Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1898)
- Date
- 1898-11-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448944--47198-2497542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1747 gerschast statt. Die Ausführungen des Redners fanden allseitige Anerkennung. Nordhausen, 24. Nov. (Fürsorge für geistig zurückgebliebene Kinder.) Ein geistig zurückgebliebenes Kind ist für seine Eltern ein Gegenstand größter Sorge. Diese unglücklichen Kinder sind einzutheilen in biloungsunsähige oder idiotische Kinder und in solche Kinder, die durch geeigneten Unterricht und eine entsprechende Erziehung noch zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft auszubilden sind. Für die bildungsunfähigen Kinder gibt es in Deutschland etwa 50 Jüotenanftalten, in denen die Insassen event. bis an ihr Lebensende verpflegt werden. Noch viel wichtiger als die Pflege idiotischer Kinder ist aber sicher die Ausbildung derjenigen geistig zurückgebliebenen Kinder, die noch zum Eintritt in das öffentliche Leben zu gewinnen sind. Diese Kinder haben aber leider bisher fast allgemein keine geeignete Erziehung erhalten, sie sind infolgedessen dauernd ihren Familien oder den Kommunen zur Last gefallen. Mit geistig zurückgebliebenen, aber noch bildungsfähigen Kindern sind nur dann gute Resultate zu erzielen, wenn sie Erziehungsanstalten zugeführt werden, die speziell für die Erziehung solcher Kinder eingerichtet sind und die ihre Zöglinge zu einem Lebensberuse vorbereiten. Es gibt in Deutschland vier derartige Anstalten. Wir Israeliten haben nur für eine solche Anstalt ein Interesse, in der dafür gesorgt wird, daß jüvische Zöglinge in jeder Beziehung, wie die christlichen Zöglinge geachtet und behandelt werden. In der in Nordhausen bestehenden B. Wildt'schen Erziehungsanstalt ist dies der Fall. Es befinden sich daselbst gegenwärtig drei jüdische Kinder. Die Angehörigen dieser Kinder sind mit den Einrichtungen, den Erziehungs- und Unterrichts-Resultaten der B. Wckdt'schen Anstalt sehr zufrieden. Wer darum in der unglücklichen Lage ist, ein geistig zurückgebliebenes Kind zu besitzen, dem ist zu rathen, sich mit dem JnftitutSvorsteher B. Wilvt in Nordhausen in Verbindung zu setzen und sich von ihm zunächst einen Prospekt seiner Anstalt senden und die Adressen der Eltern seiner jüdischen Zöglinge — welchen letzteren auch von dem Unterzeichneten in freundschaftlicher Beziehung zur Direktion ein warmes Interesse zutheil wird — sich miltheilen zu lassen. D. B. Warenheim, Religionslehrer u. Kantor der Synagogen-Gemeinoe in Nordyausen. Aschersleben, 23. Nov. (Zur Kontrolle des is»2-Fleisches.) So einfach die Kontrolle des Koscherfleisches ist, so unzulänglich und wenig zuverlässig ist die Handhabe des Zeichnens. Noch vor wenig Jahren, vielleicht noch zum Theil bis heute, wird von den trann?, die bei nichtjüdischen Fleischern schachten, das Fleisch derart gezeichnet, indem sie Tag und Stuude der auf ein Stückchen Karton schreiben und dieses mittelst Bindfaden an das Fleisch mit Siegellack, worauf das ^v'2- Siegel steht, befestigen. Wenn ein crop nicht im Stande ist den Fleischer (und das Fleisch) unausgesetzt zu kontrolliren, oder wenn er nicht darauf achtet, daß ihm jedesmal sämmtliche Siegel ausgehändigt werden, so ist diese Methode entschieden zu verwerfen! Als ich vor einigen Jahren eine neue Stelle antrat und gelegentlich bei einem Großschlächter inspieirte, entdeckte ich in einem Behälter eine ganze Serie Koscher-Siegel für jeden Tag in der Woche, die von dem Schlächter nach Bedarf auch an no^ll-Fleisch verwendet wurden, ohne daß selbst der chip, geschweige denn die Kunden etwas gemerkt. Ich ließ darauf sogenannte Kautschuk-Stempel mit Datum anfertigen und diese selber auf das Fleisch drücken. Nach längerer Benützung kam ich zur Erkenntnis;, daß auch diese Art des Zeichnens illusorisch wird. Ein Stempel mit blauer Farbe aus frisches Fleisch gedrückt, wird schon nach wenigen Stunden undeutlich und verschwindet fast spurlos nach 24 Stunden. Aber auch im günstigsten Falle ist selten mehr wie das fettgedruckte "v'2 zu erkennen, Tag und Stunde sind nie mit Bestimmtheit zu eruircn. Bei größeren Gemeinden empfiehlt es sich, ausschließlich die bekannten Btomben zu verwenden. Nur müssen die durchgezogcnen Bindfadenenden so kurz gehalten werden, daß mit ben gebrauchten Blomben kein Mißbrauch getrieben werden kann. Den c-ürnip in kleinen Gemeinden gebe ich den Rath, folgendes Verfahren zum Zeichnen zu beobachten, das absolut sicher und zuverlässig ist. Man schneidet von glattem, weißen Chirting vier Centimeter lange, ein Eentimeter breite Streifen, zieht diese Streifen nach Bedarf durch das Fleisch und klebt die beiden Enden mit Gummi oder Fleischleim zusammen. Auf diesen Faden nun drückt der Schochet mit blauer Farbe seinen Stempel, der unverlöschlich ist und klar Tag und Stunde zeigt. Mit diesen Streifen, die einzelne Ringe bilden, kann keinen Unfug getrieben werden, denn keine betrügerische Hand vermag sie nach dem Gebrauch wieder an das Fleisch zu befestig, n. Die Streifen vorher zu gummiren und anzufeuchten hat sich nicht bewährt. Der trmp muß daher ein Fläschchen Gummi mit sich führen. Wem es mit dem mrs ernst ist, versuche diese Methode, die, wie gesagt, erprobt und unbedingt zuverlässig ist. L i v n W o l f f. VpM Rhein, 25. Nov. Die lebhaften Kümpfe um oie Einführung einer Orgel in der neuerbauten Synagoge zu Cöln, die ihrer nahen Vollendung entgegensieht, scheinen wieder mit neuer Kraft loszubrechen und kommt den Anhängern der Orgel der