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Der Israelit · 1898-12-12 · Heft 98 (12.12.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 98 (12.12.1898)
Date
1898-12-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1843 Amte dcs Hofpredigers in Bezug auf seine agitatorische Thätigkeit auch von allen bisherigen Schranken befreit. Der in der Verlegung des „Volk" nach Siegen liegende difimtive Verzicht ans eine weitere agitatorische Wirkung in Berlin liefert den Beweis, daß der starke Einfluß, dessen sich Stöcker früher in Berlin erfreute, kemeswegs allein ans seine Person und seine Beredsamkeit sich gründete, sondern daß dabei andere Momente mitwielten, welche wegftelen, als e: persona minus grata bei Hose tonne. Jetzt ist von oll' der Herrlichkeit nur noch das Nerchstagsmandat übrig geblieben und auch oieses ist keineswegs ganz gesichert, denn, wie aus Siegen berichtet wird, hoffen die Rationalliberalen, die Giltigkeit der Slöcker'schen Wahl mit Erfolg ansechten und bei einer in Folge oer K.iss ition nöthigen Neuwahl Herrn Stöcker verdrängen zu können. Dieser Gefahr soll offenbar durch die Verlegung des „Volk" nach Siegen und durch Konzentration der polnischen Thäugkeit aus diesen Wahlkreis möglichst vorgebeugt werden." O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Z. Prag, 8. Dez. (Wolf und Gniewosz.) Einer der Beweggründe des cechischen Mob zu den in Prag stattgehabteu Straßendemonstrationen soll auch die Freude der Juden über den Sieg des Abg. Wolf im Duelle mit dein polnischen Abgeordneten Ritter von Gniewosz gewesen sein. Was doch alles die brutale Phantasie imstande ist! Die Juden, welche weder für Wolf, der seinen Antisemitismus zu öfteren Malen bethätigt hat, noch für die Polen zu schwärmen Ursache haben, bewahren bei Allem und Jedem für das ihnen erwiesene Gute unter allen Umständen ein gutes Gedächtnis. Es wird darum kein Jude das Auftreten des Abg. Gniewosz in der im Jahre 1890 in der Generaldebatte über das Gesetz betreffend die Siegelung der äußern Rechtsverhältnisse der jüdischen Religionsgenossenschaft gegen die Antisemiten so leicht vergessen. Er sagte damals in seiner Rede unter AnderenIst Ihnen nicht die Elternliebe, die Kindesliebe unter den Juden bekannt, ist Ihnen nicht ihre große Opferwilligkeit für die Kranken und Elenden bekannt? Und meine Herren, gehen Sie des Nachts in ein Stäbchen in Galizien, Sie werden arme Gestalten hernmschlcichen sehen, die trotz Regen und Frost in Hausfluren sich zusammeuhäufen; und wissen Sie, was für Leute das sind? sie sind so arm, in ihren Wohnungen zusammengedrängt, daß sie abwechselnd das Bett beziehen und nach Stunden im Schlafe abwechseln müssen. Und das nennen Sie Wohlstand! Scheu Sie, wie sich diese Leute erhalten. Ein schwarzes Brot und Zwiebeln sind oft ihre einzigen Lebensmittel; ja, meine Herren, auch diese Leute leiden unter den Verhältnissen, und wenn Sie als Christen auftreten und Nächstenliebe im Munde führen, dann denken Sie auch an alle Jene, die in Noth sind! Wenn Sie aber das nicht thun, dann sagen Sie nicht, daß Sie Christen sind, dann sagen Sie nicht, daß Sie Germanen sind. Wenn Sie die arischen Grundsätze im Munde führen: „Nächstenliebe, Brüderlichkeit und ein gleiches Recht für alle Menschen" — und wie ist Ihr Benehmen? Das sind nur Worte aber nicht Thaten, die Sie versuchen mochten, die Sie aber wegen des Strafgesetzes nicht ausführen können. Sind das Zeichen der Nächstenliebe, der Duldung, ist das Erfüllung der Pflichten der Humanität? Und Sie wollen sagen, es sei Ihnen Ernst mit der ethischen Aufgabe, die Sie sich gestellt zu haben vorgeben? Nein, das Gegentheil ist der Fall, es sind ganz andere Gründe dahinter und Ihre Flagge, unter der Sie kämpfen, ist nicht rein, man sieht das aus allem was Sie thun; sie kann nicht rein sein, denn jeder urtheilt so von dem andern, wie er cs selbst ist." Ein Mann, der für die Juden so offenkundig und warm eingetreten ist, kann bestimmt auf das Bedauern rechnen, das ihm ob des blutigen Ausgangs seitens der Juden entgegengebracht wird. Uebrigens könnte so Mancher, um mehr religiöse Duldsamkeit und weniger Feindseligkeit gegen die Juden üben zu lernen, zu Herrn v. Gniewosz füglich in die Schule gehen. Rieste. In Waitzen, in nächster Nähe der ungarischen Metropole, wurde am rrw «n v m» eine neue neu isc eingeweiht, welche ein dortiger angesehener Bürger und Stadtrepräsentant Herr Moritz Abel es anfertigen ließ uub auch mit prachtvollem, kostbaren Schmucke von Gold und Silber versah. Am Abend nach niirn lud Herr Moritz Abeles alle Festgäste iu sein Haus zu rrba mwo. Schmackhafte Speisen, gute Getränke, inhaltreiche Thora- Worte, fromme und lustige Gesänge erheiterten die Gäste, und als man pwn 11212 verrichtete, war die Mitternacht stunde schon vorüber. Den Neigen der rni-Vorträge cröffncte der rühmlichst bekannte Oberrabbiner Herr Silberstein. Seinem Beispiele folgend ließen sich vernehmen die Söhne des nen bvz die Herren Jenö, Sigmund und Josef Abeles, Herr Oberkantor Braun, Herr Salomon Herzfeld, Herr D. Katzburg, Herr Wolf Pollak aus der Preßburger n-ir und andere, die alle mit lautem Beifalle belohnt wurden. Um das Bild nicht unvollständig zu geben, sei erwähnt, daß auch Schreiber dieser Zeilen sich nicht entziehen konnte ein nnn 121 zu sagen. Als man sich entfernte trug man das unvergeßliche, erhebende Bewußtsein mit sich, eine echte und rechte rrsc irrye mitgemacht zu haben, und unwillkürlich drängte sich der Wunsch auf die Lippen:!iuiL"2 im irrer Jakob Benedikt.

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