Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1898)
- Date
- 1898-12-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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\ ^7;-7 v? '’^.l 1827 sehen, linb ineine Söhne werden dabei sein, wenn vie deutsche Einheit gekrönt, die deutsche Treue belohnt wird. Heil ihnen! Dreimal Heil!" Die Kinder blickten ihren Vater, die Frau ihren Mann erstaunt an. Er stand geschlossenen Augs da, das Antlitz geröthet und von prophetischem Geiste beseelt. „Und werden wir unsere Kinder Wiedersehen? Werden sie heimkehren ans dem schrecklichen Krieg?" „Sie werden wiederkehren, als Sieger heimkehren, geschmückt mit dem Zeichen der Topserkeit, gefeiert und geehrt von Allem. —" Der alte Mann hätte vielleicht noch weiter gesprochen, aber es erscholl ein Gesang vor dem Hause und kräftige Männerstimmen riefen die Namen der Söhne des allen Ehepaares. Erschrocken trat die Mutier an das Fenster. War es schon so weit? War die Stunde des Abschieds schon gekommen? Leise öffnete sie den Fensterflügel. „Beb Vaterland, magst ruhig sein, Fest steht und treu die Wacht am Rhein '" Aus hundert Kehlen gesungen drangen diese in das Zimmer und wirkten wie überall begeisternd. Der junge Vater verbiß den Schmerz und nahm Abschied von Weib und Kind, von Vater und Mutter. Vor der Thür mischte er sich die Thränen aus dem Barte und trat Arm in Arm mit dem Bruder zu den Kameraden, die draußen seiner harrten. „Hurrah, Hnrrah, hoch die Familie Kalmes Mit diesem Rufe wurden die Brüder empfangen und von den Kameraden umringt. Dann zogen die Einberufenen weiter. Manch thränendes Männerantlitz schloß sich ihnen an. Wohl schmerzte der Abschied, aber der Schmerz wurde durch die Begeisterung verdrängt, mit der ganz Deutschland zu den Fahnen eilte, mit das Vaterland gegen den Erbfeind zu schützen. „Iemorcchcho ad. wejischmerecho, joer ad. ponos elecho wichunekko, jiffo ad. ponos elecho wejosem lecho scholaum." Diese Worte, mit denen die Priester Israels das Volk segnen, ries Aron seinen Söhnen und deren Kaineraden nach und zitternd wiederholte sie die alte Mutter, während dar junge Weib stille vor sich hinweinte. Wie ein Alp lag es in den nächsten Tagen auf der Familie Arons. Niemand wußte, wohin die Söhne dirigirt worden waren und mit Angst und Zagen erwartete man die erste Nachricht. Aron, den fein Geschäft mit hohen und einflußreichen Personen zusammenbrachte, erfuhr endlich, oaß das Regiment, bei welchem Gabriel, sein Aeltester stand, der Armee des Kronvriuzen Friedrich Wilhelm von Preußen zugetheilt war, während dasjenige, in welchem fein zweiter Sohn Richard diente, sofort nach der Grenze abmaschirt war und schon am folgenden Tage im Gefecht sein konnte. Er sagte seinen Damen nichts davon, aber er ging sofort zur Post und abonnirte auf eine größere politische Zülung, um möglichst rasch die Nachrichten vom Kriegsschauplätze zu erfahren. Wie sehnsüchtig er aus diese Nachricht wartete, das kann nur der erfassen, der in gleicher Lage jene glorreichen Tage miterlebt hat. Und diese Nachrichten blieben aus! Weder Gabriel noch Richard ließ etwas von sich hören! Aron suchte seine Frau und diese wieder ihre Schwiegertochter zu trösten. Und worin bestand der ganze Trost? An jedem Abend sagte man sich, wenn der verflossene Tag keine Nachricht gebracht hatte: „Vielleicht morgen! Vielleicht morgen!" Wie manches bang zagende Herz mußte sich damit trösten! Und wie oft kam dieser Trost in angstvoll durchwachter Nacht über die bebenden Lippen. „Vielleicht morgen!" Die ehernen Kriegswürfel waren zum ersten Male gefallen und hatten zu Gunsten Deutschlands entschieden. Wie eine Erlösung kam es über alle bang zagenden Gemüther, als der Telegraph die ersten Siege der Deutschen meldete, und man eilte in die Gotteshäuser, um Gott zu danken und den ferneren Segen des Himmels für die deutschen Waffen zu erflehen. Man dachte nicht an die aus deutscher Seite Gefallenen. Der Siegesjubel übertönte den Schmerzensschrei der Angehörigen derer, die den Sieg mit ihrem Leben zahlen mußten. Es war Sabbat. Fn Arons Familie rüstete inan sich zu dem Feste des folgenden Tages, an welchein der kleine Weltbürger in den Bund Abrahams aufgenominen werden sollte. Wie froh wird sonst ein solches Fest gefeiert! Wie glücklich gehen die Angehörigen im Hause umher und sorgen, daß den Gästen auch nichts fehle! Und heute! Gäste waren nicht erschienen, da das Städtchen so nahe an der Grenze lag, der Vater war im Kriege, wer wußte ob er noch lebte und die Mutter des Knaben wollte fast vergehen vor Wehmuth und Schmerz. Aron allein blieb fest und sagte: „Wenn mein Sohn nicht da ist, werde ich meinen Enkel dem Bunde des Herrn zuführen und Gott wird den Vater dieses Knaben schützen, denn bevomajich chaji; durch Dein Blut wirst Du leben." „Hoffst Du denn, daß Gabriel zu dem Brith kommt?" fragte die Mutter ungläubig. „Er wird kommen," sagte Aron bestimmt, „wenn auch nur aus einen Augenblick." Staunend sahen sich die Frauen an. Hatte der tiefe Schmerz den Geist des Vaters verwirrt? Hatte ec Visionen? Aengstlich blickten sie Aron an, der in seinem Gebetbuche blätternd die Semiraus schel