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Der Israelit · 1898-11-24 · Heft 93 (24.11.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 93 (24.11.1898)
Date
1898-11-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1736 Interpretationen und seine geistvollen Schlüsse aufgebaut sind aus der Geistesarbeit der Ahnen, denen die Thora das Stahlbad war, welches dem Genius ihrer Denkkraft hochstrebende Schwingen verlieh, wenn sie unter den Tritten und Stößen ihrer entmenschten Feinden stöhnten. Auch heute ist es die Lieblosigkeit und die Rachsucht der Feinde, die uns mahnt die Reihen enger zu schließen und fester zum sturmerprobten Banner zu halten. Mehr und mehr leuchtet in uns die Erkenntniß auf, daß das Israel der Gegenwart gewappneter und kampfesfroher in den aufgdrungenen Streit ziehen kann wenn es die Geschichte seiner Vergangenheit, das Leben und Wirken seiner Geisteshelden und vor allem, wenn etz seine heilige Lehre besser kennt. Möchte sich immer mehr und mehr erweitern der Kreis Derer, die begeistert und begeisternd diesem erhabenen und heiligen Ziele zustreben, damit das auf die graue Vergangenheit mit Recht angewandte Wort auch für eine nahe Zukunft Geltung gewinne: „Von Frankreich geht aus die Thora, und da- Gotteswort aus Deutschland." — Begeisterter Beifall lohnte den Redner für seinen lebendigen, inhaltreichen Vortrag. Aus der nun folgenden Diskussion sei nur Eines hervorgehoben: Herr Sigmund Frankel wies darauf hin, daß noch vor 10 Jahren in München ein jüdischer Gelehrter von europäischer Berühmtheit, Rabbi Raphael Nathan Rabinowicz ‘n lebte. Sein epochemachende» Werk, Dikdute Sophrim iei schon heute ein unentbehrliche- Nachschlagebuch für alle Talmudmudkenner und Talmudbeflistenen. Durch sein allzufrühes Hinscheiden mußte Rabbinowicz das Werk unvollendet lasten, und hat es deßhalb der Verein Ohel Jakob übernommen, das Werk nnter der Aegide des Herrn Dr. Ehrentreu zum Abschluß zu bringen. Herr Fränkel appellirt an den religiösen und pietätvollen Sinn, sowohl der Gemeindeverwaltung, als der Gemeindemitglieder, thatkräftig zur Förderung diese- Werkes beizutragen. Es fei dies em nobile ofüeiuiu der Gemeinde München, welches sie einer wissenschaftlichen Größe, wie Rabinowicz schuldig sei und womit sie München auch für kommende Zeiten den Ruhm sichern werde, daß in dieser Stadt eine so großartige Geistesarbeit begonnen und vollendet wurde. Herr Rabbiner Dr. Werner schließt sich diesem Wunsche und diesem Appell ganz und voll an. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Hirschberg i. Schl. Folgende Erinnerung finden nur in der „Franks. Ztg." : „Die Worte, die der Kaiser jüngst bei Durchzuge durch die Templerkolonie von Jerusalem an den Führer der deutschen Kolonisten richtete: ..Wenn irgend einer von Euch meines Schutzes bedarf, so bin ich da und er kann sich an mich wenden, welcher Konfession er auch angehören möge", erinnern an einen Vorgang, der seiner Zeit lebhaft besprochen worden ist, als ein Beweis dafür, wie der damalige^Kronprinz, nachmalige Kaiser Friedrich an der gleichen Stätte Andersgläubiger in zarter Weise gedachte. Als dieser nämlich in Jerusalem dieMagemauer-des Tempels besichtigte, suchte er persönlich einen besonders schönen Stein aus und übergab ihn seinem Kammerherrn von Normann mit dem Bemerken: „Der ist für Magnus" (den damaligen ersten Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin. Nach Berlin zurückgekehrt, lieb der Kronprinz den Stein emsasten, mit der Inschrift:^ Beis scholaumjeruscholajim“ (Haus des FriedenssTempelj in Jerusalem). Frankreich. Paris, 21. Rov Max R'^gis, der unumschränkte Herr und Gebieter Algeriens und zukünftige Maire von Algier *), sprach gestern^mit zwei anderen neugewählten Gememderäthen Algiers bei dem Generalgouverneur Laferriere vor, um diesem seine Wünsche und Vorschläge mitzutheilen Herr Laferriere ließ die Allmächtigen durch seinen Kabinetsches, Herrn Albert Martin, empfangen, dem Max MgiS feine Wünsche hinsichtlich einer sofortigen und vollständigen Amnestie vorbrachte.T'Herr Martin erwiderte, die Regierung könne, obwohl sie gleichfalls für die Amnestie wäre, gegenwärtig nicht für diese sein, da die letzten Unruhen bewiesen,; daß eine Beschwichtigung noch nicht zu erwarten sei. Erst wenn die Regierung die Bürgschaft dafür besäße, daß keine weiteren Unruhen zu befürchten wären, könnte an eine Amnestie gedacht werden. Der Generalgouverneur, fügte Herr Martin hinzu, wäre gewiffermaßen nur der Schiedsrichter zwischen den beiden Parteien und wolle daher vollständig neutral bleiben. Eine derartige Sprache seitens des Vertreters des Generalgouverneurs muß füglich überraschen, da dieser die Bevölkerung Algeriens in zwei Parteien, die der Plünderer und die Geplünderten, theilt, und beiden gegenüber neutral blerben will. Die Banden Max Rsgis' hätten dem- *) Ist inzwischen zum Bürgermeister ernannt worden. Rednction.

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