Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1898)
- Date
- 1898-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448943--47173-2497516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWDMWWMMWWWM 1723 diese konnten friedlich nebeneinander in einem Lande wohnen. Die moderne Gesetzgebung im Landesverkeyr und die Vorschriften, welche den sogenannten Wettbewerb betreffen, seien schon vor Jahrtausenden in unserer Gesetzetzliteratur zum klaren Ausdruck gebracht, wie der Redner durch '.viele eclatante Beispiele und Citate darmlegen mutzte. Daß Klugheit, Gewandtheit und Umsicht zu den hervorragenden Eigenschaften deS Kaufmannes gehören, sei nicht zu bestreiten, aber oft arten die schönen Attribute in Schlauheit und List aus, wovor der Talmud und die späteren Gesetzeslehrer besonders warnen. Der Redner ging dann, um damit zu schließen, auf die Tendenz des Vereins über, wie dieser bemüht sei, für die Heilighaltung des göttlichen Ruhetages einzutreten und damit seine Mitglieder-Clienten dem religionsgesetzestrcuen Judenthum zu erhalten. Volles Gelingen seines edlen, uneigennützigen Wirkens, wie des Allmächtigen Segen möge den Vorstand dieses Vereins belohnen. Rauschenden Beifall erntete der Redner für seinen vorzüglichen Vortrog. Nachdem auch vonseiten des Vorsitzenden namens des Vorstandes Herrn Jsaae Hirsch gedankt worden war, wurde die Versamtnlung geschloffen. H. B. Einen ausführlichen Bericht über diesen hochintereffanten Vortrag behalten wir uns für eine der späteren Nummern vor. Red. d. Jsr. Darmstadt. Für die am vorigen Freitag den 18. l. M. stattgefundene Stadtverordnetenwahl war die Agitation mit Rücksicht auf die kurze Zeit seit Anberaumung der Wahl ziemlich ruhig verlaufen. Nur die Antisemiten entwickeltenunmittelbarvor der Wahl die volle Probe ihrer bekannttn Urwüchsigkeit, indem dieselben durch Plakate, Flugblätter u. s. w. die Wahl der verschiedenen von allen sonstigen Parteien ausgestellten isr. Kandidaten zu verhindern suchten. Am Wahltage selbst befanden sich vor allen Wahllokalen Zettelträger mit der in großen Buchstaben weithin sichtbaren Aufschrift: „Juoensreier Wahlvorschlag/' Selbstverständlich mußte eine solche Verhetzung in dem ekelhaftesten Sinne des Wortes an dem gesunden Sinne der hiesigen Bürgerschaft scheitern und die Konsequenz derselben war die mit einer nam baflkn Majorität (über 2100 Stimmen) erfolgte Wähl des Kaufmanns Herrn Ferd. Kahn zum Stadtverordneten, während die übrigen isr. Kandidaten eine sehr beträchtliche Stimmenzahl aus sich vereinigten. Dagegen gelang es den gaffenhasten Hetzern nicht, auch nur einen ihrer Gesinnungsgenoffen durchzubringen. Wie sehr diese pöbelhafte Verhetzung — welche übrigens von einigen niederen Staatsbeamten geleitet wird — auch von der Preffe verurtheilt wird, beweist nachfolgender Bericht des hiesig. „Tagblatts" : Mit welchen Mitteln heutzutage Wahlkämvfe geführt werden, hat auch diese Stadtverordnekenwakl leider wieder bewiesen. Es verdient gebrandmarkt zu werden, daß gewisse Leute sich dazu hergegeben haben, die Verhetzung der Bürger gegen einander in einer Weise zu betreiben, die öffentliches Aergernitz erregen muß und allen guten Litten Hohn spricht. Bor den einzelnen Wahllokalen waren am Tage der Wahl Männer aufgestellt worden, die ein Plakat in großen Buchstaben trugen: „Fudenfreier Wahlzettel". Glaubt man wirklich, durch solche Mittel anständige Leute zu gewinnen und kann denn eine solche, die Verhetzung der Bürger gegen einander in ordinärster Form auf die Straße tragende Art und Weise des WahlkantpfeS nicht überhaupt verboten und verhindert werden Was man durch solche gehässige und vernrtheilenswerthe Art des Wahlkampfes erreicht, ist nur das, daß sich die ruhigen und vornehmer denkenden Leute immer mehr von der Betheiligung an den Wahlen zurückzichcn, weil sic von Widerwillen gegen eine solche Art der Agitation erfüllt werden. Der mit jeder Wahl geringer werdende Prozentsatz der Wähler beweist ohnehin schon genug. Köln, 18. Nov. Die Orgelfrage für die neue Synagoge ist wieder in Fluß gekommen. An sämmtliche Gemeindemitglieder wurde ein Rundschreiben versandt, in welchem sie aufgcfordert werden, sich in einem beiliegenden Antwortschreiben darüber zu äußern, ob sie für oder gegen die Orgel sind, lim dadurch dem Vorstande und dem Repräsentantenkollegium eine Basis für ihre Entschließungen zu geben. Im vorigen Jahre wurde nach langen und heftigen Debatten im Interesse des Gemeindefriedens von der Aufstellung einer Orgel Abstand genommen. Obiges Rundschreiben zeigt, daß den Unterzeichnern die Orgel wichtiger zu sein scheint als der Friede in der Gemeinde. Altona, 7. Kislew. Gestern fand in unserer Klaus ein nra auf n;tra ^hd twp statt. Sr. Ehrw. Herr Klausrabbiner E. Munk trug die letzte njtra in geistreicher Form vor, worauf der 91jährige ann w"\s4 |4,l5' spr rr.nz in voller Geistessrische den Schluß der n^a erklärte und e’*aa war. Herr Rabb. I. M. Cohn ist bereits 65 Jahre Klausner, und hat schon sieben Mal öffentlich a*etr vorgelernt, wie dies Herr E. Munk in seiner trefflichen Tischrede erwähnte. Während des Festmahles bemerkte Herr Klausrabbiner E. Duckes in seiner Rede, daß das ^^a-Studium im Allgemeinen stiefmütterlich behandelt werde, hier aber sehr sorgfältig gepflegt wird, was der erste Klausner, der ^acr ’ax arn hier eingeführt hat, worauf Herr E. Duckes einen hatachischen Vortrag hielt. Am Schluffe überreichte Herr W. Möller mit einer entsprechenden Anrede den Gästen ein Bild des Oberrabbiners Akiwah Wertheimer S'jtr, der auch zugleich Klausner war. R. O e st e r r.- N n g a r. Monarchie. Pest, 19. Nov. (Die Konferenz der orthodoxen Rabbiner,) tagtegestern in Er-MihLlyfalva und beendete ihre Berathungen. Aus fast allen Theilen des Landes waren Vertreter, mehr als 100 an der Zahl