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Der Israelit · 1898-12-08 · Heft 97 (8.12.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 97 (8.12.1898)
Date
1898-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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(Leider wird Herr Hauptmann Bethel, dessen Regiment unsere Garnison zum Frühjahre mit Mülheim a. d. Ruhr vertauscht, unsere Stadt demnächst verlassen.) Es freut uns nun, von dem Edelsinn und der Toleranz berichten zu können, die man auch unseren Armen gegenüber dadurch kund gethan, daß man dem Vorstande des israel. Frauenvereins den Betrag von fünfhundert Mark überwiesen hat. Gerade in heutiger Zeit, in der unsere Glaubensgenossen so manche traurige Erfahrung zu machen haben, sind solche Zeichen der Humanität um so höher anzuschlagen und geben den wohlthuenden Beweis dafür, daß in den Herzen der Besseren unseres deutschen Volkes Menschenliebe und Gerechtigkeit zu tief Wurzel geschlagen haben, als daß der Racenhaß seine häßlichen, niedrigen Ziele erreichen dürfte. Breslau, 4. Dez. Der Vorsitzende des Thierschutzvereins für Oels und Umgegend hat auf dem 22. Verbandstage schlesischer Thierschutzvereine zu Görlitz den Erlaß einer Polizeiverordnung, wonach das Blut geschachteter Thiere von der Verwendung zur Herstellung menschlicher Nahrungsmittel auezu« schließen sei, in Anregung gebracht. Begründet wird der Antrag damit, daß beim Schächten nicht nur die große Halsader und die Luftröhre, sondern auch die Speiseröhre durchschnitten werde und infolge dessen der in der Zersetzung begriffene Mageninhalt sich mehr oder weniger dem ausströmenden Blute mittheile. In den öffentlichen Schlachthäusern ist in der Regel die Verwendung des Schächtblutes zur Herstellung von Nahrungsmitteln verboten. Es ist nunmehr eine Untersuchung darüber veranlaßt, ob und wo Schächtblut zur menschlichen Nahrung verwendet wird, sowie ob eventuell ein allgemeines Verbot angezeigt erscheint. Aachen, 6. Dez. Die „Germania" schreibt: Nach dem Vorgänge der Stadt Rheydt beabsichtigt auch die hiesige Stadtverwaltung ein Srtsstatut zu erlassen, welches die Einschränkung des Schächtens von Schlachtvieh bezweckt. Von der Gesammtbevölkerung der Stadt Aachen sind ungefähr 2 pEt. jüdischen Bekenntnisses, während von dem auf dem städtischen Schlachthofe geschlachteten Vieh (ausschließlich der Schweine) 2ö—30 pEt. nach jüdischem Ritus! geschachtet werden, ein Proeentsatz, welcher in keinem Verhältnisse zu dem Bedarfe der jüdischen Bevölkerung an Fleisch steht. Bereits früher war man dieser Sache näher getreten, ohne jedoch zu einem positiven Ergebnisse gekommen zu sein. Nachdem nunmehr auch die Regierung (?) ein Vorgehen in dieser Hinsicht in Anregung gebracht hat, wird wohl bald eine bindende Vorschrift gegeben werden. Dresden, 30. Nov. Die sächsischen Antisemiten haben in Chemnitz einen Parteitag abgehalten, auf welchem der Bankrott dieser Partei in Sachsen ganz offenbar geworden ist. Herr Zimmerman selbst mußte konstatiren, daß Unmuth und Lässigkeit eingerissen ist. Er selbst ist wegen der mangelnden moralischen Unterstützung von seinem Posten als 1. Vorsitzender des Landesvereins zurückgetreten, der 2. Vorsitzende lehnte die „Verantwortung" für das Amt auch ab, sodaß ein besonderer Ausschuß zur Leitung der Geschäfte gewählt werden mußte. In der Kasse hat man bei 12 400 M. Ausgaben noch ein Defizit von 1500 M. zu verzeichnen. Eine Reihe von Vereinen sind mit den Beiträgen im Rückstände geblieben bei, Land- und Reichstagswahlen blieben die erhofften Erfolge aus, die Presse, die „deutsche Wacht" hat sich als einflußlos erwiesen. Herr Zimmermann sucht trotzdem seinen Getreuen Muth zuzusprechen. Es wurde ein Landesverband der auf dem Aussterbe-Etat stehenden antisemitischen Vereine beschlossen. Zimmermann ist nach vielem Zureden wieder Vorsitzender geworden. Die sächsischen Antisemitvereine werden noch einige Zeit lang fortwursteln. Aber ihre Sache ist dem endgültigen Verfalle geweiht. Wie stolz und ruhmredig trat diese Gesellschaft vor einigen Jahren auf die politische Bühne. Und jetzt allüberall nur Staub und Trümmer. — Aus Baden. Wir loben gern, wo etwas zu loben ist, trotz unseres „Fanatismus." Gegenwärtig werden von Karlsruhe aus sämmtlichen israelitischen Bürgern des Großherzogthums Baden die vom Herrn Stadt- und Conferenzrabbiner Dr. Appel bei dem Gottesdienste zur Eröffnung der zweiten ordentlichen Tagung der Landessynode gehaltene Predigt, sowie das Verordnungsblatt des Großh. Oberrathes der Israeliten, Jahrgang 1696 Rr. VIII, durch die Synagogenräthe zugesendet. Die Predigt aus deu Tert p7n leie -k trx „Ein Jeder helfe dem Andern, und zu seinem Bruder sage er: sei stark", basirend, ist wirklich schön, tief durchdacht unb sehr lehrreich. Sie steht auf dem Niveau der vor einigen Wochen ftattgefundenen Synode und deren Thütigkeit. Im Verordnungsblatt ist die ausführliche Verhandlung der auf die Tagesordnung gesetzten Gegenstände bei der Synode angegeben. Wir freuen uns, daß der Verlauf ein würdiger und einmüthiger war. Die Herren Rabbiner und Religionslehrer des Landes werden es der obersten Religionsbehörde Dank wissen, daß diese in Verbindung mit der Synode für die Lehrer in ihrer Arbeitsunfähigkeit und für deren Hinterbliebenen in so schöner Weise .'To gesorgt haben.

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