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Der Israelit · 1898-12-08 · Heft 97 (8.12.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 97 (8.12.1898)
Date
1898-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1811 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Frankfurt a. M-, 5. Dez. Gestern wurde, wie Ihnen bereits mitgetheilt, die Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Ackerbauer und Handwerker eröffnet. Dieselbe befindet sich im ersten Stock des ehemals Großherzoglich Hessischen Palais auf der Zeil (Nr. 46). Der Eingang im Parterre ist im maurischen Stil hergestellt, die nach oben führende Treppe mit verschiedenen Emblemen in orientalischem Geschmack ausgestattet, diese führt in den Vorraum, der mit einer Kaiserbüste geziert ist. Dann folgt das Empfangszimmer reich mit orientalischen Teppichen und Palmen dekorirt. Der erste Saal weist die Ausstellung von Bodenprodukten auf, ferner befinden sich darin Pläne der Kolonien, Zeichnungen u. dgl-, über der Thür ein Bild des Sultans. Rechts zweigt sich das Sitzungszimmer des Komitees ab. Der zweite Saal enthält verschiedene Oele, Rohseide in ihren verschiedenen Stadien vom Cocon an, ein Modellhäuschen aus Rischon le Zion zur Aufzucht der Seidenraupe, Photographien der Kolonien und Ansichtskarten in 29 Dessins. Im dritten Saal finden wir Holzschnitzereien in Olivenholz in großer Auswahl, besonders Mesusoth, Sederschüfseln, Megillarollen u. a. Culrusgegenstände, Stickereien, Parfümerien, Seifen, Rosenwasser, Mandeln u. dgl. Zuletzt gelangen wir in die Trinkstube mit Kisten, Fässern und Flaschen in den Kolonien erzeugten Weines und Cognacs. Dieser letztgenannte Saal war gestern der Schauplatz der Eröffnungsfeierlichkeit, zu welcher eine Anzahl Herren und Damen aus den besten Kreisen geladen waren. Anwesend waren u. A. die beiden Rabbiner der israelitischen Gemeinde und die verschiedensten religiösen Richtungen bethätigten ihr Interesse an dem allen Juden gemeinsamen Werke. Die Feier begann mit dem Vortrag einer Arie aus Simson und Delila durch Herrn Cantor Ogutsch (Reue Synagoge am Börneplatz), worauf Herr Rechtsanwalt Plotke die Begrüßungsrede hielt. Früher, so führte er etwa aus, dachte man bei dem Worte Palästina an die Klagemauer in Jerusalem, weil die Juden dort unthätig lebten und sich keiner fruchtbringenden Arbeit Hingaben. Jetzt aber, wo die Arbeit erwacht ist, hört das Land auf, das Land der Klage zu sein, und erschließt sich der Lebens- und Arbeitsfreudigkeit. Auch die Verfolgung ist von der Vorsehung zum Segen bestimmt worden. Viele Juden haben dort Zuflucht gesucht und gefunden, weil sie in ihrer Heimath keine Lebenseristenz mehr hatten, und sie haben die verwüsteten Stätten wieder in fruchttragende Ländereien verwandelt. Wir wollen ihnen beistehen, daß sie den Segen ihrer Arbeit auch genießen und wollen ihre Produkte dem größeren Publikum bekannt machen. Das Publikum soll prüfen, nicht aus Mitleid, sondern nachdem es sich überzeugt, daß die Produkte gut und werth sind, genommen zu werden, soll es sie kaufen, um den Leuten die Möglichkeit zur Existenz zu schaffen. Und das dürfen wir und sollen wir nicht nur, weil wir als Juden Antheil nehmen an dem Geschick unserer Glaubensgenossen, weil es sich darum handelt, Produkten aus dem heiligen Lande Verbreitung zu geben, sondern wir dürfen es auch umsomehr als Deutsche thun, als der Kaiser erst vor Kurzem sein Wohlwollen für diese Thätigkeit der Kolonien ausgesprochen und Antheil an ihrem Gedeihen genommen hat. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, in das Alle einstimmten. Sodann ergriffen die Herren Bambus und Dorn von Berlin das Wort, um die Entstehung der Kolonien und ihr Wachsthum zu schildern. Nachdem in verschiedenen größeren Städten Norddeutschlands bereits eine Ausstellung der palästinensischen Produkte ftattgefunden, solle nun auch in Frankfurt und seiner näheren und ferneren Umgebung zu deren Gunsten gewirkt werden. Die Feier schloß mit dem Gesang eines *rcr (Ps. 128), vorgetragen von dem Chor der Neuen Synagoge am Börneplatz. Hierauf begann der Rundgang, bei dem sich Alle sehr befriedigt über das Gebotene und das Arrangement zeigten. Aschaffenvurg, i>0. Nov. Die Einführung unseres neugewählten Distriktsrabbiners, Sr. Ehrw. Herrn Dr. G. Wachenheimer fand letzten Donnerstag den 24 Noo. statt. Um 10 Uhr Vormittags wurde derselbe im Sitzungssaale des Rath- Hauses durch den rechtskundigen Bürgermeister Herrn Hofrath v. Meoicus durch Vereidigung in fein Amt eingewiesen. ES halten sich zu dieser Feier eingefunden die Mitglieder des Magistrats und die des stävt. Gemeindekollegiums, die kath. und prot. Pfarrer, die Vorsteher und Lehrer der Kultusgemeinden des Distriktes. Herr Königl. Hofrath v. Medicus legte in einer kurzen die Bedeutung des Friedens unter den Konfessionen betonenden Ansprache den Zweck der Zusammenkunft dar und nahm hieraus dem Herrn Distriktsrabbiner den Eid ab. Dieser gab seinem aufrichtigem Streben Ausdruck, jene Harmonie unter den Konfessionen zu pflegen. Es freue ihn, einem Staate anzugehören, wo das Ideal der Regierung Loyalität, das Jveal der Beamten in ihren Beziehungen zu einander die Kollegialität, das Prinzip aller Bürger edle Toleranz sei. Sich unter der Devise dieser

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