einige erwachsene Damen theil. H. Wolfs. 1t Koschwin. Am 10. d. M. beging nachträglich der hiesige Krankenpflege- und Bestattungsverein das Fest seines 25 jährigen Bestehens, zu welchem sich fast alle Vereinsmilglieder eingefunden hatten. An Stelle des durch Krankheit verhinderten verdienstvollen Vorsitzenden Herrn Adolf Horovitz begrüßte zunächst der Ehrenvorsitzende Herr Rabbiner Dr. Heppner die Erschienenen und brachte hierauf in zündenden Worten das Kaiserhoch aus, in welches alle Anwesenden begeistert einstimmten und stehend die Nationalhymne sangen. Nachdem nun Herr Dr. med. Fuchs vom medizinischem Standpunkte aus, die Wichtigkeit und den Segen einer geordneten Krankenpflege beleuchtet und ganz besonders die übertriebene Aengstlichkeit vor der Ansteckung gegeißelt hatte, wies Herr Rabbiner Dr. Heppner auf den idealen Werth und die religiöse Bedeutung einer solchen Chewra hin, und entwarf hierauf in knappen Zügen ein lichtvolles Bild des Vereins, von seiner Begründung an, bis auf den heutigen Tag. Noch verschiedene andere Herren trugen im Laufe des Abends durch Toaste und Reden dazu bei, daß die Stimmung bis zum Schluffe eine gehobene blieb, und in dieser schritt man auch zur Versteigerung des „Benschen", welches über 40 Mark brachte. Noch bis gegen Mitternacht blieben die Festtheilnehmer zusammen und schieden alsdann mit dem schönen Bewußtsein eine wirkliche ms® nnoe> begangen zu haben. — Bei der letzten Stadtverordnetenwahl wurden die von deutscher Seite aufgestellten Kandidaten Herr Dr. med. Fuchs und Herr Bäckermeister A. Michaelis zu Stadtverordneten wiedergewählt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 16. Dez. Baronin Klara Hirsch liegt schwer darnieder und ihr Zustand gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Sie mußte schon bei ihrer letzten Rückreise nach Pari» in das Coupö getragen werden. In den letzten zwei Monaten hat Baronin Hirsch, die im 66. Lebensjahre steht, das Bett nicht mehr verlaffen. Man hat berechnet, daß sie in den letzten zwei Jahren mehr als 40 Millionen Gulden zu wohlthätigen Zwecken gespendet hat. Sie unterhält bekanntlich in Wien, Budapest und mehreren anderen Städten Wohlthätigkeiisbureaux, von denen sie jedes einzelne jährlich mit 120,000 fl. subventionirt. Der rege schriftliche Verkehr, den sie früher direkt mit jenen Wiener Persönlichkeiten führte, die hier ihrem Wohlthätigkeitsbureau vorstehen, hat in Folge deffen aufgehört. Vor einigen Tagen langte noch ein mit der eigenhändigen Unterschrift der Baronin versehenes Aktenstück hier ein: sie hatte trotz ihres schweren Leidens auf ein ihr von ihrem Wiener VertrauenSmanne eingefchtcktes Unterstützungsgesuch einer armen Familie unter das von fremder Hand beigesetzte Wort „bewilligt" ihre Namensunterschrift gesetzt. Die Schrift ist kaum lesbar mit zitternder Hand geschrieben und läßt deutlich erkennen, welche Fonschritte die Krankheit gemacht hat. Die Nachricht von der fast hoffnungslosen Erkrankung der edelmüthigen Dame, die seit dem Tode ihres Gatten in so beispielloser Weise Wohlthaten geübt und lausenden von Unglücklichen geholfen hat, wird gewiß weit und breit Theilnahme wachrusen. X Gr. Tapolseany, 16. Dez. In dem Annoncentheil der Nr. 96 Ihres sehr gesch. Blattes erschien ein Aufruf des Dorfes Klein Kriscinie (Kom. Bars), in welchen! man angiebt, daß das ganze Dorf total abgebrannt ist und daß man deshalb um Almosen bittet. Zur gefl. Kenntnisnahme unserer edlen Glaubensgenossen, welche durch diesen Aufruf getäuscht worden sind, erkläre ich hiermit, daß in dem angeblichen von nur zwei Juden bewohnten Dorfe richtig am Jom Kippur ein Feuer ausbrach, aber nur den einen Juden Namens Bock in Mitleidenschaft zog, welcher trotz mehrmaligem Anerbieten keine Spenden annimmt. Weitere Erkundigungen sind einzuziehen durch Samuel Reiner, Gr. Tapolscany, Neutraer Com. Ungarn. Die hierfür bereits eingegangenen Spenden im Betrage von Mk. 25.— verwenden wir, falls wir von den geehrten Spendern keine andere Nachricht erhalten, in gleichmäßigen Theilen für die übrigen im „Israelit" gegenwärtig ausgeschriebenen Hilfsgesuche. Redaction des „Israelit". Frankreich. Paris. Die Zustände in Algier nehmen eine so drohende Gestaltung an, daß die Präfektur den antisemitischen Maire Regis aufgefordert hat, ge-