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Der Israelit · 1898-12-12 · Heft 98 (12.12.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 98 (12.12.1898)
Date
1898-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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im M gefährden. Mit der Unterdrückung der Gewissensfreiheit würde gleichzeitig die in. dem jüngsten „Gemeindetag" des „Gemeindebundes" von einem Redner so sehr beklagte Autonomie der Gemeinden, wie in Frankreich und andern Ländern, ihr Ende finden und eine Aera hierarchischer Machtbestrebungen beginnen. Wenn meine Abhandlung weiter nichts bewirken wird, als daß alle vorurth eilslose, und insbesondere die gesetzestreuen Juden dem Treiben des „Gemeindebundes" ein aufmerksames und wachsames Auge widmen und bei herannahender Gefahr, eng aneinander geschlossen, zur kräftigen Abwehr sich rüsten, dann hat sie vollständig ihren Zweck erreicht. Zeitungsnachrichten nnd Correfpan-enzen. Frankfurt a. M, 8. Dez. Vor einem äußerst zahlreichen Publikum hielt Herr Dr. Jsaac Heinemann vorigen Montag im Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen formvollendeten und gedankenreichen Vortrag über Uriel Acosta. Der Redner verwies den durch die neuere Dichtung mit dem Glorienschein des Märtyrers umgebenen portugiesischen Marrannen auf den ihm gebührenden geschichtlichen Standpunkt eines schwankenden Charakters von wenig Bedeutung und unternahm es die Ursachen und Folgen des von den Amsterdamer Rabbinen über ihn verhängten Bannes eingehend zu beleuchten. Hier sei bemerkt, daß, entgegen der Auffassung des Vortragenden, durch nichts bewiesen ist, daß die Rabbinen den Bann nicht gesetzmäßig behandelt, geschweige denn das betr. Sündenbekenntniß einem andern Cultus entlehnt hätten. Auf das Gutzkow'sche Trauerspiel übergehend, schilderte der Redner die Verschiedenartigkeit der handelnden Personen des Stückes in ihren Anschauungen und Gesinnungen über Judenthum und rühmte den Silva als uns besonders sympathisch wegen seiner Duldung und Milde, indem er ihn als den wahrhaften Juden charakterisirte. Auch dieser Theil des Vortrags bietet dem Unbefangenen, welcher zu einem umgekehrten Schluß über die Figur des Silva kommen muß, zu einer Berichtigung Anlaß. Die von Silva unter die Schrift Acoftas gesetzten Worte: „Er ist kein Jude" ist man versucht auf ihn selbst anzuwenden! Man lese erster Aufz. II. Auftr. die Worte Silva's: „Und wenn mein eigner Witz, wenn die Vernunft mit klugem Selbstgefallen mir sagte: „das ist morsch und tobt," so helfe der Ewige uns, wir wollens dennoch schützen, wir wollen halten an dem theuren Wahn, wie man auch einen alten Diener, der uns im Elend treu blieb, nicht im Glück verstößt." Ferner zweiter Aufz., V. Auftr. wo Silva von Acofta's Werk spricht: „Und gerne hätt' ich manches in die Thora, in unfern Talmud eingezeichnet, was bei vielem Falschen, vielem Unbewiesenen ich Tiefgedachtes doch zu lesen fand." Dann dritter Aufz., IV. Auftr.„Ist das einmal dem Geiste aufgegangen, so werde ich wohl nicht gegen das, was zwar im Glauben unserer Väter schon bestand, was lausend Jahre fest bestand, den Witz der eigenen Vernunft so sehr verachten, daß ich nicht sagte: Es kan n Jrrthum sein. Doch tausend Jahre dauert dieser Jrrthum, hat zehnmal Taufend über Lebensschmerzen und Millionen übers Grab geleitet.... Und dann noch am Schluß des Werkes: „Glaubt was ihr glaubt! Nur überzeugungsrein! Nicht was wir meinen siegt, de Samos! Nein! Wie wir es meinen, das nur überwindet." Diese Auszüge, die wir etwas ausführlich zu bringen genöthigt waren, beweisen zur Genüge, daß der jüdische Standpunkt Silvas dem des überlieferten Judenthums, den auch der Redner und wohl auch der größere Theil des Auditoriums stets vertreten, diametral entgegen gesetzt ist und es scheint uns Pflicht, nachdem diese Anschauungen vor einem größeren Kreise dargelegt wurden, auch diese Berichtigung der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Herr Dr. Heinemann, der trotz seiner Jugend, durch seltene Geistesgaben und überraschendes Rednertalent sein Publikum stets zu fesseln versteht, hat sich wohl durch sein die Welt mit Liebe umfassendes, noch so warm schlagendes Herz verleiten lassen, oben angeführte Stellen, wo die sog. Toleranz, selbst, wo sie den Abfall vom überlieferten Heiligthume beschönigt, Triumpfe feiert, nicht mit der Gründlichkeit zu studiren, wie sie ein so heikles Thema erfordert. Er wäre sonst sicherlich zu derjenigen Auffassung der Person des Silva gekommen, wie alle Gesetzestreuen sie haben: „Er war kein Jude!" '"'t. Darmstadt, 8. Dez. Im Anschluß an das Protokoll der Leserversammlung zu Emden, in welcher das Schulbuch „Sprüche der Väter", herausgegeben von Dr. B am der ge r—Schrimm warm empfohlen wurde, ersuche ich Sie, geehrter Herr Redakteur, folgende Anregung muh in Ihrem hochgesch. Blatte veröffentlichen zu wollen. Dem Unterricht im Lesen des Jüdisch-Deutschen wurde in früheren Zeiten allgemeine Aufmerksamkeit zugewendet. Selbst Gebetbuch uno Pentateuch wurden in jüdisch-deutscher Lmear-Uebecietzuag gedruckt, um mit diesen wichtigen Unterrichtsgegenständen das Ueben des Jüdischveulschen zu verbinden. Wenn der Nutzen einer solchen Verbindung nun auch fraglich und heute fast überall deutsche Uebersetzungen eingeführt sind, so ist es doch sehr zu bedauern, daß das Lesen des Jüdifchdeutschen vernachlässtgl wird oder gar unterbleibt. Abgesehen von der leichteren Ein-

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