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Der Israelit · 1898-12-08 · Heft 97 (8.12.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 97 (8.12.1898)
Date
1898-12-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1818 Im Großen und O-anzcn genossen die Jude» auch unter der Herrschaft des Eoncordals den gnädigen Schutz Sr. Majestät und wurden die bereits erworbenen Rechte nicht geundsätzlich geschmälert. Auch die Sistirung der Verfassung durch Belcredi am 20. Septer 1865 blieb ohne reactionären Einfluß auf die politische Stellung der Juden in der Monarchie. Wir beschränken uns in vorliegender Skizze auf die hervorragendsten Punkte der österreichischen VerfaffungSgefchichte, wollen aber nicht unterlassen, eine Stelle aus dem kaiferl. Refcripte zu erwähnen, mit welchem die Adresse des ungarischen Abgeordnetenhauses am 3. März 1865 beantwortet wurde: „Mit Vergnügen haben Wir die Zusicherung entgegengenommen, daß die versammelten Stände nnd Vertreter hinsichtlich aller Classen der Bevölkerung ohne Unterschied der Religion und der Sprache stets die Grundsätze der Gerechtigkeit und Billigkeit zur Richtschnur nehmen werden." Gelegentlich der Eröffnung des Landtages in Pesth im Dezember 1865 wurden Oberrabbiner Dr. Meisels und Oberrabbiner Dr. Hirsch zur Hoftafel zugezogen. Der Krieg des Jahres 1866 gab den Juden in allen Ländern Oesterreichs Gelegenheit, ihren Patriotismus zu bezeugen und zahlreiche Auszeichnungen und Beförderungen jüdischer Soldaten und Offiziere wegen heldenmüthiger Tapferkeit vor dem Feinde, bildeten den kaiserlichen Dank. Ein unglückseliger Gedanke Belcredi's von den Eultusgemeinden Wien, Lemberg, Pesth und Prag die Stellung je eines jüdischen Bataillons zu sechs Compagnien zu fordern, wurde schnell fallen gelassen. Hingegen wurde in der Person Josef Szanto'S der erste jüdische Feldprediger ernannt. So beklagenswertst der Krieg gegen Preußen im Jahre 1866 auch in politischer Beziehung gewesen sein mochte, so segensreich gestaltete sich die Lage in freiheitlicher Richtung. Das Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 und das interconfessionelle Gesetz vom 25. Mai 1868 bilden für die Juden Oesterreichs die magna Charta ihrer vollen Gleichberechtigung und die leider in den letzten Jahren geübten Beschränkungen, halten wir schon deßhalb für vorübergehend, weil sie eben contra Ic«-cm sind. In diesen Zeitraum gehören drei große Schöpfungen kaiserlicher Gnade zu Gunsten der Juden, die Ueberweisung eines großen Fondes an die böhmische Landesjudenschaft zur Errichtung von Seminarien und Waisenhäusern, die Ueberweisung des mährischen Landesmaffenfondes zur Unterstützung kleiner nothteidender Gemeinden und die Ueberweisung des sogenannten Krupkafondes in Galizien für jüdische Lehr- und Unterrichtszwecke. Der gewaltigste Fortschritt im Geiste der Freiheit und der Gleichberechtigung aber, ist auf dem Gebiete der Schule und des öffentlichen Unterrichtes zu verzeichnen. Obwohl der Staat von der Volksschule bis zur Universität das alleinige Recht der Verwaltung uub Beaufsichtigung übernahm und damit jede einseitige kirchliche Beeinflussung aufhob, sorgte er für den Religionsunterricht aller Bekenntnisse doch in ausgiebigster Weise. Das österreichische Volksschulgesetz in seiner ursprünglichen Gestalt gehört zu den besten Codificationen aller Länder. Wir können hier nicht auf Einzelheiten eingehen und wollen nur bemerken, daß selbst in der bekannten traurigen Bewegung, welche die Gegenwart verunziert, die Zahl der an öffentlichen Schulen, Gymnasien und Universitäten angeftellter jüdischer Lehrer und Professoren von keinem anderen Staate übertroffen wird. Die Erhebung zahlreicher verdienstvoller Juden in den Adelsstand durch Sr. Majestät den Kaiser gibt einen glänzenden Beweis seiner Huld und Gerechtigkeit. Der Maler Horowitz und der Hofschauspieler Sonnenthal erfreuen sich, trotz ihrer stets männlich bewährten Zugehörigkeit zum Judenthum, der besonderen Gnade und Werthschätzung des künstliebenden Monarchen. Unter der glorreichen Regierung unseres allergnädigsten Kaisers haben sich als Dramatiker Weltruf erworben-' Doezi, Granichstädten, Klapp, Mosenthat, als Dichter und Erzähler: Franzos, Gompert, Dux, Klein, als Componisten: Goldmark, Brüll, als Bildhauer: Spitzer, Hirschel, als Architekten Stiasnv, Fleischer, Gärtner, als Kupferstecher: Gustav Frank und viele andere hervorragende Männer aus fast allen Gebieten der Wissenschaft, des Handwerks und der Soeialpolitik. Die so lange zurückgedrängten Geisteskräfte des jüdischen Stammes in Oesterreich leisteten in verhältnißmäßig kurzer Zeit mehr, als sonst in Jahrhunderten und mit Stolz konnte man aus die überaus reichen und günstigen Resultate der Gleichberechtigung in allen Zweigen menschlicher Thätigkeit Hinweisen. Mit der Entstehung jener zumeist aus Brodneid und Eifersucht erregten Pest des Antisemitismus, fiel ein Reif auf die freudig emporschießenden Freiheitsbäume. Wir wollen weder uns, noch unseren Lesern die Jubiläumsfreude durch die Erinnerung an das schamlose Treiben jener in allen Farben, nur nicht in der der Wahrheit, schimmernden Partei trüben, um so freudiger aber müssen wir das wahrhaft edle und kaiserliche Verhalten des gefeierten Monarchen gegenüber diesen Friedensstörern und Volksverführern kennzeichnen. Es wurde sehr bald deutlich erkannt, daß die am wüthendsten sich geberdenden Judenfeinde auch der Dynastie gegenüber einen feindlichen, fast bis zum Hochverrats führenden Standpunkt einnahmen und dadurch hörte Seine Majestät nie aus, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit die Loyalität, die Treue und die Hingebung der Juden an den Thron und das Vaterland huldvoll zu betonen. Im Jahre 1885 erwiederte Se. Majestät auf die Anrede des

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