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Der Israelit · 1898-12-12 · Heft 98 (12.12.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 98 (12.12.1898)
Date
1898-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1S38 Minuten direkter Unterricht in jeder dieser Disziplinen wöchentlich auf jede Stufe der einklassischen Volksschule kommt. Und mögen wir die verschiedenen Zweige auch noch soviel konzentrieren, und die einzelnen Stufen noch so oft miteinander verbinden, mögen wir auch den häuslichen Fleiß unserer Kinder Noch so sehr in Anspruch nehmen, die Zeit reicht zum richtigen Betrieb des Retigionsunterrichtes nicht aus. Darin sind uns nun die Elsässer vor. Außer den staatlich festgesetzten fünf Stunden sind im Elsaß von Seiten des vielverschrieenen Consistoriums noch fünf andere jüdische Stunden eingerichtet. Die ersteren fünf dienen dort gewöhnlich dem deutschen Theil des Religionsunterrichtes, der Bibl. Geschichte und der Religionslehre. Sie fallen wie überall in die eigentliche Unterrichtszeit hinein, im Elsaß in die Zeit von 8—11 Uhr. Die andern fünf, mehr dem speziell Jüdischen gewidmeten Stunden, liegen zwischen 11 und 12 Uhr. Da Donnerstag und Samstag dort schulfreie Tage sind, so hat der israelitische Lehrer an den übrigen Tagen sieben Stunden, in Preußen dagegen nur 51/* Stunden zu unterrichten. Für diese besondere jüdische Stunde erhält der Lehrer aber auch selbstverständlich besondere Vergütung und zwar je nach der pekuniären Lage der Gemeinde und nach der Schülerzahl 300—600 Mk., was die elsässische Gemeinde um so leichter aufzubringen vermag, da alle Elementarschulen staatlich sind. Nun werden zwar die elsässischen Kollegen jedenfalls mehr um die Mark als um die Stunden beneidet werden. Nichtsdestoweniger wird es sicher auch Lehrer geben, die mit mir den Mißstand im Religionsunterricht beklagen, der sich für uns aus der geringen Anzahl von Stunden ergiebt. E . . . . Samuel. Pinne, (Posen), 4. Dez. Gestern starb plötzlich der königliche Kreiswundarzt Dr. Peyser Hierselbst im besten Mannesalter infolge eines Herzschlages. Durch das Hinscheiden dieses Mannes erleidet die Stadt Pinne den Verlust eines ihrer beliebtesten Bürger und die jüdische Gemeinde eines ihrer besten Mitglieder. Annährend 25 Jahre hat der Verstorbene hier als praktischer Arzt sowie seit vielen Jahren auch als Armenarzt gewirkt. Er war in des Wortes weitester Bedeutung ein Helfer der Armen, denen er gar oft neben seinem ärztlichen Rath auch thatkräftige Hilfe zu Theil werden ließ. Frankreich. Paris, 8. Dez. Die Mitglieder des israelitischen Centralkonsistoriums wurden gestern Abend von dem Ministerpräsidenten Dupuy empfangen und legten ihm dieBesorgniß vor, die ihnen die Lage der Israeliten in Algerien, besonders in der Stadt Algier und deren Umgebung schafft. Dupuy erinnerte daran, daß das gegenwärtige Kabinet die Lage in Algerien bereits in Verwirrung vorgefunden habe. Der Ministerpräsident sicherte den Israeliten die Wachsamkeit der Regierung und den Willen zu, allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession Ordnung, Gewissensfreiheit und Achtung vor Leben und Gut zu garantiren. Der Generalgouverneur von Algier sei von den gleichen Gefühlen durchdrungen. Er werde, gestützt von der Regierung, nicht zögern, die Rechte, die ihm das Gesetz verleihe, anzuwenden, wenn es die Umstände erfordern. Die Mitglieder des Konsistoriums dankten dem Ministerpräsidenten für die gegebenen Zusicherungen. Schweiz. Basel, 9. Dez. In einer Zeit, wo die Berichte über „Vereinsthätigkeit", „Bunde" zc. eine wahre Hochfluth in der Berichterstattung der Publicistik bedeuten, ist es wohl etwas anmaßend und scheint es nur der Modesucht genügen zu wollen, wieder einen Bericht hierüber zu erstatten. Es handelt sich aber hier um eine Vereinigung, die ohne all die Aeußerlichkeiten, ohne Statuten und Jahresbericht dem ewigen Born unseres religiösen Lebens entspringen, danach angethan ist, dem höchsten Ideale des Judenthums nahezukommen. Seit zwei Jahren haben die gesetzesbefliffenen Rabbiner in Elsaß auf Anregung des Herrn Dr. Cohn—Basel regelmäßige Zusammenkünfte in Colmar, wo über ein früher angekündigtes Thema aus dem Talmud — eine — '"vv — referirt und discutirt wird. Am 6. d. M. hielt Dr. Cohn—Basel ein Referat über „nxm -oxi snbc T»n *5" an das sich eine geistreiche pilpulistische Diskussion der Anwesenden schloß. Redner hat in seiner abgerundeten Darstellung das Gesammtmaterial in übersichtlichen Typen vorgetragen. Er berichtete über Talmud, duhmp und verbreitete sich besonders über die Responsenliteratur. Die Disposition war den Hauptmerkmalen, unter denen genannter Satz in der Halacha in Betracht kommt, abgefaßt und hat es der gelehrte Talmudist verstanden, den reichen Stoff gehörig zu gruppiren und die halachischen Consequenzen, wie sie im Schulchan-Aruch vorliegen, aus den Differenzen im Talmud und opwe zu entwickeln. Offen gebliebene, oft schwierige Fragen hat er aus dem Material durch logische Schlüffe zu lösen verstanden. Bei jedem Punkte nahmen die Besucher den Faden zum Ideenaustausch freudigst auf, wobei vieles Wissen wieder geweckt, neue Anregung geschaffen wurde. Die Auseinandersetzungen währten von 2—6 Uhr. Es ist diese Idee durch temporäre Zusammenkünfte, das positive Talmudstudium zu beleben, nicht hoch genug anzuschlagen. Es wird hierbei mittel- und unmittelbar viel Gutes zu erwarten sein. Dr. Cohn hat hierdurch gezeigt, daß er ein

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