Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1898)
- Date
- 1898-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWMWWWWWWW 1815 bescheidenen Anfängen hat sie eS verstanden, dnrch thatkräf llgcs Eingreifen in das Gescliäsi ihres' um einige Jahre früher dahingegangen Gatten ihr Haus zu einenr Wohlstand zu bringen, ein Hans, in dem Frömmigkeit herrschte und das stets den Armen und Notbleidenden geöffnet war. Gott hat ihr ihre Wohlthaten und ihre Frömmigkeit vergotten. (5* hat sie reichlich gesegnet und sie Enkel und Urenkel sehen lassen. Welch eine Beliebtheit die Verblichene in unserer Stadt genas;, ravon legre das imposante Leichenbegängnis; ^eugttlü ab, an dem sich ein großes Publikum ohne Unterschied der Eonfestion trcw des ungünstigen Wetters betheiligte. Am Grabe schilderte Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Eohn in schöner Rede die Tugenden der Tahingeschiedcnen. Ihr Andenken möge stets ein gesegnetes sein n":syjn. M. Auerbach. Feuilleton. Verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. u) Von Samuel B. Rosner. Flachdruck verboten- Wohl zehnmal schon war Heinrich Glaser die Allee entlang gekommen, bis zur Fontaine, von welcher ein schnurgerader Weg bis zum Parkeingange fiihrtc, und war dann immer wieder auf eine kurze Zeit in das Gehölz zurückgekehrt, um nicht auffällig zu werden. Die sehnsüchtig Erwartete wollte sich immer noch nicht blicken lassen. Endlich tauchte sie aus, indem sie über den weiten Platz schritt, der zwischen dem Gehwege und dem öffentlichen Garten lag. Zaudernd schritt sie einher und, bevor sie das Gebiet des Parkes betrat, stand sie einen Augenblick still, mit einem scheuen, unschlüssigen Blicke sich umschauend. Im Anblicke des Parkes vergegenwärtigte sich ihr plötzlich die Bedenklichkeit der Situation. Sie erkannte erschreckend, daß sie sich selbst getäuscht hatte, indem sie sich einredete, daß dieser Spaziergang so harmlos sei, wie nur etwas auf der Welt sein könne. Im Gegentheil, voll Scham uub Reite erkannte sie jetzt auf einmal, wie unschicklich es sei, sich von einem fremden jungen Manne, und wäre es auch bei Hellem Tageslicht und im Angesicht der weitesten Oeffentlichkeit, zu einer Unterredung ohne Zeugen bestellen zu lassen, und daß es gerade dieses Unschickliche war, was bei ihrer Entscheidung den Ausschlag gegeben halte. Bestand denn nicht die Pointe der Sache darin, in Rudolf den Glauben zu erwecken, daß es sich, gerade herausgesagt, um eine heimliche Liebesbesprechung mit Glaser handle, Rudolf eifersüchtig zu machen? Ein schwerer Kampf wurde im letzten Moment in ihrem Innern wach und schon begannen die Stimmen zu überwiegen, welche ihr riethen, umzukehren und sich eilend von dem Orte zu entfernen — als Heinrich Glaser bei der Fontaine zum Vorschein kam und kaum, daß er sie wahrgenommen hatte, mit beflügelten Schritten auf sie zueilte. Es war zu spät zum Umkehren ... Langsam und zögernd, um sich so wenig wie möglich vom Parkeingange zu entfernen, ging ihm Schulamit entgegen. Mit der feurigen Lebhaftigkeit, welche ihm eigen war, streckte er ihr die Hand entgegen. „Dank, tausend Dank dafür, daß Sie gekommen sind," rief er, bei ihr angelangt, voll Begeisterung. „Ich sehe, die Stimme meines Herzens hat mich nicht belogen, ich habe mich in Ihnen nicht getäuscht. Sie sind noch immer, das himmlisch edle, engelhafte Wesen von ehedem —" Schulamit hatte seine dargereichte Hand nicht erfaßt. Sie hielt die ihre ängstlich in ihrem Musi verborgen. Sie vermochte vor Befangenheit kaum die Sprache zu finden. „Ich bitte Sie," brachte sie endlich hervor, „nicht in dieser Weise zu mir zu reden, denn Sie würden mir dadurch nur bestätigen, daß es ein schweres Unrecht von mir war, hierherzukommen und Sie könnten mich nur veranlasien, mich, so schleunig als möglich wieder zu entfernen. —" Ein Zug der Enttäuschung flog über das Gesicht Glasers. Doch ließ er es sich nicht anmerken. Er verneigte sich vor ihr, wie ein vollendeter Weltmann. „Ihr Wort soll mir Gesetz sein," sprach er, „wie schwer es mir auch fallen mag, den hervorbrechenden Flammen zu wehren. Ich will mich darauf beschränken, Ihnen mit Vermeidung aller Phrasen das zu sagen, was ich Ihnen sagen muß. Sind Sie's zufrieden?" Sie nickte fast mechanisch mit dem Kopfe. „Doch bleiben wir nicht hier auf einem Platze stehen. Sie erfrieren sich die Füße und dann könnten wir auch den Leuten auffällig werden. Kommen Sie dort jene Allee entlang —" „Wir können ja auch in der Richtung zum Ausgange gehen " Da sie, indem sie dies sagte, auch schon Kehrt machte, blieb Heinrich Glaser nichts übrig, als ihr zu folgen. „Ich darf mich über nichts beklagen," hob er, seinen Unmuth verbeißend, an, „Ihr Kommen allein schon bedeutet eine Gnade, welche mich für ewig zu Ihrem Schuldner macht. Ich will mich kurz fassen. Schnlamit, sehen Sie. ich hätte Grund, mit meiner Stellung, zu welcher ich mich durch redliche Arbeit dnrchgearbeitet habe, zufrieden zu sein. Es