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Der Israelit · 1898-12-15 · Heft 99 (15.12.1898) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 99 (15.12.1898)
Date
1898-12-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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WWWWWWW 1866 Nachdem der Gottesdienst beendet war, begaben sich alle Andächtigen in das Haus KalmeS, woselbst der Junggeborne in den Abrahamsbund ausgenommen werden sollte. Wie blutete das Herz der Großeltern, das der Mutter, daß bei diesem hochheiligen Akte der Vater dev Knaben fehlte! Still weinend barg die junge Mutter ihr Gesicht in den Kissen, während die Großmutter, die das Kind dem Mohel brachte, tapfer ihre Thränen niederkämpste. „Boruch habo!" Mit diesen Worten empfing der Mohel das Kind und nun begann die heilige Handlung. Alle Anwesenden folgten derselben mit solcher Aufmerksamkeit, daß sie nicht merkten, wie sich die Thüre öffnete und ein Krieger eintrat. Die Schweißperlen tropften von seinem erhitzten Antlitz unter dem Helm hervor und mit einem „Gott sei Dank!" lauschte er den Segenssprüchen des Mohel. Da unterbricht ein kräftiger Schrei des Kindes die Stille und den Lippen des Soldaten entströmen laut die Worte „Gepriesen seist Du, Ewiger unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch seine Gebote und uns befohlen, unsere Kinder einzusühren in den Bund unseres Vaters Abraham!" Alle Anwesenden drehten sich nach dem Betenden um. Als die Großmutter ihn erblickte, flog es wie Himmelsglück über ihr Antlitz und mit dem Schrei: „Mein Sohn!" lag sie an seiner Brust. Rasch war der heilige Akt beendet. Nun gab der Vater das Kind seinem Sohne, deffen bebende Lippen einen Kuß auf seine Stirne hauchten, einen Segen über es aussprachen. Dann übergab es dieser seiner Muter, die es zu der jungen Frau brachte. Seufzend blickte diese zur Thüre. Da sah sie ihren 1 Gatten und mit lautem Schrei rief sie deffen Namen. „Behüte Gott Dich und unseren Knaben!" rief er ihr zu, dann eilte er hinaus, sprang auf sein im Hofe stehendes Pferd und galloppierte davon. Wie eine Fata inorgana war er erschienen und verschwunden und nach einiger Zeit fragten sich die Anwesenden, ob sie ihn in Wirklichkeit gesehen hätten, oder ob ein Phantom ihre Sinne geäfft habe. Das Fest verlief in gedrückter Stimmung, denn jeder dachte an die Lieben, die draußen vor dem Feinde standen. Während dessen sprengte der junge Vater seinem Regimente zu. Er hatte seine Depeschen abgeliefert und auf die Schnelligkeit seines Pferdes bauend, koloffalen Umweg gemacht, um der Beschneidung seines Kindes beiwohnen zu können. Wie er es zu Stande gebracht, hat der gesch. Leser gesehen und es galt nun, die Versäumniß einzuholen. So lange er sich in deutschem Gebiete befand, ging alles gut. Sobald er aber durch feindliches Gebiet reiten mußte, hieß es, die Augen offen halten, damit er nicht als einzelner Reiter gefangen werde. Da kam ihm der tollkühne Gedanke, weiter hinein ins feindliche Gebiet zu reiten, um seinem hohen Kriegsherrn Kunde von der Stellung und Zahl des Feindes bringen zu können. Seine Kenntniß der französischen Sprache sollte ihm dabei zu gute kommen. Fleißig Umschau haltend, sprengte er dahin. Die Sonne sandte ihre glühenden Strahlen senkrecht auf ihn herab, so daß er fast verschmachtete. Sein tapferes Pferd hielt aus und rechtfertigte das Vertrauen, das sein Reiter in es setzte. In der Ferne sah er einen Wald, an deffen Rand es verrätherisch aufblitzte. Verdächtige Gestalten bewegten sich hin und her und veranlaßten ihn, abzufteigen, und durch sein Pferd gedeckt, sich dem Walde zu nähern. Waren es Deutsche oder Franzosen, die dort kampierten? Vorsichtig, daß er nicht gesehen werden konnte, ging er neben seinem Pferde her und hatte bald das Ende des Waldes erreicht. Jetzt war er den Blicken der am andern Ende des Waldes Lagernden c! .'zogen und indenl er sein Pferd weiter in den Wald hineinführte, beschloß er, sich heranzuschleichen, und zu hören, ob es Feinde wären, die da so sorglos lagerten. Nach einer Weile band er sein Pferd an einen Baum, setzte seinen Helm ab und kroch auf allen Vieren in die Nähe der Lagernden. Schon jetzt konnte er französische Laute unterscheiden. Es mußten sich also französische Truppen in der Nähe befinden und er lief Gefahr, gefangen zu werden, wenn nran ihn entdeckte. Aber er wollte doch auch gerne den zweiten Theil seines Auftrages erledigen und kroch immer näher heran. Schon konnte er einiges verstehen und jetzt mußte er in Hörweite heraugekommeu sein, denn er verstand jedes Wort. Er vernahm, wo die Armee, zu der die Soldaten gehörten, stand, hörte, wie stark dieselbe war und nach welcher Richtung sie muthmaßlich maschieren. ..A quinze jourx lious xeronx & Berlin!*)” „Je croix noux y antroiis d6ja a Imif jo 11 i x.“ *■) So stritten sich die Soldaten der französischen Armee um Dinge, die sich in anderer Weise verwirklichten, als jene glaubten. Kalmes hatte genug gehört. Er zog sich zurück und erreichte bald sein ruhig weidendes Pferd. Sein Entschluß war rasch gefaßt. Er wollte als französischer Spion ins deutsche Lager und hatte deshalb deutsche Uniform an. Er schwang sich auf sein Pferd und sprengte *) In vierzehn laoeu merden wir in Berlin sein. **) Ich glaube, wir werden schon in acht Tagen dort einri'ickeil. 'V'H '"q ~r , > v-f „q #ii . V

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