Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1898)
- Date
- 1898-11-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1724 versammelt. Wie die „Allg. Jüd. Zeitung" meldet, handelt es sich vornehmlich um die seit Jahren schwebende Frage der Organisation der vaterländischen orthodoxen Judenschaft. Die Versammlung, deren Präsident, der M.-Szigerer Overrabbincr, in seiner Eröffnungsrede der Regierung für die Hochhaltung der Gewissensfreiheit Dank und Anerkennung gezollt hatte, beschloß einstimmig, an die hiesige Kanzlei des orthodoxen Exekntivkommitees eine Repräsentation zu richten, in welcher die Kommission ausgefordert wird, die Organisations-Aktion zu beschleunigen und die Wahl eines Vicepräsidenten zu veranlasien. Mit der Ausgabe, den Beschlüssen der Versammlung kompetenten Orts Geltung zu verschaffen, wurde ein aus 4 Räbbinen und 3 Laien bestehendes Aktionskomitee betraut, das seine Thüt'gkeit unvorzüglich ausnehmen wird. P a l ä st i n a.? Jaffa. Sehr erfreuliche Nachrichten kommen aus Kastinieh. Die diesjährige Ernte hat vorzügliche Resultate gegeben und gezeigt, daß die sogenannte große Kultur recht bedeutende Einnahmen zu Tage fördern kann. ES gibt Familien, die nur aus dem Verkauf des Weizens, obwohl sie ihren Hausbedarf zurück behalten, die respektable Einnahme von 2500 Frc«. realisirt haben. Dieser günstige Erfolg läßt auch für die Zukunft daS Beste hoffen. Jerusalem. Der Ehacham Baschi erhielt vom deutschen Kaiser den Kronenorden zweiter Klasse, SeligHausdorfals Vorsteher der deusch jüdischen Gemeinde und als ältester hier ansässiger deutscher Jude, wie bereits berichtet, den Kronenorden vierter Klaffe und dieselbe Auszeichnung erhielt Dr. Wallach, der vom Frankfurter Komitee zur Errichtung eines großen jüdischen Krankenhauses entsendete und seit neun Jahren segensreich wirkende Armenarzt. Es gereicht uns allen zur Genugthuung, daß die Juden in keiner Weise hinter den anderen Konfessionen zurückgesetzt worden sind. Ausgefallen ist vielfach, daß Oberrabbiner Galant keine Auszeichnung erhielt, doch erklärt man dieses Vorkommniß damit, daß die türkische Regierung den Ehacham Baschi als Oberrabbiner anerkennt, während Galant amtlich nur als Privatmann gilt. Auch Herr Dr. Herzl war in Begleitung der Herren Wolfsohn und Dr. Bodenheimer, und noch einiger Herren hier, er zog es aber vor, niemanden aufzusuchen und wie es scheint, hinderte er auch seine Begleitung daran. Daher haben Dr. Herzl und seine Begleitung noch weniger von Jerusalem gesehen, als seiner Zeit die Pilgergesellschaft der Makkabäer von London. Unser Konsul Herr von Teschendorf theilte dem Direktor Ephraim Cohen mit, daß eS die Kaiserin interessiren würde, eine schöngeschriebene Kopie des hebräischen Festliedes mit der deutschen Uebersetzung der Lämelschule zu erhalten. Natürlich kam Herr Cohen diesem hohen Aufträge nach, und ließ eine solche Kopie in Form einer kleinen Rolle der Kaiserin durch den Konsul übermitteln. Darauf erfolgte der nachstehende Dankbrief: Kabinet Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. Jerusalem, den 3. November 1898. An den Direktor der von Lämel Schule Herrn Ephraim Cohn Wohlgeboren. Jerusalem. Ihrer Majestät die Königin und Kaiserin haben mich beauftragt Euer Wohlgeboren für die Uebersendung der Rolle mit dem hebräischen Texte und der deuschen Uebersetzung des Festliedes, welche Ihre Schüler beim Einzuge Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten in Jerusalem gesungen haben, Allerhöchstiyren besten Dank auszusprechen. grz: Freiherr von Mirbach, Oberhofmeister. Literarische Notiz. »Israels Sendung", so betitelt sich ein soeben im Verlage der Adolf Mottek'schen Buchhandlung in Schneidemühl erschienenes „Festspiel", dessen handelnde Personen Klio, die Muse der Geschichte, I s r aels Berg angenheit, Israels Gegenwart und Israels Zukunft sind. Nach einer Einleitung KlioS läßt der Dichter Israels große „Vergangenheit" sprechen. DieHauptphasen der jüdischen Geschichte ziehen an unserem Geiste vorüber, vom Schöpfungstage an bis zur Zerstörung des Tempel und Zerstreuung Israels in alle Lande. Mit wehmuthsvollen Betrachtungen schließt die „Vergangenheit." Die „Gegenwart" löst sie ab und entrollt ein lichteres Bild, wenngleich auch heute noch Israels Sonne nicht ungetrübt leuchte. Voll Hoff.iungsfreudigkeit nimmt die „Zukunft" das Wort und schildert in begeisterten Worten Israelkommende Zeit. — In edler, bilderreicher Sprache fließen die Verse der Dichtung, die zur Anschaffung für jüdische Bibliotheken, als Gelegenheitsgeschenk, Schulprämie u. s. w. bestens empfohlen werden kann. Besonders geeignet dürste das Stück zur Aufführung vei jüdischen Festlichkeiten, in Literaturvereinen und bei Schulfeiern sein, um so mehr als an hierzu geeigneten Werke großer Mangel herrscht. Das hübsch ausgestattete Büchlein kostet gebunden M. 1.50, ungebunden 1,25 und ist gegen Einsendung des Betrages franco vom Verleger zu beziehen._ Vermischtes Berlin, 19- Nsv. Die Massenverbreitung antisemitischer Weihnachtsflugblätter mit der Aufforderung, in jüdischen Geschäften keine Weihnachtseinkäufe zu machen, hat bereits begonnen Die Vororte Chai lottenburg, Schöneberg. Friedenau* Wilmersdorf und der Westen Berlins bis zur Friedrichstraße sind mit solchen Flugblättern, von denen 200 000 zur Vertheilung kommen sollen, belegt worden.