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Der Israelit · 1898-11-28 · Heft 94 (28.11.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 94 (28.11.1898)
Date
1898-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i w ^PW^AMW 1748 Umstand vortrefflich zu statten, daß Herr Stadtrath Liebmann, der Hauptführer der Orgelgegner so jäh dahingeschieden ist. Noch in letzter Stunde machen die Orgelfreunde mit eifrigem Interesse den Versuch, da- Ziel zu erreichen, das sie als das Ideal aller Mittel zur Hebung'.der Andacht und zur Vermehrung ihrer Theilnehmer erkannt zu haben, vermeinen. Sie erlassen ein Rundschreiben, das zahlreiche Unterschriften angesehener Gemeindemitglieder trägt, dessen Inhalt ungefähr folgender ist: „Wie Ihnen bekannt ist, hegt eine große Anzahl der hiesigen Gemeindemitglieder den dringenden Wunsch, daß in der neuen Synagoge zur Hebung der Andacht (?) eine Orgel eingesührt werde, wie dieses in den meisten (leider!) größeren Städten Deutschlands der Fall ist. . . Wenn der überwiegende Theil der Gemeindemitglieder sich für Einführung der Orgel erklärt, so glauben wir überzeugt fein zu dürfen, daß der Vorstand und dasRepräfentantenkollegium, (oie meisten sind bereits Anhänger der Orgel) einen so allgemein gehegten Wunsch nicht unberücksichtigt lassen, vielmehr dem nach unserer Ansicht unzweifelhaften Bedürfnisse Rechnung tragen wird. Wir sind ferner der festen Ueberzeugung, daß durch die weihevolle (?) Einwirkung einer Orgel der regelmäßige Besuch des Gotteshauses wesentlich gehoben wird (?)... Wir bitten Sie ergebenst, einliegendes Antwortschreiben in bejahendem oder verneinendem Sinne mit Ihrer Unterschrift zu versehen und unter Benutzung milfolgenden Briefumschlags bis 20. d. M. an die daraus vorgedruckte Adresse gelangen lassen zu wollen. Es wird auf diese Weise dem Vorstande und dem Repräsentantenkollegium eine Basis für ihre Entschließung gegeben werden." In der letzten Nummer (46) des in Köln am Rhein erscheinenden „Israelit. Gemeindeblattes" war auch gleichzeitig ein geharnischter Artikel eines Orgelgegners mit dem Motto: Viäsant ecmsulos erschienen, der in einer begeisterten und warmen Sprache alle Punkte trefflich widerlegt: „Die Orgelfrage ist kein Rechenexemplar und 2 gegen 1 stellt nicht ihr Ergebniß dar. Ja, gesetzt den Fall, ihre praktische Entscheidung würde durch die Majorität bestimmt, so dürfte aber doch in einer die Synagoge betreffenden Angelegenheit die Mehrheit der wirklichen Synagogenbesucher maßgebend sein. Das einfache Gesetz der Billigkeit würde aber denen, die nur Mitglieder der Gemeinde sind, sich aber keineswegs zu den regelmäßigen Synagogenbesuchern rechnen dürfen, bescheidene Enthaltung der Abstimmung auferlegen. Wohl geben wir zu, daß auch diese durch die ersten Orgelklänge in die Synagoge gelockt werden, der sie bisher ferngeblieben, aber ist der Reiz der Neuheit überwunden, dann gibt es auch auf diesem Gebiete eine Blafirtheit, wie überall da, wo es gilt, die Sinne zu berauschen. Können doch gerade die meisten „größeren" Städte Deutschlands, die man uns zum Vorbild hinstellt, auf daß wir „Kleinstädter" eifersüchtig werden sollen, bezeugen, daß ihre Synagogen, in denen der Gemeindevorstand am althergebrachten Ritual nichts geändert hat, stets besuchter sind, als diejenigen, in denen gegen freies Entröe die hervorragendsten Concerte gegeben werden.- Es ist zu verwundern, daß die Herren vom Circular es als selbstverständlich annehmen, daß sie sich mit dem Wunsche der Majorität der Gemeinde eins fühlen. Und wären sie es, so stellen wir nochmals dem Gewissen aller rechtlich Denkenden die Frage: Darf in Dingen der Wahrheit und Religion die Majorität die Minorität vergewaltigen? Und wäre es nicht ein Akt der Intoleranz, auch nur einem die Synagoge zu verschließen? Die „Synagoge" will in ihres Wortes eminentester Bedeutung sammeln, einen und nicht trennen! In die Synagoge mit altem Brauch können wir alle gehen, in ihr wir alle beten, in ihr sind wir einig, sind wir Brüder!" Leider sind die Aussichten auf Erfolg sehr trübe. Durch den großen Jndifferentismuö der meisten Gemeinde- Mitglieder wird es dahin kommen, daß über kurz oder lang die Anhänger der Orgel das Uebergewicht erhalten. Besonders günstig ist noch die Wahl 'eines Cantors, der bereits seit vielen Jahren als Beamter einer Synagoge mit Orgel thätig ist. Gebe Gott, daß auch dieser Versuch an dem verständigen Gemeinsinne der Juden Kölns abpralle, so daß für immer die Bestrebungen der Orgelfreunde zu Schanden werden. Hoffentlich gelingt es dem neuerwählten geistlichen Oberhaupt eine dem orthodoxen Judenthume günstige Wendung dieser Frage zu erzielen, im anderen Falle würde er bei seiner Gesinnungstüchtigkeit gewiß demissioniren. Der Segen Gottes wird ihm zu Theil! N. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Sttthlweitzenvurg, 24. Nov. (Installation eines Oberrabbiners.) Dr. Bernhard Schück, den die hiesige orthodoxe israelitische KultuSgemeinde einstimmig zu ihrem Seelsorger wählte, wurde Hierselbst in feierlicher Weise installirt. Eine aus 15 Mitgliedern der Gemeinde bestehende Deputation fuhr dem Oberrabbiner nach Oscoor entgegen, wo ihn im Namen der Gemeinde Desiderius Kovacs begrüßte. Vor der festlich decorirten Synagoge bewillkommte ihn nochmals im Namen des Vorstandes der Präsident der Kultusgemeinde Eduard Singer. Der neue Oberrabbiner wurde dann von dem greisen Oberrabbiner der Miskolczer orthodoxen KultuSgemeinde Rosenfeld in sein Amt eingesetzt. Dr. Schück hielt eine ungarische Antrittsrede. Abends wurde ein Banket veranstaltet.

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