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Der Israelit · 1898-12-05 · Heft 96 (5.12.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 96 (5.12.1898)
Date
1898-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1796 und zu ergründen. Jeder Tag muß dem Lehrer neue Anhaltspunkte bieten, neue Erfahrungen bringen, um sein erziehliches Wiffen und Wirken zu bereichern. Auf diesem Gebiete ist daher um so mehr jeder Stillstand als Rückgang zu bezeichnen. Dieser Gedanke ist es, der jedesmal an der Schwelle eines neuen Schuljahres ernst, mahnend und warnend vor unser geistiges Auge tritt, uns bewahrt vor stolzer Selbstbefriedigung und uns anregt, immer größere, sich unablässig steigerndere Hingebung für unsere heilige Sache zu bethätigen. Für unsere heilige Sache! Ist der Berus eines Jugenderziehers an und für sich schon der heiligste, weil er einen unberechenbaren Einfluß aus ganze Generationen übt, weil er auf das ganze geistig-sittliche Leben sich bezieht und ihm seine Gepräge aufdrückt, um wie viel mehr können wir den Beruf eines jüdischen Lehrers heilig nennen, da ihm auch das religiöse Leben, ja vorzugsweise die religiöse Erziehung des ihm anvertrauten Kindes obliegt und er die hohe Aufgabe hat, die höchsten Ideale des Judenthums dem kindlichen Gemüthe beizubringen, und das Kind für diese zu begeistern. Bei solchem Ziele kann und darf es wohl nie einen Stillstand geben. Am wenigsten aber würde ein solcher in der gegenwärtigen Zeit bei ihrer materiellen Strömung eine Entschuldigung finden. Lehrer autzzubilden, die sich nun dieses ihres hohen und ernsten Berufes bewußt sind, das ist die Aufgabe, welche unsere Anstalt zu erfüllen bestrebt ist. Wieder hat unsere Lehrerbildungs-Anstalt ein Jahr ihres Wirkens hinter sich und tritt in das fünfunddreißigste Jahr ihres Bestehens ein. Was sie geleistet und gewirkt, darüber soll im Einzelnen berichtet werden. An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, daß unsere Anstalt, dem Ideale ihres sel. Gründers getreu, ihr größtes Augenmerk darauf richtet, eine jüdische Lehrerbildungs-Anstalt zu sein. Nichts vernachlässigend von allem, was die moderne Bildung fordert und gleichen Schritt mit allen Kgl. Schwesteranstalten haltend, hat sie demgemäß auch seit Jahren den vollständigen Musikunterricht in den Bereich ihrer Disciplinen gezogen; trotzdem werden alle Zweige der jüdischen Wissenschaft in möglichster Ausdehnung gepflegt und dabei ganz besonderes Gewicht auf die praktische Ausbildung der Schüler gelegt. Gründliche Kenntniß der Religionswissenschaft macht den jüdischen Lehrer erst fähig für seinen Beruf, besonders in unserer Zeit, in welcher die Wirksamkeit des Lehrers in vielen Gemeinden sich auch darauf zu erstrecken hat, Thorakenntniß zu verbreiten. Deßhalb soll und muß der Lehrer neben allgemeiner Bildung auch mit gründlicher Fachkenntniß ausgerüstet sein, damit er die Fähigkeit besitze, seinen erhabenen Berufspflichten voll und ganz nachzukommen. Diesem Zwecke nun dient unsere Anstalt und verfolgt mit all ihr zustehenden Mitteln ihr erhabenes Ziel. Mit dem Schluffe des Schuljahres bestanden neun Zöglinge die Austrittsprüfung am kgl. Schullehrer-Seminar dahier mit gutem Erfolge und wurden in die Praxis entlassen. Die Zahl aller seit dem Bestehen der Anstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Schüler beträgt jetzt 291, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter segensreich wirken. Alljährlich wird von einem der geistlichen Mitglieder des Curatoriums Prüfung aus der Religionsliteratur abgehalten, die auch in diesem Jahre ein ganz günstiges Resultat lieferte. Die Anstalt hatte im abgelaufenen Schuljahre 31 Zöglinge. Von diesen erhielten fünf Schüler Unterricht, Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich, sechs bezahlten die Beköstigung ganz, 20 theilweise. Von diesen 31 Zöglingen mußten zwei während des Schuljahres aus religiösen Erwägungen entlassen werden, so daß blos 29 in der Anstalt verblieben. Bei Beginn des laufenden Schuljahres meldeten sich zum Eintritt in den 1. Kurs neun Schüler und zwar aus der Präparandenschule zu Bucgpreppach fünf, aus der zu Höchberg drei und aus der zu Schwabach einer. Letzterer bestand die Ausnahmsprüfung, alle Uebrigen wurden auf Grund der bestandenen Schlußprüfung an ihren Präparandenschulen in die Anstalt ausgenommen. Wie das Spendenverzeichniß ergiebt, haben die eingegangenen Spenden im abgelaufenen Jahre ein höchst erfreuliches Resultat ergeben. Wesentlich hat zu diesem günstigen Rechnungsabschluß die Güte und Hochherzigkeit Ihrer Hochwohlgeboren der Frau Baronin Freifrau Clara von Hirsch-Gereuth in Paris beigetragen. Es sei daher dieser hochedlen Wohlthäterin auch an dieser Stelle, sowie allen übrigen verehrten Spendern und Spenderinnen inniger herzlicher Dank hiermit ausgesprocheu. Wir rechnen auf den ferneren Beistand unserer bisherigen Freunde und Gönner, um auf dem betretenen Weg sortzuschreiten, an dem Ausbau des Werkes fortzuarbeiten und es seinem erhabenen Ziele immer näher zu bringen. Mit großer Befriedigung können wir in dieser Hinsicht erwähnen, daß wir den Anfang gemacht zur Gründung eines Pensionsfonds für die Anstaltslehrer, und zur Erweiterung unseres Lehrplanes, den Unterricht in der französischen Sprache als Wahlfach darin ausgenommen haben. Wir schließen unseren Bericht mit dem Aufblick zu Gott aus dankerfülltem Herzen für Seine uns zugewiesene Güte in unserer Arbeit, für die Kraft und Ausdauer, die Er uns hiezu verliehen und für den Segen, den Er uns gespendet. Mögen wir dieser allerersten Mittel niemals entbehren! Wir

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