Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1898)
- Date
- 1898-11-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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silPPPPilggpjppipajMP^^^ 1737 nach Unrecht, sich diese Neutralittät nicht zu Nutze zu machen. Als Rögis dann die Austreibung der Juden verlangte, erklärte Herr Martin, das ginge denn doch zu weit, und er versicherte, keine republikanische Regierung würde sich dazu verstehen. Dafür gab Mgis ihm die Versicherung, daß die neue ausgesprochene antijüdische Gemeindevertretung eine Bürgschaft für die Aufrechterhaltung der Ordnung sei, falls nicht die Juden die Unruhen anstiften. Zum Schluffe gab Mgis die Versicherung, der antisemitische Genuinderath werde seine Forderungen auf gesetzlichem Wege weiter verfolgen; das dürfte ihm um so leichter fallen, als er sich ja selbst die Gesetze umschreibt. Er will Bürgermeister von Algier werden (Er ist es geworden. Red.) und verheißt dafür seinen antisemitischen Freunden, die Juden, wenn er erst Bürgermeister ist, derartig zu chikaniren, daß sie freiwillig das Feld räumen, und das ungastliche Algier verlassen werden. Der relegirte Student von 25 Jahren Bürgermeister von Algier! Thatsächlich sind schon eine große Anzahl unserer Glaubensgenoffen nach nichtfranzösischen afrikanischen Ländern ausgewandert. England.? London In einer besonderen Versammlung des gesammten Vorstandes der United Synagoge wurde die Errichtung einer jüdischen Gewerbeschule für verwahrloste Knaben durchberathen. Die überwiegende Mehrzahl der 46 anwesenden Vorstandsmitglieder war sich über die Nothwendigkeit der Errichtung einer solchen Schule klar, da beinahe alle bestehenden Anstalten konfessionelle sind, und alle Aufnahme von jüdischen Schülern ablehnen. Im Ostend von London wächst die Zahl der vagabondirenden Knaben und immer häufiger werden die Fälle, in denen die Richter dieser Bezirke sich mit solchen Kindern zu befassen haben. Diesen Chillul- Haschem abzuwendeu, gibt es nur das eine Mittel, eine Gewerbeschule zu errichten, in der jüdische Knaben, deren Eltern sie nicht erziehen können oder wollen, Aufnahme finden können. Das Comits für jüdischen Religionsunterricht hat sich entschlossen ein großes Festesten zu veranstalten, durch die Einnahmen bei demselben die sehr geschwächten Mittel des Comiies zu ergänzen. Oberrabbiner Adler theilte in der Sitzung dieses ComitLs mit, daß man daran sei Jugendgottesdienste für die Schüler des Religionsunterrichts einzurichten. C r e t a.? Canea In unserer Stadt sind seit den fortwährenden Unruheil nur wenige Juden noch ansässig; denn viele Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde haben im Lause dieser Zeit vorgezogen, auszuwandern und sich in Smyrna oder Salonichi ein neues Heim zu suchen. Wir haben uns hier immer der größten Rücksicht seitens der Muhamedaner und der türkischen Behörde zu erfreuen gehabt, mit den griechischen Christen ist dagegen nie ein leidliches Verhältniß zu Stande gekommen. Noch kürzlich, während des Muhamedaneraufstandes, in dem mehr als 50 englische Soldaten fielen, hat sich dies gezeigt. Ein Gendarmerieoffizier wurde von dem türkischen Gouverneur auSgesenoet, um die Juden zu sammeln und in den Konak (Palast) des Gouverneurs zu führen. Diese Maßregel gelang und keinem der Juden in Canea widerfuhr etwas Böses während der Tumulte des Aufstandes. Von den Christen erwartet man aber nichts Gutes, deßhalb sind die meisten hier noch lebenden Juden entfchloffen ihre Ge» schäfte zu schließen und mit den Muhamedanenr von dannen zu ziehen. Amerika. New-Uork. Es mag nicht uninteressant sein, die Worte des Obersten Roosevelt zu zitiren, der bekanntlich in dem kubanischen Kriege die Vortruppen der Amerikaner, die berühmten Rouxü Ridern (groben Reiter) befehligte. Er sagte: Ein Wort möchte ich noch zum Schluß aussprechen und zwar will ich hervorheben, daß dies Regiment typisch war für alles, was wir für Amerikaner halten. In ihm dienten Protestanten und Katholiken, Juden und Heiden, alle gleich und in einem Range. Einen Juden beförderte ich auf dem Schlachtfelde seiner Tapferkeit wegen, wie denn überhaupt hier die Soldaten nur ihrer Verdienste halber befördert wurden. — Vor Kurzem passirte es Professor Gottheil, daß, als er sich in einer hervorragenden Schule darüber beschwerte, daß hier nur 150/g Juden ausgenommen würden er, von dem Direktor die Antwort erhielt, er möge noch dankbar sein, daß der Prozentsatz so hoch sei. Das klingt russisch, ist aber in der freien Stadt New-Dork im freien Amerika geschehen. Persien. 8. Teheran. Ein wichtiger Zwischenfall ereignete sich in hiesiger Stadt. Gegen ein Uhr Mittags wollten einige muselmanische Maurer, die neben unserer Schule an einem Hause arbeiteten, einen großen Balken von einer Terrasse auf die Straße niederlaffen. Durch eine ungeschickte Bewegung fiel der Balken so unglücklich, daß einer der Arbeiter getödtet wurde. Sofort große Aufregung bei den Muselmanen; ein muselmanischer Arbeiter im Judenviertel getödtet Daraus zu schließen, daß die Juden ihn ermordet haben, ist nur ein Schritt. Die große Masse überlegt nicht. Man dachte nicht daran, daß, da alle Arbeiter Muselmanen sind, die Verantwortlichkeit