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Der Israelit · 1898-11-28 · Heft 94 (28.11.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 94 (28.11.1898)
Date
1898-11-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1749 Vermischtes. Stolomca (Galizien). Der Streik der Talesweber dauert fort. Der Lohn der Weber beträgt 2 fl. 50 fr. und erreicht höchstens die Summe von 0 fl. wöchentlich. Die Unterstützung, die die Streikenden bisher aus Deutschland erhalten haben, ermuthigt sie, nochmals die Bitte an die deutschen Arbeiter und diejenigen, die mit ihrem Elend Mit» gefühl empfinden, zu richten, sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Gelder sind zu richten an: Brettler, Kolomea. Feuilleton. Dcrfcuiftt Eine Erzählung aus Ungarn. 28) Von Samuel B. Rosrre*. Nachdruck verboten. An diesem Morgen, an welchem die Brust Rudolfs ein nie gekanntes, gehobenes Selbstgefühl schwellte und er sich mächtig zu seinem treuen Freunde hingezogen fühlte, um mit ihm sein Glück zu theilen, vernahm sein ungläubig aufhorchendes Ohr die begrüßenden Worte: „Sind Sie willkommen, Herr Studiosus!" Und als er sich darauf forschend in dem engen Raume umschaute, um zu erfahren, wem wohl dieses förmliche „Sie" gelten könne, und ernsah, daß nur er selbst es sein könne, der also angesprochen wurde, da protestirte er heftig und mit Entschiedenheit gegen dieses Attenthat auf das alte, traute Verhältniß zu einander. Jedoch vergebens. — Andreas blieb unerschütterlich, gerade so wie bei Nachod, als ihn die Kugeln umpfiffen und er als Zugführer den Feind so lange aufhielt, bis das Gros den Rückzug bewerkstelligen konnte. Da schäumte das junge Blut des Studenten wild auf, ob des unleidlichen Widerstandes und er entfernte sich grollend, indem er, gegen alle Hausordnung verstoßend, die neben dem Fenster des Portiers auf einer großen, schön eingerahmten Tafel ausgehängt war, die Thüre dröhnend hinter sich zuschlug. Einige Tage hielt er sich schmollend fern und als er hernach, da es ihn doch wieder unaufhaltsam zu dem Freunde hinzog, noch einmal einen Sturm gegen die Neuerung unternahm und dabei denselben negativen Erfolg erzielte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich resignirt mit der neuen Sachlage abzufinden. Und als dann eines Tages unversehens aus dem „Sie" der „Herr Doktor" hervorsprang, da traf dieses erneute Mißgeschick Rudolf bereits einigermaßen vorbereitet und niachte keinen sonderlichen Eindruck mehr auf ihn. Er ließ es demüthig wie eine Raturnothwendigkeit über sich ergehen und betrachtete es für eine eben so unabwendbare Kausalitätsnothwendigkeit, wie etwa die Entfaltung des Schmetterlings aus der Raupe. Als Rudolf zu ihm eintrat, richtete sich Andreas wie immer in seine strammste Positur auf. „Machen Sie keine Umstände, Andreas," sprach Rudolf, indem er sich auf das Kanapee niederließ und den Portier neben sich niederzog. „Schauen Sie mal her, ich habe etwas Apartes für Sie." Er zog die Cigarre aus der Tasche und hielt sie dem Alten vor die Augen. „Aber ich bitte, Herr Doktor," machte dieser abwehrend, „Sie sind immer so gütig. —" „Ra, nehmen Sie nur. Bei Nachod, da hätten Sie für ein solches Kraut etwas gegeben, was?" „Freilich," lachte der Portier schmunzelnd und nahm die Cigarre aus der Hand Rudolfs. „Gepafft ist da wohl auch genug worden, aber aus ganz anderen, gräulichen Cigarren." ,,S' ist ein achtes Havannakraut," beteuerte Rudolf und setzte dann mit plötzlichem Uebergang hinzu: „Sie, Andreas, es interessirt mich zu wiffen, was das für ein Brief war, den Sie heute dem fremden Fräulein übergeben haben?" „Den parfümirten? Nuh! ich habe bis jetzt das Fenster offen gelassen, ohne den Gestank herausbekommen zu können." Er zuckte mit den Schultern. „Wie kann ich wiffen, was das für ein Brief war? Ein Mädchen, welches wie eine Kammerkatze aussah, brachte mir ihn. Ich soll ihm dem Fräulein behändigen, aber nicht in der Wohnung — sondern nur so im Vorübergehen. Und eigenhändig. R' Gulden hat's mir in die Hand gedrückt. Mir kam die Sache gleich scheel vor, aber ehe ich mich recht besinnen konnte, war's auch schon wieder weg. Run hatt' ich den Brief und mußte ihn wohl übergeben." „Ein Mädchen," wiederholte Rudolf murmelnd. — „Freilich mußten Sie," fügte er laut hinzu. „Wiffen Sie, es ist so eine Neugierde von mir. Unter Umständen können auch wir Männer neugierig sein." „O ja — das glaub' ich schon. —" „Sie sagen das in einem Tone, Andreas —" „I bewahre," verwahrte sich dieser mit der unschuldigsten Miene. Müffen nichts Schlimmes dabei denken, Herr Doktor." „Sie auch nicht, Andreas," versetzte Rudols nachdrücklich. „Es wird wohl eine Mittheilung von einer Freundin gewesen sein. —" „Oder auch von einem Freunde," warf der unverbesserliche Portier ein. „Was sagen Sie da"? brauste Rudolf auf, im ganzen Gesichte roth werdend. Der Portier erfaßte ihn liebreich bei der Hand. „Nichts, gar nichts habe ich gesagt, mein lieber,

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