Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1898)
- Date
- 1898-12-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1836 sührung der Knaben durch dasselbe in die unvocalisirte Quadrat- und Raschischrift ist dieser Unterrichisgegenstand auch aus einem anderen Grunde von außerordentlicher Wichtigkeit. Die Pflichten der jüdischen Frau sind bekanntlich von dem berühmten Würzburger d'D 21 in jüdifchdeuscher Schrift veröffentlicht und bereits in 6. Auflage erschienen. Einer Veröffentlichung dieser zweckdienlichen Schrift in deutscher Schrift steht man vielerseits aus verschiedenen Gründen nicht sympatisch gegenüber, u. a. auch deßhalb, weil der große Berfaffer sich, trotz des zu seinen Lebzeiten schon sich geltend machenden EinwandeS, daß die jüdischdeutche Schrift der allgemeinen Verbreitung des spp' 7>'2d .ttbk hinderlich fei, sich gegen eine Ausgabe in deutscher Schrift aussprach. Die Schwierigkeit, welche die jüdischdeutsche Schrift de» Merkchens Hervorrust, kann und muß beseitigt werden durch die Schule. Sie muß Sorge dafür tragen, daß der Heranwachsende Knabe, sowohl als da» Heranwachsende Mädchen volle Fertigkeit in dem Lesen jüdisch-deutscher — nameutlich Quadrat-Schrift erlange. Man hat nun bisher geltend gemacht, daß es an einem geeigneten Lehrbuch hierfür fehle. Diesem Mangel hilft jedoch das erwähnte vor Jahresfrist erschienene Schulbuch „Sprüche der Väter" des Herrn Dr. Bamberger ab. Wenn dasselbe auch für die Volksschule an manchen Stellen vielleicht etwas zu ausführlich, so ist eben von dem Schüler nicht zu verlangen, daß er alle Erklärungen merke. Durch die allgemeine Einführung diese» Buches als Lehrbuch würde das Lesen des Jüdisch-deutschen Gemeingut der Heranwachsenden Generation und hierdurch der Hauptzweck erreicht werden, daß man sich die Beledrung über die hochheiligen Pfl'chten von n-12 npHm rhr, aus dem geeigneten jüd.-deutschen n-nvx zpy verschaffen könne. P. Hamburg, 9. Dez. Der Israelitische Krankenverein von 1667 hielt vor einigen Tagen in Feldmeyer's Clubhaus eine außerordentliche Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn L. Bielefeld ab. Der einzige Punkt der Tagesordnung lautete: „Berathung des neuen Statutenentwurfs." Vor Eintritt in die Tagesordnung theilte der Vorsitzende mit, daß laut Gesetz vom 15. Juni 1898, betreffend die Sterbekaffen, sämmtliche hiesigen Krankenvereine, die bisher der Todtenladendeputation unterstanden, vom 1. Januar 1699 ab, der Behörde für Krankenversicherung unterstellt würden und demgemäß ihre Statuten den gesetzlichen Anforderungen einer eingeschriebenen Hilfskaffe, namentlich in Bezug auf Reservefonds u. s. w. anpaffen müßten. Das neue Statut, das von einer Fünfer-Commission vorher durchberathen war, wurde mit einigen unwesentlichen Aenderungen angenommen. Es ist daraus besonders hervorzuheben, daß vom 1. Januar an den Mitgliedern auch ein tägliches Krankengeld von 4 M. in solchen Fällen gewährt werden soll, wo das Mitglied mindestens auf drei Tage seinen Geschäften nicht nachgehen kann. Bisher wurde nur Krankengeld gewährt, wenn die Krankheit mindestens eine Woche dauerte. Breslau, 3. Dez. Der Verein „Machsike Thora", dessen Ziele und Bestrebungen in den hicsigen Kreisen weit mehr Anklang und Verbreitung finden sollten, hftte heute wieder einmal einen Ehrentag. Herr Rabbiner Dr. F. Rosenthal halte einen Vortrag zugesagt. Nachdem in dem überaus gefüllten Audito.ium (Gemeindeschule, Wallstraße, Zimmer Nr. 4) der um den Verein hochverdiente Herr Neligionslehrer E. Pinczower seine übliche Vorlesung — fortlaufende Pentateucherklärung nach Rascht — in seiner begeisternden Weise beendet, bestieg Herr Dr. Rosenthal den Katheder und sprach über die in dem heutigen Thoraabschnilt enthaltene Erzählung vom Kampfe Jakobs mit dem Engel vor seinem Zusammentreffen mit seinem Bruder Esau. Redner führte in geistreich intereffanter Weise aus, wie Jakob, der nun einmal — nomen est omen — nicht in all seinem Thun und Handeln unsere völlige Sympathie fnden kann, da sein Verhalten gegen Esau und auch gegen Laban wohl korrekt, aber darum, wie unsere Weisen selbst eingesiehen, nicht völlig einwandfrei ist, wie Jacob sich erst allmählich zur Vollkommenheit durchgerungen; sein Kampf mit dem Engel bedeutet eine letzte Prüfung, bildet die letzte Stufe in Jacob's Charaklerentwickelung: Jacob blieb Sieger, Jisroel sollte fortan sein Name sein. Daran anknüpfend, ließ sich der Vortragende über den Unterschied im Namen „Jacob" gegenüber „Jisroel" aus, führte an, wie in einer historisch allerdings nicht festgeftellten Zeit sich die Juden in 2pr ^2 und 'Z2 schieden. „Jacob" bedeutet das Judenthum mehr nach seiner Abstammung, nach seiner nationalen Seite, „Jisroel" betont die ideale Seite, die Ziele und Aufgaben des Judenthums. Jedes Volk hat in der Welt eine Mission zu vollbringen, das Volk Israel soll den Gottcsgedanken in seiner reinen, ungetrübten Form erhalten und verbreiten. Dabei soll seine Abstammung, seine nationale Bedeutung, in den Hintergrund treten; seine äußere Erscheinung, sein Auftreten mag vielleicht unter dem edlen, idealen Streben leiden: „verrenkt wurde der Ballen an der Hüfte Jacob's als er mit dem Engel rang". Die schon vorgerückte Zeit verhinderte den Redner, den Gedanken von den wahren Aufgaben des Judenthums an der Hand dieser Erzählung weiter auszuspinnen und, wie so naheliegend, aus die jüdisch-nationalen Bestrebungen unserer Zeit auszu- 1 dehnen. Doch erscheint es gerade in der jetzigen! Zeit, wo schon überall das Feldgeschrei „Zionismus"