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Der Israelit · 1898-12-01 · Heft 95 (1.12.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 95 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1786 die Geistlichkeit auch hierbei von dem Adel derselben Bailliage in ihren Forderungen unterstützt, wenn dieser stch auch in weniger scharfen Wendungen ausdrückt7). Wir erblicken jedenfalls als unerbittliche Gegner der Juden die zwei ersten Stände eines Bezirks, in dem aber, wie nicht unerwähnt bleiben darf, feit fast einem Jahrhundert kein Jude mehr wohnte^). Wenden wir uns jetzt zur Betrachtung der Cahiers des wirklichen französischen Volkes, des dritten Standes und des größeren, jedenfalls des aufgeklärten und selbstständigen Theils des Adels, so ist es ein wesentlich verschiedener Eindruck, der uns hier erwartet. Zunächst finden wir in den allgemeineren Bemerkungen und Wünschen, die nicht gerade ausdrücklich auf die Juden Bezug nehmen, eine ganz andere Sprache, als uns bei der Geistlichkeit begegnete; es ist nicht blos von Akatholiken die Rede, unter denen wir doch nur die Hugenotten verstehen konnten, sondern man behauptete vielmehr den principiellen Standpunkt und verlangte die Gewissensfreiheit für Jedermann. Und wie man so diese erste Forderung der Duldsamkeit in weitem Umfange gewährt, so gesteht man den Andersgläubigen weitere und mehr bestrittene Rechte ebenfalls prinzipiell und allgemein zu. D-e Anerkennung einer vollkommenen Gleichheit der Religionen im Staat findet freilich selbst unter dem dritten Stand kaum hie und da Ausdruck, und meistens wird darauf hingewiesen, daß als herrschende Staatsreligion nur Eine zu betrachten sei; aber den Anhängern abweichender Bekenntniffe will man darum keinerlei Rechte entziehen. Waren dieses die Prinzipien, welche der Kern des französischen Volkes über die Stellung der Dissidenten im Königreich angenommen hatte, so tragen auch hier die Ansichten, die über die Juden insbesondere sich vereinzelt finden, das erfreuliche Gepräge der Milde und Menschlichkeit. Man betrachtet dieselben als Glieder des Gemeinwesens, zu dem sie nur noch nicht in dem wünschenswerthen Verhältniffe stehen, deßhalb werden die Stände aufgefordert, ihre Stellung in Betracht zu ziehen'-'); man will die Kraft, die in ihnen wohnt, für den Staat nutzbar gemacht sehend), und der Adel von Metz, der eine zahlreiche Judengemeinde unmittelbar sant. et de trois mille tjirils etaient an conimencement du sifecle les a portes ä pres de vingt mille suivant le dernier denombrement. 11 est temps d’arreter cet abus dans son principe et il ne doit plus ötre permis de contracter manage qu’au fils aine de chaque tamille juive 7) Vergl Chass'D, le genie de Ja rerolntion I. 2, 210. Was hier außerdem von einem Cahier des dritten Standes gesagt wird, ist ein offenbarer Zrrthum, s. auch Grille a. a. O. II 46. «) 1697 wurde der letzte Jude aus Schlettstadt vertrieben- 9) Noblesse de Paris: Que les etats prennent en consideration le sort des Juit's. 10) Tiers de Metz: On avi.sera aux nioyens de rendre utiles les Juifs. vor Augen hatte, verlangt, daß den Anhängern jedes Glaubens die Bürgerrechte im Lande ertheilt würden n). Wo aber das Volk auch glaubt, Beschwerde führen zu müfien gegen die Juden einzelner Bezirke, da verschließt es sich nicht der Einsicht, daß es in der Hand des Staates liege, durch die Befierung ihrer rechtlichen Lage auf ihre Beziehung zu den Mitbürgern wohlthätig einzuwirken12). So gestaltet sich das Ergebniß des ersten Theiles der Wahlhandlung, in welcher wir die Verkörperung der Umwälzung erblicken, die sich im Geiste des französischen Volkes vollzogen hatte. Es bleibt übrig zu betrachten, wie die Nation die andere Seite ihrer Aufgabe erfüllte, welche Stellung zur Toleranzfrage überhaupt und zu den Juden und ihrer Befreiung insbesondere die Männer einnahmen, welche zu den Generalstaaten abgeordnet wurden. Es konnte sich zunächst darum handeln, ob vielleicht gar Nichtkatholiken gewählt wurden. In einzelnen Wahlversammlungen allerdings verband man sich durch feierliche Erklärungen, nur solche Männer zu Vertreter zu ernennen, die, der Religion treu, den Glauben ihrer Auftraggeber theilten und darum allein befähigt seien, die Jnterefien derselben zu wahren. Doch nicht überall ist diese Gesinnung die herrschende. In Bordeaux wurde ein jüdischer Kaufmann, Herr Gradir, zum Wahlmann ernannt, und ein großer Theil der Wähler ist auch für seine Bestellung zum Abgeordneten bemüht. Zur erforderlichen Mehrheit fehlen ihm aber drei oder vier Stimmen, und durch die Beseitigung seiner Candidatur war es keinem französischen Juden beschieden, selbst mitzuberathen und zu beschließen über die eigene Zukunft. Ob aber für diese ein Nachtheil in dem entgangenen Erfolge lag, wollen wir nicht zu entscheiden versuchen; das Land schickte manchen Vertreter zu den Generalstaaten, der, wenn etwa nicht mit dem gleichen beharrlichen Eifer, so doch vielleicht mit mehr Gewicht für die Juden in die Schranken treten sollte, als Abgeordnete aus ihrer eigenen Mitte es vermocht hätten. (Fortsetzung folgt.) 11) Que tous les regnicoles quelque soit leur eroyaniv juuissent dans le royaume du droit de citi 12) Noblesse de Nancy. Les usures pratiquees par les Juifs etant un des tieaux redoutables des campagnes on demandera qu’ii soit avise aux moyens de les prdvenir soit par des precautions semblables ou analogues a celles qui araient ete etablies en Lorraine par les edits des 13 Aoüt 1720 et 30 Decembre 1728 soit en leur procurajit des moyens de snbsistanceplus etendus et propres a les detourner des spiculations usuraires.

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