Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1898)
- Date
- 1898-12-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1842 gewesen, wenn er sein hervorragendes Talent, wenn auch für denselben Gegenstand, doch in einer anderen Weise verwandt hätte. I. Zangwill, der König der Schnorrer. Deutsch von Adele Berger, Berlin 1897, Siegfried Cronbach 193 S. Unter Bettelstolz versteht man gewöhnlich den lächerlichen unbegründeten Stolz, welchen sich in vielen Fällen Nachkommen ehemals hervorragender Familien bewahrt haben, trotzdem sie selbst in keiner Weise hervorragen und durch eigenes Verschulden von der Unterstützung und dem Wohlwollen ihrer Mitmenschen vollkommen abhängig sind. Der Bettelstolz, welchen uns Zangwill in vorliegender Humoreske vorführt ist kein Stolz trotz der Bettelei, sondern ein Stolz aus die Bettelei. Der Autor hat eine ganze Reihe mehr oder weniger bekannter Eulenspiegeleien jüdischer Bettler gesammelt und wohl auch Manches aus eigener Phantasie hinzugethan und zeichnet uns mm, in dem er alle diese Heldenthaten einem einzigen Helden zuschreibt, einen König der Schnorrerci, der ein ganz respektabeles Standesbewußtsein besitzt. Das Bild wirkt äußerst humorvoll mit einem Stich ins Satyrische. Auch hier müssen wir jedoch die Art, wie die Uebung unseres heiligen Religionsgesetzes geschildert wird, scharf verurteilen. Louis Dolivet Sale-Juif! Paris 1897, Colin u. Eie., 5 rne de Mesiöres, VI. u. 304 S. Louis Dotlivet Jude! Antorisirte Uebersetzung des französischen „Sale Juif!" Berlin, Siegfried Cronbach 1899. IV. u. 243 S. Das Buch ist interessant, weil cs uns zunächst den Antisemitismus zeigt, der in Frankreichs klerikalen Kreisen schon vor Dreyfns wohl still aber doch kräftig genug gepflegt wurde. Außerdem glauben wir eine gute Zeichnung der alten und der jungen Generation der französischen Juden vor uns zu haben. Die alte Generation hat wenig jüdisches Wissen und hängt nur noch mit einzelnen Fäden am jüdischen Gesetz, die junge Generation hat die letzten Fäden zerrissen und lernt erst im Leben durch das gemeinsame Dulden und Leiden sich als Jude fühlen. An einer beabsichtigten und durch dm Judenhaß vereitelten Mischehe entwickelt der Verfasser seine Gedanken. Wir halten dieses für verfehlt. Wie auf jüdischer Seite keinerlei Vornrtheil und allein das Religionsgesetz der Mischehe entgegentrilt, so sind wir der Ansicht, daß auch auf der anderen Seite bei dieser Frage der Antisemitismus völlig in den Hintergrund tritt und da wo überhaupt ernsthaft dagegen angekämpft wird, die Religion das erste Wort hat. Es lassen sich Beispiele genug dafür anführen, daß der ja meist durch Neid hervorgerufene Judenhaß schweigt, sobald durch eine eheliche Verbindung der Neidhart von gestern, mit beruhigtem Gemüthe die Schätze, welche seine Mißgunst erregten, mit den ehe mals Beneideten theilcn darf. Für die Bibelverse und die Stellen aus dein neuen Testament, welche der Verfasser an die Spitze seiner Kapitel stellt, konnten wir kaum einen anderen Grund finden, als den, die Leser zum Nachdenken reizen, in welcher Beziehung dre Ueberschrist zum Inhalt steht und so ihren Geist zu schärfen. Wir konnten oft trotz großer Mühe des Näthsels Lösung nicht finden. Unser Roman scheint schon literarisch befruchtend gewirkt zu haben, Nordaus anspruchsvolles Drama „Dr. Kohn" crinn.rt in seinem Aufbau lebhaft an Dollivets Beitrag zur Lösung der Judenfrage. Auch in einer unschönen Nebensache sind Roman und Drama gleich. In beiden wird unser ästethischer Sinn durch den ausführlichen Bericht medizinischer Diagnosen schwer verletzt. Der Roman, von dessen assimilirenden Tendenz wir natürlich weit entfernt sind, ist gut und spannend geschrieben. Da derselbe in Frankreich ein gewisses Aufsehen erregt hat, so können wir dem Verlag von Cronbach nur dankbar sein, daß er denselben durch eine schöne tlebersetzung unserem Urtheil näher gerückt hat. Jüdische Charaktere bei Grillparzer, Hebbel und Otto Ludwig. Litterarische Stlldien von S. Lttbtittski, Berlin 1899, Siegfried Cronbach 120 S. Nach des Verfassers Worten soll das Büchlein sein ein „kleiner Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte, gesehen aus dem Gesichtswinkel eines „jüdischen Temperaments." Wir haben gefunden, daß die drei deutschen nichtjüd. Dichterbei vielen irrigen Anschauungen durch ihre ehrfurchtsvolle Rücksicht auf Bibel und Tradition dem jüdischen Temperament viel näher stehen, als der bibel- und traditionsfeindliche Verfasser. Die deutsche Litteraturgeschichte und das Judenthum hätten nichts verloren, wenn das Buch ungeschrieben geblieben wäre. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin. Die „Post", das Organ des Frhrn. v. Stumm, widmet Herrn Stöcker eine Art polrtrschen Nekrologes und schreibt u. A.: „Mit der Verlegung des „Volk" nach Siegen gibt Stöcker auch offenbar seine „Berliner Bewegung" preis. Seit acht Jahren hatte er hier völlig freie Hand, keine miUelparteiliche Einwirkung störte seine Kreise und er war mit dem Ausscheiden aus dem