Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1898)
- Date
- 1898-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1875 die öffentliche, jüdische Meinung, als deren Organ sich der „Israelit" im Kreise seiner Leser begreift. Sein Einfluß wächst mit dem Kreise von Lesern, an die er sich wendet. Die Belehrungen und Ermahnungen, die Berichte und Erzählungen und selbst die Anzeigen des „Israelit" werden eine um so größere Wirksamkeit haben, je größer feine Verbreitung ist. Hier ist der Punkt, dessen richtige Beherzigung alle Leser des „Israelit" zu seinen Mitarbeitern machen wird. Wenn sich in unserer weiteren oder engeren Umgebung irgend ein materieller Nothstand bemerklich macht, so veranstaltet irgend ein Edler, dem das Weh seiner Mitmenschen besonders zu Herzen geht, eine Sammlung, um durch gemeinsame Mitwirkung das Weh zu mildern. Warum sollen wir angesichts unseres geistigen Nothstandes, unter dem so viele und so vieleleiden, nicht einmal dasselbe Mittel anwenden, nicht um Geld und Gut, sondern um im Kreise von Freunden und Bekannten Leser für den „Israelit" zu sammeln und so auch ihnen die Anregungen zum Guten und Wahren zugänglich machen, die dem „Israelit" und der von ihm vertretenen heiligen Sache seit den neununddreißig Jahren seines Bestandes schon so viele Geister und Gemüther gewonnen haben? Wenn jeder Leser des „Israelit" demselben nur einen einzigen neuen Leser zusührt, so hat sich der Kreis seiner Wirksamkeit mit dem Eintritt iu das vierzigste Jahr seines Bestandes verdoppelt. Indem wir unseren geehrten Lesern und Leserinnen diese Anregung zur angelegentlichen Erwägung und Beherzigung nahe legen, reichen wir ihnen im Geiste die Hand zur gemeinsamen Wirksamkeit, um uns gegenseitig zu ermahnen und anzuspornen fest zu sein und fest zu bleiben zur Wahrung und Förderung der höchsten Anliegen unseres Volkes! TV2 pnnnr pin. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen Deutschland. Berlin, 13. Dez. Zu Gunsten der jüdischen Lehrerinnen hat der Verein „Frauenwohl" folgende Resolution angenommen: „Die heute in der Aula des Falk-Realgymnasiums tagende Versammlung des Vereins „Frauenwohl" hat mit Staunen und Unwillen Kenntniß genommen von der kränkenden Beeinträchtigung der im städtischen Gemeindeschuldienst angestellten jüdischen Lehrerinnen in ihrer erziehlichen Thätigkeit. Sie hält die Entziehung des Ordinariats, welche eine Anzahl von jüdischen Lehrerinnen erfahren mußte, und welche einer größeren Anzahl noch bevorsteht, für die Verletzung eines durch alten Gebrauch geheiligten Rechtes. Bisher war es weder bei den städtischen noch bei den königlichen Behörden gestattet, eine Beamtin anders als auf dem Wege des DisciplinarverfahrenS in ihrer bis dahin ausgeübten amtlichen Thätigkeit zu beschränken. Die Versammlung glaubt, daß durch die Maßnahmen der königl. Schulbehörde gegen die jüdischen Lehrerinnen der Geist der Nächstenliebe und Friedfertigkeit, welcher in der Schule gepflegt werden soll, arg beinträchtigt werden muß. Sie beklagt das gegen die jüdischen Lehrerinnen geübte Verfahren auf das Tiefste, nicht nur aus Mitgefühl mit den in ihrer Berufsarbeit geschädigten verdienten Frauen, sondern auch im Namen der Gerechtigkeit und des konfessioniellen Friedens und erhofft von der Einsicht der zuständigen Behörden eine Zurücknahme der betreffenden Verfügungen. — Eine ähnliche Protestkundgebung ist auch vom Bezirksverein Alexanderplatz nach einem Vortrage des Vorsitzenden Rechtsanwalt Galland beschloffen worden. München, im Dez. Am 12. dss. »erstarb dahier der Puvalgelehrte Dr. Max Grün bäum im 82. Lebensjahre. Mit ihm ist einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten aus dem Gebiete der orientalischen Sprachen und der vergleichenden Sagenkunds dahingegangen. Auf letzterem Gebiete im Besonder« galt er als eine Autorität ersten Ranges und bedeutende Gelehrte des In- und Auslandes holten bei ihm Rath und Belehrung in schwierigen Fragen ein. Grünbaum war in Gelnhausen geboren und hat in seiner Jugend bei seinem frommen und gelehrten Vater und nachher in Frankfurt a. M. den Grund zu seinem jüdischen Wissen gelegt. Speziell das Gebiet der Hagada hat den zukünftigen Sagenforscher besonders angezogen und hier lag seine eigentliche Stärke. In Mainz besuchte er das Gy:nnasium und vollendete hernach an der Universität Gießen seine Studien. Seine Wanderjahre führten ihn nach den verschiedensten Städten Hollands und Oesterrrich-Ungarns, bi» er dann nach Amerika auswanderte und sich in NewPork niederließ. Dort bekleidete er eine Reihe von Jahren hindurch die Stelle eines Instruktors an einem Waisenhause und wußte sich die Lübe und Verehrung seiner Schüler und Vorgesetzten in. außerordentlichem Maße zu erwerben. Im Jahre 1870 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in München nieder, wo er sich ganz und gar gelehrten Studien widmete und — wie der sel. Dr. Perle» einmal scherzweise schrieb — auf der hiesigen Hof-