Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1898)
- Date
- 1898-12-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1795 tatatoeretue. Bis jetzt ist hier nur viel Lärm um nichts. Wenn aber methodischer verfahren und hauptsächlich das passive Verhalten' der Hörer in Aktivität umgesetzt wird, dann können nach weiteren zehn Jahren die Erfolge möglicher Weise auch den Skeptiker von heute befriedigen. — Ist aber nach den Erfahrungen des ersten Dezenniums dieser eigenartigen, literarischen Erscheinung, für solche Hoffnungen irgendwelcher Raum? Wir glauben es nicht! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. '< Frankfurt a. M., 2. Dez. Die Erfolge, welche in den letzten drei Jahren mit den Palästina-Ausstellungen in Berlin, Köln, Hamburg und Breslau erzielt wurden, hat die Führer der Palästinabewegung in Deutschland veranlaßt, auch in Frankfurt a. M., wv bisher trotz allem ins Große gehenden Wohlthätigkeitssinn unserer dortigen Glaubensgenossen, für den jüdischen Ackerbau im heiligen Lande noch so wenig geschehen ist, durch eine solche Ausstellung ein größeres Interesse für die Kolonisation Palästitias wachzurltsen. Später hat sich die in Berlin wirkende Jmportgesellschast „Palästina" dieser Sache angenommen nnb auf direkte Veranlassung von dieser Seite hin hat sich in Frankfurt am Main selbst ein Ausstellungskomitee organisirt. Dasselbe besteht aus einem eigenen und einem weiteren Ausschuß. Erstercs wird repräsentirt durch die Herren Charles Hallgarten, Rechtsanwalt Jul. Plotke, den Brüdern Heinrich und Joseph Wisloch, I>i\ inert. Waller, Raphael Ettlinger und Jul. Goldschmidt. Zur Bildung des weiteren Ausschusses ist Anfangs voriger Woche in Frankfurt ein Cirkular an alle hervorragenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde verschickt worden, und sollen bereits zahlreiche Beitrittserklärungen vorliegen. Daneben sollen zur Unterstützung des Ausschuffes am 1. Dez. d. I. ein Damenkomitee gebildet werden, eine Einrichtung, welche sich in Breslau vorzüglich bewährt hatte. Die Ausstellung, welche sehr würdig ausgestattet ist, wird die Produkte der jüd. Ackbauern in Palästina, wie Getreide, Obst, Gemüse, Oel, Honig, Seide und namentlich in den jüd. Dörfern erzeugte und von jüd. Bauern selbst ausgebaute Weine zur Darstellung bringen. Daneben sollen aber auch die Arbeiten der jüdischen Handwerker in Jerusalem, Safed c:. wie Schnitzereien, Seife u. a. Produkte in der Ausstellung einen breiten Raum einnehmen. Es werden also nicht allein die jüdischen Ackerbauer auf dem platten Lande sondern auch die von der Ehalukka abhängigen armen Arbeiter auf dieser Ausstellung zur Geltung kommen. Die Stadt Frankfurt aber, welche nicht allein in Bezug aus Eleganz, sondern namentlich auch in Bezug auf Wohlthätigkeit stets vierspännig fährt, wird. gewiß auch diesmal ihren bewährten Ruf bethätigen und dafür sorgen, daß die Ausstellung glänzenden Verlauf nimmt, und sowohl für den Absatz der Produkte der jüdischen Kolonien im Allgemeinen als auch für die Förderung der Kolonisation Paläst i n a s im Besonderen Hervorragendes geleistet wird. — 24. Dezember. Die Palästina-Ausstellung ist heute in feierlicher Weise hier eröffnet worden. Die Feier begann mit Chorgesang, woraus Herr Rechtsanwalt Plotke tm Namen des Frankfurter Lokalkomitee die Anwesenden, ca. 150 an der Zahl, in längerer Rede begrüßte. Herr Redakteur Willy Bambus—Berlin sprach im Namen des Vereins Esra, Herr Moritz Dorn— Berlin im Namen der Jmportgesellschast. Mit Chorgesang endete die schöne Feier. Ausführlichen Bericht laffe ich für Ihre Donnerstagsnummer folgen. Für heute nur noch soviel, daß die Ansstellung viel reichlicher beschickt ist, wie die gleiche auf der Berliner Gewerbeausstellung. Wie ich erfahre, will Baron Rothschild auf der Pariser Weltausstellung ein ganzes jüdisches Dorf zur Anschauung bringen. — Der Verwaltungsrath des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (“sp roip) dahier wählte Herrn Hermann Lehman n zu seinem Vorsitzenden und Herrn I. Wohlfahrt (Firma Veit Wohlfahrt)zu seinem Schriftführer. Würzburg. Dem Rechenschafts-Bericht über die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg für da« vierunddreißigste Jahr ihres Bestehens, von Nathan Bamberg er, Distrikts-Rabbiner und Vorstand der Anstalt, entnehmen wir: Wenn jeder erwählte Beruf gerechten Anspruch auf gewiffenhafte Pstege und treuliche Erfüllung desselben zu erheben hat, so gilt dies ganz vorzüglich beim Berufe des Jugendlehrers. Da ist das Stehenbleiben bei einem erreichten Ziele, das Ausruhen nach einem gemachten Fortschritte höchst nachtheilig; das ideale Streben vielmebr muß dahin gerichtet fein, das begonnene Werk immer weiter auszubilden, es mit den schönsten Erfolgen zu krönen. Mit jedem Momente seines Wirkens muß der Jugenolehrer tiefer schauen in des Kindes Herz, mehr eindringen in des Kindes Gemüth, um hierdurch seiner erhabenen Aufgabe mit treuester Pflichterfüllung gerecht zu werden. Und sowie der Gärtner jedem Pflänzchen besondere Pflege und Obhut zuwenden muß, je nachdem die natürliche Entwickelung desselben es erfordert, uni sodann mit Befriedigung und Genugthuung auf seine Erfolge blicken zu können: so und in noch vergrößertem Maße muß der Erzieher und Bildner der zarten Menschenpflanzen die Individualität eines jeden einzelnen der ihm anvertrauten Kinder ins Auge fassen, um die Behandlung derselben zu erforschen