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Der Israelit · 1898-11-24 · Heft 93 (24.11.1898) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 93 (24.11.1898)
Date
1898-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1726 Schulamit geschrieben haben, was enthielt es? Diese Gedanken beschäftigten ihn und versetzten sein Inneres in eine tiefe Aufregung. Vergebens suchte er sich einzureden, daß ihn ja eigentlich die Correspondenz des Mädchens nichts anginge, daß er jetzt, vor dem Staatsexamen, wahrlich Wichtigeres zu thun habe, als sich über dergleichen Nichtigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Er konnte seine Erregtheit nicht meistern. Der herausfordernde, schadenfrohe, spöttische Blick schwebte ihm stets vor den Augen. Woher wußte sie denn, daß sie ihn damit ärgere und welche Ursache hatte sie denn eigentlich, ihn kränken zu wollend Das scharfe Auge der Eifersucht ließ ihn die Wahrheit errathen, das auf so ungewöhnlicher Weise zugestellte Billct konnte nur von den: skrupellosen Juristen herrühren. Es sah jenem Menschen ähnlich, einem unerfahrenen Mädchen den Kopf zu verdrehen, auf ehrlosen Schleichwegen ihren Sinn bethören zu wollen. Ihm war das schon zuzumuthen, aber sie?- Wäre es möglich, daß sie so schlecht sei, sich ihm willenlos hinzugeben, ja sich ihm sogar voll Freude entgegenzuwersen! Schlechtigkeit? — — Mußte es denn aber just diese sein? Konnte sie nicht auch unter dem Banne einer aufkeimenden verhängnißvollen Leidenschaft stehen? Der Advokaturskandidat war unleugbar ein schöner Mann. . . . Wohlan denn, er wird auf der Hut sein! Die Ehre seines Hauses stand auf dem Spiele. Der ferne Freund soll keine Ursache haben zur Klage, daß man es an Wachsamkeit seinem Kinde gegenüber habe fehlen lasten. Und nun, da er von dem Gedanken beseelt war, der Hüter eines kostbaren dem Schutze seiner Familie anvertrauten Gutes zu sein, regte sich auch keine Stimme mehr in ihm, die ihm seine Besorgniß zum Vorwurf machte. . . . Nach dem Mittagstisch nahm er eine seiner besten Cigarren zu sich und ging zum Portier hinunter. Sein Erscheinen in der Portiersloge war nichts Außergewöhnliches. Er pflegte ab und zu dort einzutreten, um in leutseliger Weise mit dem alternden Andreas ein par freundliche Worte zu wechseln. Andreas war ein treuer, alter Freund, der schon den Knaben auf seinen Knien geschaukelt und den gespannt aufhorchenden mit bunten, abwechselnd traurigen und fröhlichen Geschichten aus seiner Soldalenzeit ergötzt hatte. Er hatte mehrere Kriege mitgemacht, die er nur nach der Jahreszahl zu benennen pflegte: Achtundvierzig, Neunundfünfzig, Sechsundsechzig u. s. w. Rudolf war sozusagen um er seinen Augen ausgewachsen und Andreas war nicht wenig stolz auf seinen „Doktor," wie er ihn, seitdem er aus die Universitär ging, eons guent zu nennen pflegte. Auch bildete er sich ein, daß das männlich Schöne, Stramine in der Erscheinung Rudolfs von seinen Soldatengeschichten herrühre und von den Exerzitien, denen er das Kind aus Kurzweil zu unterziehen pflegte. So weit die Erinnerun ( zurückreichte, zeigte sich nichts, was entfremdend zwischen die Freunde getreten wäre. Nur ein einzigesmal war das gute Einvernehmen arg gefährdet und nahe daran, in die Brüche zu gehen. Und das war an dem Morgen, welcher jenem ewig denkwürdigen Tage folgte, an welchem Rudolf sein summa cum laude erworbenes Reifezeugnis; heimbrachte, welches naturgemäß zuerst in der Portiersloge präscntirt wurde. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich iweimal, montags and Donnerstag;*, jedesmal in mindestenpBCi Bozen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder Vierteljährlich. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch «. /. -teivOcker, Lripstg, Dlohplutz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im ReelametheÜ 7b Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark »der 6 fl. ssterr.« für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine «üSsendmrdev «n ti* »ovaktton ttn-esandlur Mannsertpten stndei nicht statt, man dittet tzeshavb, stch »SN aSe« Ginsendungen eine Lopie zurückzubehalten. Inhalt <Aanptblatt> Leitender Artikel: Ter Deutsch-Israelitische Gemeindebund und die Gewissensfreiheit- Von I. K. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Darmstadt. Köln. Altona. Oesterr.-Ungar.-Monarchie: Pest. Palästina: Jaffa. Jerusalem. - Literarische Notiz. — Vermischtes. - Feuilleton: Berkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. Von Samuel B. Nosner. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage» Leitender Artikel: Verfassungsrecht oder ministerielle Dekretirung — Zeitungsnachrichten und Correjpondenzen: Deutschland: Berlin Wiesbaden. Eudtkuhnen. Frankreich: Paris. Rußland: St. Petersburg. Moskau. Italien: Turin. Argentinien: Buenos Atzres — Vermischtes. Jntbalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Jüdische Hochschulen in Bayern. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Hirschberg i Schl. Frankreich: Paris. England: London. Ereta: Eanea. Amerika: New- Bork. Persien: Teheran- - Vermischtes. Extra-Beilagen: Unmöglich. Von Dr. M. Lehmann. - Prosveet der Firma A. Goldschmidt, Hamburg. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Bettage«. — -a.-i.,; ... »,-iwr.

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