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Der Israelit · 1898-12-05 · Heft 96 (5.12.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 96 (5.12.1898)
Date
1898-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1797 danken aber auch allen Freunden und Wohlthätern unserer Anstalt für ihre Beihilfe, ihr Wohlwollen und freundliches Interests. Mögen auch sie nicht ermüden in ihrer Thätigkeit für uns, nicht erkalten in ihrem Interesse für eine heilige, gute Sache und nicht unterlassen, thätigen Antheil zu nehmen an einem Werke, das ganz besonders in unserer Zeit als ein Bedürfniß, als ein Mittel zur Verbesserung unserer religiösen Verhältnisse erkannt werden muß. (Wir schließen uns diesem Wunsche mit ganzem Herzen an. Red. d. Jsr.) O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien. (Jubiläum des Direktors Heller.) Am 13. November l. I. waren es 25 Jahre, seitdem Herr Direktor S. Heller die Leitung des Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte übernahm und dieselbe mit großem Erfolge zum Segen der blinden Kinder israelitischer Eonfession führt. Dieses Institut wurde 1870 von Dr. Ludwig August Frankl Ritter v. Hochwart ins Leben gerufen, Freiherr Jonas v. Königswarter ließ ein schönes und prächtig eingerichtetes Haus für 50 blinde Kinder errichten. Der Name Heller hat in der Blindenwelt einen guten Klang und die von ihm zuerst im israelitischen Blindeninstitute eingeführten modernen Disciplinen, Zeichnen und Modelliren, haben beinahe in allen Blindenanstalten der ganzen Welt Eingang gesunden. Direktor Heller hat sich auch an allen Blindenlehrer-Congressen aktiv beiheiligt und seine wissenschaftlichen Vorträge fanden stets reichen Beifall. Die Resultate des israelitischen Blinden-Jnstitutes sind denn auch außerordentlich günstig; die meisten Zöglinge haben sich eine vortheilhaste soziale Stellung gegründet. Es ist leicht begreiflich, daß diese in der österreichisch-ungarischen Monarchie zerstreut lebenden Handwerker (Bürstenbinder, Flechter, Clavierstimmer, Clavier- und Orgelspieler), Beamten zc. mit großer Liebe an ihrem Lehrer und ihrem zweiten Vaterhaus hängen. Und so wurde der 13. November als ein Tag der Freude und der schönsten Erinnerung im Herzen der zahlreichen Schüler und Verehrer des Jubilars gefeiert. Möge der wackere Blinden-Pädagoge auch fernerhin zum Glück und Segen der Blinden in vollster geistiger und körperlicher Frische wirken. Holland. Amsterdam, J. Dez. Bis jetzt waren die Niederländer israelitischer Konfession die eifrigsten Vorkämpfer der konfessionslosen Schule gewesen und während des langen Schulstreits haben sie auch treu zur liberalen Partei gehalten. Die früheren jüdischen Schulen sind alsbald nach dem Zustandekommen des konfessionslosen Schulgesetzes im Jahre 185/ aufgehoben worden, und man hat seit dieser Zeit auch nie die geringste Klage vernommen, daß das religiöse Bewußtsein der hiesigen Israeliten irgendwie Schaden erlitten hätte, im Gegentheil, die Stadt Amsterdam ist bis jetzt eine der Hochburgen des orthodoxesten Judenthums geblieben, das jeder Resormbcwegung unzugänglich war und z. B. den Gebrauch der Orgel beim Gottesdienst als eine sündhafte Neuerung betrachtet hatte. Nunmehr scheint dies aber anders zu werden. Der Oberrabbiner der hochdeutschen israelitischen hiesigen Gemeinde, Dr. Dünner, hat in einem an die jüdischen Eltern gerichteten Rundschreiben diese aufgefordert, nach dem Beispiel der Ultramontanen und Orthodoxen konfessionelle jüdische Schulen zu errichten, weil die konfessionslose Schule ihrem früheren Grundsatz, der religiösen Neberzeugung Andersdenkender nicht zu nahe zu treten, untreu geworden seien; der Stein des Anstoßes bestand für ihn hauptsächlich darin, daß sich unter den Volksschullehrern notorische Sozialdemokraten und Atheisten befinden. Proteste von Seiten seiner Glaubensgenossen blieben nicht aus, und der Oberrabbiner wurde darauf aufmerksam gemacht, daß er nichts weiter sei, als ein einfacher, dem Kirchenrath untergebener Beamter, der zwar seine eigene Meinung haben und auch äußern könne, die Befugnisse seines ihm genau vorgeschriebeuen Wirkungskreises aber überschreite, wenn er sich auf das Gebiet des dem Kirchenrath unterstellten jüdischen Erziehungswesens begeben wolle. Die Errichtung jüdischer konfessioneller Volksschulen wird zwar bis aus Weiteres ein frommer Wunsch bleiben, aber Dr. Dünner hat zahlreiche Anhänger. Der Letztere gab auch diese Woche eine Erklärung über den Zionismus ab, durch die ihn die Anhänger dieser Bewegung zu einem der Ihrigen stempeln wollen. Die Erklärung besagt aber weiter nichts als, daß wenn der Zionismus sich voll und ganz dem traditionellen Judenthum anbequemen wolle, er ihn auch billigen würde. Das ist eigentlich so selbstverständlich, daß es kaum noch gesagt zu werden braucht. Aber die „Welt"-Eroberer schlagen nun mal aus Allem Kapital. Türkei.? Konstantinopel. Der amerikanische Gesandte Oscar Strauß, bekanntlich ein Glaubensgenosic, hat in der kurzen Zeit seiner Amtsführung einen Erfolg gehabt, den sein Vorgänger vergeblich angestrebt hat. Es handelt sich um die Errichtung des amerikanischen Konsulates in Erzerum. Jetzt ist Strauß dem energischen Protest des englischen Botschafters gegen das Einwanderungsverbot gegen Juden für Palästina beigetreten und man zweifelt nicht daran, daß der vereinigte Protest der Botschafter von Deutschland, England, Frankreich und Amerika die baldige Aufhebung dieses Einwanderungsverbotes bewirken wird.Z

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