Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1898)
- Date
- 1898-12-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1798 A il st r a l t c n. : Australien. Die (Gemeinde in Sydney Hai endlich mit vieler Mühe das ständige Defizit über wunden, an dem sie seit vielen Jahren krankte. Zum ersten Male seit langer Zeit schließt der Jahresbericht mit einem kleinen Plus ab. — Die Gemeinde von Dunedie hat mit ihrem neuen Vorsteher Julius Hymann einett sehr guten Griff gethan. Seit er amtirt, ist neues Leben in die erstarrten Glieder gekommen. Schon ist ans seine Veranlassung eine Ehewra Kadischa gegründet uub circa 10 ooo Mark sind für Synagogen-Fonds zusammengebracht tvorden. — In West-Australien ist ein neues Ehegesetz eingesührt worden. Irr dentselben ist die israelitische Konfession den christlichen Bekenntnissen vollständig gleichgestellt. MMtzrlluugeu aus Den tiib. Ameuuereiueu und für diefclben. (Lämmtliche iüt>. Wanderbettelvereine mit» Kasse» für Durchreisende sind gebeten, »ns Mittheilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigteit machen, zukommen zu lassen.) Wassertrüdiugen. Soeben kommt ein polnischer Mann, Namens E u g Ot e i ch aus 9!eu-Sandee in Galizien und jammert: Er sei mit einem Kameraden aus Rußland gereist. Dieser hatte drei Püffe, unter anderem auch einen mit Namen Kammacher aus Kolno. Reich hatte in Fürth bei Herrn Wechler 17 <> Mark zur Aufbewahrung gegeben. Dieses hat der Schwindler Kammacher erfahren und sich vor etwa 4—0 Wochen nach einem Orte bei Frankfurt a. M., unter dem Namen Eisig Reich für Kammacher schicken taffen. Verwalter von Unterstütznngskaffen od. Private, denen der Kammacher zu Händen kommen sollte, werden gebeten, womöglich die nöthigen Schritte zur Rückgabe obiger Summe zu thun. Kammacher ist ziemlich groß, hager, blasser Gesichtsfarbe, hat dunklen Vollbart und scheint ein mittlerer Dreißiger zu sein. Herz. Trotts, 30. Rov. Bezüglich des Artikels unter gleicher Rubrik in der Nr. 27/28 dieser Zeitung, welcher sich gegen den früher hier, jetzt Daher in Pommern fungirenden Cantoc und Schächter M. L e w i n s o h n richtete, erkläre ich znm Zwecke Ver Bermeivnnsi eines EttfH ‘“''iSp, daß ich jenen Artikel in großer Aufregung geschrieben habe, und daß ich dieses jetzt sehr bedaure. Etwaige Beleidigungen nehme ich hiermit zurück. — Goldberg. — Feuilleton. Verkauft. Eine Erzählung a u s Ungarn. :«o Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten- Ein wenig abenteuerlich und der Episode eines Nomanes gleich kam Schulamit wohl die Geschichte vor, das diente aber nur dazu, um den Reiz derselben ztt erhöhen. Und endlich schrieb Glaser in einem so flehenden Tone, daß sie glaubte, ihm seine Bitte gewähren zu müssen. Er war ja am Ende doch ein alter Bekannter. In ihrem Innern freilich, spurte sie dennoch ein leises Unbehagen uitb sie dachte einen Augenblick daran, sich Herminen mitzutheilen und sie um ihre Begleitung anzugehen. Sie suhlte aber, daß dies mit dem Anfgeben des Planes identisch wäre und aufgeben wollte sie ihn nicht, schon ans dem Grunde nicht, mn ihre vermeintliche Rache an Rudolf nicht einzubüßen. Sie wollte nämlich schon dafür Sorge tragen, das; er nachträglich von ihrer Zusammenkunft mit Glaser Kenntniß erhalte. Die gute Laune Schulamits erstreckte sich diesmal sogar aus Rudolf, den sie heute mit ihrer Freundlichkeit geradezu zu verwöhnen schien. Bei Rudolf steigerte dies nur den galligell Unmuth. Es erschien ihm offenbar, daß sie sich über ihn lustig machte, llm die neunte Vormittagssiunde, da er gewöhnlich zu den Vorlesungen zu gehet! pflegte, entfernte er sich aus dem Hause. Er ging jedoch nicht zu der Vorlesung, sondern schleuderte ziel- und planlos einige Stunden in den Straßen der Stadt umher. Die Bewegung in der kalten Winterluft that ihm wohl. 9ltt seine Gedanken drehten sich um die Frage, ob sie wohl zum Stelldichein kommen würde oder nicht? üHrni, da er sie nicht vor Allgen hatte, sie, den Quell von all der Aufregung und Verstimmung der letzten Zeit, begann sich wieder eine leise Hoffnung in ihm zu regen. Ist es möglich, daß sie sich so weit vergessen sollte? Ja — ob sie sich aber auch der Bedeutung ihres Handelns bewußt ist? Herbe Vorwürfe gegen sich selbst stiegen auf in ihm. Er hätte sie verhindern sollen, die Unbesonnenheit zu begehen, indem er den Brief seinen Eltern vorwies, oder, wenn es ihm widerstrebte sie zu beschämen, dann hätte er mit ihr selbst offen reden sollen. Wäre er aber, wie nun einmal die Dinge zwischen ihnen standen, nicht Gefahr gelaufen, daß sie seinem Thun egoistische Motive