Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1898)
- Date
- 1898-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1874 kämpften. Den Begründer des „Israelit" schreckte weder die Minderzahl der Freunde noch die Masse der Gegner. Ohne die einen und anderen zu zählen, nahm er den Kampf für unsere heilige Sache auf, und gründete den „Israelit", der mit Gottes Hilfe heute die verbreitetste jüdische Zeitung des Kontinent» ist. Freilich war dieser selbstlose Eifer für unsere heilige Religion von seltenen Fähigkeiten de« Geistes und Herzens begleitet, getragen von gründlicher jüdischer und allgemein wissenschaftlicher Bildung und mit einer seltenen Meisterschaft in Handhabung dc» Worts und der Feder verbunden. Dieselbe Meisterhand, welche durch die anregenden, belehrenden Leitartikel die Kenntniß der Thora, verbunden mir weltlicher Bildung in weite Kreise trug, schrieb mit derselben Meisterschaft die gemüth- und gehaltvollen Erzählungen aus Vergangenheit und Gegenwart unsere» Volke» und gewann damit die Herzen von ungezählten Tausenden in der Gegenwart für die Errungenschaften unserer großen Vergangenheit. Während die geistvollen Polemiken mit den jüdischen Verächtern de» alten, überlieferten Judenthum» den scharfen Geist und den untrügsamen Charakter de» gottbegnadeten Gotteskämvfers bekundeten, bezeugten feine ebenso zahllosen Aufrufe zur Linderung materieller Roth, die öffentlichen Sammlungen, die er zu diesem Zwecke veranstaltete, sein weiches Gemüth und fein edles Herz. Wir heben an dieser Stelle diese unseren Lesern ja hinlänglich bekannten Momente kurz hervor, um unser schmerzliche« Bangen für den „Israelit" zu rechtfertigen, als ihm vor nunmehr acht Jahren fein Begründer in bestem Mannesalter und in rüstigster Schaffenskraft entriffen wurde. Wird es gelingen den Unersetzlichen zu ersetzen? Wird da» Geschaffene seinen Schöpfer überdauern können, ohne Schaden an seiner ideellen Eigenart, ohne Nachtheil für seine bisherige, gedeihliche äußere Entfaltung? Diese Befürchtungen, die mit uns viele Freunde des „Israelit" damals theilten, so gerechtfertigt sie auch schienen, die Thatsachen haben sie nicht nur vollständig zerstreut, sondern sie erfüllen uns im Gegentheil mit der zuversichtlichsten Hoffnung auf Gottes ferneren Beistand auch für die Zukunft. Heute an der Schwelle feines vierzigsten Jahrgangs dürfen wir es seinen zahlreichen Freunden diesseits und jenseits des Oceans mittheilen.' „Seit dem Tode seines Begründers hat sich der Leserkreis des „Israelit" beinahe verdoppelt." Wohl ist ihm mit uns der Vater entrissen worden, aber sein Geist ist uns verblieben. Dieser ist zündend in die Maffen gedrungen und hat viele geweckt und gespornt, pi» m» zu werden, in die Bresche zu treten und mit Einsatz ihrer vollen Kraft die Lücke auszufüllen, die der Tod des großen Gottes kämpfers zurückgelaffen hatte. Die Vaterhand, die sich nicht mehr für sein geistiges Kind regen konnte, erhebt sich seitdem als die eines in* pSa vor dem Throne des Allmächtigen und tritt so für die Wahrheit des Wortes der Weisen ein, daß die Frommen im Tode noch größer sind als im Leben, npns d*hj proe w fjirroa. Mehr als je hoffen wir aber gerade mit dem vierzigsten Jahre des „Israelit" auf dieses wsk war auf dieses große Verdienst se nes Begründers. Dürfen wir glauben, dasselbe nicht ganz unverdient zu genießen, indem der „Israelit" auch nach dem Heimgang seines Gründers den Spuren feines großen Geistes folgte, so dürfen wir uns heute dessen in noch höherem Grade als bisher würdig erachten. Der gute Wille dem Geiste seines Lehrers zu folgen, genügt nicht, auf denselben conseqnent einzugehen und ihn sich unverlierbar zu eigen zu machen, wenn dieser gute Wille nicht von einer gewissen Reihe und Reife der Jahre unterstützt wird. p:tr pn» tj> rr-n rrrunK xb .121 tdk. Rabbah lehrt: „Niemand geht vollständig auf den Geist seines Lehrers ein, bis nach Verlauf von vierzig Jahren." (Talmud Abode sarah Fol. 5b.) im&vb rau p inis tid5 uw *wks. Inniger als je geloben wir uns den „Israelit", diese theuere väterliche Hinterlassenschaft, in dem bisherigen Geiste weiter führen zu wollen. Zu dem Danke gegen Gott, der uns diesen Zeitpunkt erleben ließ, gesellt sich der Dank mrp?, daß er uns aufrecht erhalten hat, trotz der Kämpfe, die in jeder Zeit jedem redlichen Streben beschieden sind. Diese Kämpfe nehmen mit jeder neuen Zeitströmung eine andere Form an. Sie sind in unserer Zeit nach innen und außen ganz besonders eigen geartet «nd erfordern daher aufmerksame Hingebung und opfervolle Selbstverleugnung unseren Gegnern und oft selbst unseren Gesinnungsgenoffen und Freunden gegenüber. Sie weisen den „Israelit" unablässig auf die „Höhe der Zeit" und soweit es uns beschieden war, sie zu erreichen und sie zu behaupten, sprechen wir dem Allgütigen dafür unfern Dank aus, wenn wir zu '00p' noch usraw fügen. Rach diesem Dank an Gott möge aber auch der Dank an den großen Kreis der Leser des „Israelit" hier seinen Ausdruck finden. So gewiß cs wahr ist: uv *bu “j5e p* daß die Größe eines Königs durch die Größe des ihm huldigenden Volkes bedingt ist, so gewiß ist es auch bei einer Zeitung und gar bei einer jüdischen Zeitung der Fall. Der innere Werih einer Zeitung mag noch so vielseitig und gediegen sein, ihr wahrer Segen ruht in ihrer Verbreitung. Für viele unserer heiligsten, jüdischen Anliegen haben wir kein anderes Forum als uns selbst, als