Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1898)
- Date
- 1898-12-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1826 eiterstückchen Aus Erinnerung aus dem! dem litterarischen Nachlaß von kriege vor 25 H. Berger. Ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit. Die Personen, die in unserer Erzählung handelnd auf- Ireten, sind theils nicht mehr am Leben, theilS haben sie das Vaterland verlasien, theils leben sie noch in den Verhältnissen, in denen sie vor 25 Jahren sich befanden. In denselben Verhältnissen? Nein. Blut und Eisen, dieser fürchterliche Kilt, hat die Verhältnisse umgestaltet und aus dem, aus vielen Stücken bestehenren deutschen Bund, ein deutsches Reich geschaffen, den ParlikulariSmus aus Deutschland hinausgejagl und die Worte des Dichterfürsten Schiller zur Wahrheit werden lassen: Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern Der Enthusiasmus, mit welchem Jung-Deutschland diesen Worten in jener Zeit zugejubelt, ist verraucht, die Ernüchterung ist eingetreten und viele, welche in jener Zeit begeisterte, junge Deutsche waren, sind heute, nach fünfundzwanzig Jahren, trotz ihres vorgeschrittenen Alters, doch nur „Deutsche Jungen" geblieben. Wer hätte so etwas für möglich gehalten! Ja, die Verhältnisse haben sich geändert, ob zum Besseren? Wir wollen Optimist sein und es — hoffen. Es war am 21. Juli löTO. Der Krieg war seit acht Tagen erklärt und wie durch Zauberei stand ein deutsches Heer innerhalb kurzer Zeit schlachlfertig an der Westgrenze unseres Vaterlandes, um den frevelhaft vom Zaune gebrochenen Krieg in das feindliche Land zu tragen. Allüberall ertönte die Wacht am Rhein aus begeisterten Kehlen und trotzdem der Abschied von der Heimath schmerzte, trotzdem Vater und Mutter weinten, trotzdem den jungen Leuten fast das Herz brach, eilten sie freudig zu den Fahnen, alle Rücksichten bei Seite lassend, einzig und allein dem Ziele zustrebend, das Vaterland zu schützen. Auch in das kleine Städtchen B. waren die Gestellungsbefehle gekommen und hatten viel Weh und Herzeleid in die Familie gebracht. Söhne waren von ihren Eltern, Väter von ihren Kindern gerissen worden; hier jammerte die betagte Wittwe, um den einzigen Sohn, dort die glückliche Braut um den Bräutigam — es half nichts! Das Vaterland rief und seine Söhne gehorchten freudig diesem Rufe. Auch in die Familie der Pferdehändler- Aron Jahren. (Geschrieben 1896.) — i Nachdruck verbotenj KalmeS war die Kriegserklärung wie ein Donner - schlag gefallen, denn die beiden ältefterrSöhne hatten ihre Gestellungsordre erhalten und mußten sich von den Ihrigen trennen. Es that doppelt weh, denn der Alteste war verheirathet und sollte seine junge Frau verlassen, die ihm vor zwei Tagen — den Erstgebornen geschenkt hatte. Er konnte in Folge des Kriegs also nicht dabei sein, wenn sein Erstgeborner in den Bund Abrahams ausgenommen wurde. So stand er jetzt am Bette seiner Frau und nahm thränenden Auges Abschied von derselben. „Ach", sagte die junge Frau, „wie unglücklich bin ich! Gott hat mir einen Knaben gegeben und nimmt mir dafür meinen Mannn! Wer weiß, ob das arine Knäblein je seinen Vater sehen kann! Wer weiß, ob ich jemals wieder in Deine treuen Augen blicken, Deine liebe Stimme hören werde." „Hoffe aus Gott," sagte da die alte Mutter, ..unser aller Leben steht in Gottes Hand. Er wird unsere Kinder schätzen, daß ihnen kein Unheil widerfahre. Sieh, ich muß meine beiden Söhne hinaussenden und murre nicht. Wenn das Vaterland ruft, muß jede andere Stimme schweigen." „Wer so seinem Herzen das Schweigen gebieten könnte! Ist es nicht schlimm, den Mann entbehren zu müssen, zu einer Zeit, da er sein größtes Gut, sein Kind, dem Judenthum heiligen will?" „Gewiß ist es schlimm," erwiderte der Vater des jungen Mannes, „aber noch schlimmer würde es werden, wenn die französischen Heere siegen und den Krieg nach Deutschland tragen würden. Die französische Kriegsführung ist in Deutschland noch unvergessen. Gott wird uns schützen, sie wiederum im eigenen Lande kennen zu lernen. Dein Sohn, unser erster Enkel, wird darum doch in den heiligen GotteSbund ausgenommen und er wird einst stolz sein, seinen Vater unter die Tapferen zählen zu dürfen, denen es vergönnt war, das Vaterland vertheidigen, sein Weib und Kind vor den feindlichen Horden schützen zu dürfen, denn" — hier schwoll seine Stimme an und im prophetischem Tone fuhr er fort — „ich sehe es vor mir, Deutschland wird siegen! Metz und Straßburg werden lange widerstehen, aber endlich dem angestammten Vaterlande wieder zufallen und den greisen Held, Deutschlands Kaiser einziehen