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Der Israelit · 1898-12-19 · Heft 100 (19.12.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 100 (19.12.1898)
Date
1898-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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und Staatsbibliothek wohnte, da deren reiche Bücherschätze seinem wissensdurstigen Geiste unerschöpfliche Nahrung boten. Hier in München lebte er in größter Zurückgezogenheil, pflegte fast gar keinen Verkehr, so daß die grobe Oeffentlichkeit erst bei seinem Ableben seinen Namen und seine Bedeutung als Gelehrter erfahren hat. Desto bekannter war sein Name im Kreise der Fachgelehrten, die mit großem Bedauern von seinem Ableben Kenntniß nehmen werden. Bis ins höchste Alter, bis kurz vor seinem Tode, war G. schöpferisch thätig. Er hat mehrere bedeutende, von großer Gelehrsamkeit und umfassendem Wissen zeugende Werke veröffentlicht. In wissenschaftlichen Zeitschriften, namentlich in der Zeitschrift der Deutsch-Morgenlandischen Gesellschaft, erschienen von ihm mehrere umfangreiche Aussätze, von denen einzelne dem Umfang eines Werkes gleichkommen. Im 31. Banve dieser letzteren Zeitschrift veröffentlichte er einen Aufsatz über die Ha gada, der zum ersten Mal die Augen der gelehrten Welt auf ihn lenkten und der, durch die originelle, sprudelnde und anregende Art der Behandlung und durch die schier unübersehbare Fülle des behandelten Materials, ein Meisterstück genannt zu werden verdient. Seine Jüdisch-deutsche Chrestomathie, die bei Brockyaus erschienen ist, darf als grundlegend für jede Forschung auf diesem so wenig bebauten Gebiete angesehen werden. Sie wurde seiner Zeit vielfach in Zeitschriften und auch in diesen Blättern von Dr. Lehmann in anerkennendster Weise besprochen. Später kam hiezu, gleichsam als Pendant, eine Jüdisch-spanisch e Chrestomathie, die seine Meisterschaft auf dem Gebiete der romanischen Sprachen bekundete. Vorher schon, im Jahre 1893, veröffentlichte er bei Brill in Leiden „Neue Beiträge zur semitischen Sagenkunde", die eine Fülle von Anregung und Belehrung für den Laien, wie für den Fachmann enthalten. - Für das Werk „die jüdische Literatur" von Winter und Wünsche hat er die jüdischdeutsche Literatur behandelt. Grünbaum war eine echte Gelehrtennatur. Anspruchslos und genügsam in unglaublichstem Grade kannte er kein höheres Verlangen, als den Schatz seines Wissens zu vermehren uno feinem bewundernswerthen Gedächtniß immer neuen Stoff zur Aufnahme zuzuführen. Es war ihm eine Freude aus der Fülle seiner Kenntnisse zu spenden und Belehrung zu ertheilen, wenn er darum angegangen wurde: seine höchste Befriedigung empfand er jedoch im Selbststudium. In den Parteikämpfen, die da» Judenthum seiner Zeit in zwei Lager spaltete, ist er niemals hervorgeireten, auch in seinen Schriften befleißigte er sich stets der strengsten Objektivität, und so kann auch seine religiöse Richtung hier mit Stillschweigen übergangen werden. Er möge in Frieden ruhen! —n— W. Vreschen, 11. Dez. Der Israelitische Frauenverein hielt heute seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Bor Beginn der eigentlichen Tagesordnung wies Herr Gemeinde--Rabbiner Dr. Lew in in einer längeren Ansprache den Zweck des Vereins nach und dankte den Vorstandsmitgliedern für ihrer große Mühewaltung. Dann wurde zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. Von Herrn Jad esch e wurde Bericht über die finanzielle Lage des Vereins erstattet. Darnach betrugen die Einnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahre: An Saldo-Vortrag pro 1897 422.71 M., ein Pfandbrief von 300 M, baar 122.71 M., monatlichen Beiträgen 264.75 M., Eintrittsgeld 1 M., laufende Spenden, Sammlungen und Zinsen 176.30 M., zusammen 864.76 M. — Dieser Gesammt-Einnahme stellt sich eine Ausgabe entgegen von jährlichen Portis 0,30 M., Botenlohn 36 M., Unterstützungen 4<>8.48 M., mithin verblieb beim Final-Abschluß ein Bestand von 359.98 M., darunter ein Pfandbrief von 300 M. — Der Verein zählte im Anfänge des Rechnungsjahres 91 Mitglieder. ES traten hierzu 1 Mitglied, verzogen 3 und schieden durch Tod aus 3, so daß im Verein 84 zahlende und 2 Ehrenmitglieder verblieben. Bei der zum Schluffe stattgehabten Wahl wurden als Vorsstzende Frau Kreirpbysikus Dr. Michaelsohn und als stellvertretende Vorsitzende Frau Rabbiner Dr. Lewin gewählt. Zum Vorstande gehören außerdem Frau Nathalie Diamant, Frau Jenny Wolff, Frau Paula Ziegel, Frau Bertha Javesohn und Frau Emma Cohn. Der Verein besieht seit 1384. — Der Literatur-Verein Hierselbst hielt gestern seine statuarische General-Versammlung ab. Nach Begrüßung der Erschienenen seitens des Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Lewin wurde über die Geschäfts- und Finanzlage des Vereins berichtet und die anempfohlene Decharge ertheilt. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes wurden durch Zuruf wieder- und Herr Rechtsanwalt Peiser neugewählt. — Dem bis jetzt an der israelitischen Schule in Schrimm angessellten Lehrer Falk, der vor einigen Monaten die Mütelschullehrerprüfung bestanden hat, ist von der Regierung zu Wiesbaden die Mittheilung zugegangen, daß seine Wahl als Rektor einer höheren Schule in Frankfurt a. M. bestätigt ist. Das Scheiden des feit ungefähr 17 Jahren thätigen und wegen feines bescheidenen Auftretens Überall beliebten Mannes wird allgemein bedauert. — Um die durch den Tod des Herrn Auerbach in Tremeffen vacante Lehrer-

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