Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1898)
- Date
- 1898-11-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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tigten Beimengungen sein. Es ist bekannt, da die Milch, zumal wenn sie längere Zeit steht, einen sehr günstigen Boden für die Ent Wickelung der Gährungserreger und andere]- Pilzarten abgiebt, die mit der Zeit zu ganz kolossalen Mengen anwac.hsen können: in den Magen gelangt. ruft eine solche keimreiche Milch schwer« Verdauungsstörungen hervor. Ebenso ist es erwiesen. dass eine Reihe von gefährlichen Krankheitskeimen, wie der Erreger der Maul¬ und Klauenseuche, der Perlsucht, des Milzbrandes. der Wasserscheu von dem erkrankten 'filiere in die Milch übergehen kann. Beim Genüsse roher Milch, in welcher sich diese Keime lange Zeit lebenskräftig erhalten, können schwere Krankheiten von dem Tliiere auf den Menschen übertragen werden. Die Gefahr der Uebertragimg wird verringert oder gar beseitigt, wenn die Milch vor dem Genüsse gut gekocht wird. Eine ausgiebige Hitze ist nämlich im Stande, alle Krankheitskeime zu töten und unschädlich zu machen. Ueberdies vertragen aber viele Magenkranke schon an und für sich nicht die rohe Milch. Freilich ist vielfach die Meinung verbreitet, «lass rohe Milch die gekochte an Nahrhaftigkeit übertritft -. diese Annahme ist jedoch bislang durch nichts bewiesen. Andererseits ist es erst jüngst festgestellt worden. dass gekochte Milch vom Magen leichter verdaut wird als rohe. Nicht selten kommt es freilich vor. dass Magenkranke gegen den (-Jenuss jeder Milch, selbst reiner, hygienisch zulässiger gekochter Milch leicht Widerwillen empfinden und mit Magendrücken, Diarrhöen oder Stuhlverstopfung reagiren. Da wir von der Milch als einem vorzüglichen Nahrungsmittel nicht so leicht abselien können, ist es in solchen Fällen geboten, die Milchzufuhr durch Abwechselung in der Zubereitung, durch diese oder jene Modifikation zu ermöglichen, die Milch bald kalt, bald lauwarm zu reichen, sie bald mit einem Zusatz von etwas Kaffee. Tliee. Cognac oder Caramel. Salz, doppeltkohlensaurem Natron zu versehen, je nachdem dies dem jeweiligen Zustande des Kranken und seinen Wünschen angemessen erscheint. Ebenso lässt sich gegen Zuthaten von leichtverdaulichen Nahrungsmitteln zur kochenden Milch wie Gerste. Hafer. Gries. Eigelb vom hygienischen Standpunkte nichts einwenden. Eine angenehme Abwechselung bieten in der Diät für Magenkranke mehrere Abarten der Milch, welche der gewöhnlichen Siissmilch an Verdaulichkeit zwar nicht nachstehen, aber je nach der Art der Gewinnung einen verschiedenen Nährwerth besitzen, ln erster Bei he kommt die. saure Milch oder Dickmilch in Betracht, deren Gewinnung am leichtesten zu bewerkstelligen ist. Die Milch besitzt nämlich die Eigenschaft, bei längerem Stellen (etwa 2 bis 3 Tage) in der Wärme (etwa Hi Grad Celsius) durch einen in ihr sich abspiclendeu Gährungsprocrss sauer zu werden und zu gerinnen. Es bildet sieh dabei an der Oberfläche der Milch eine dünnere Schicht, welche, als Rahm bezeichnet, sehr fetthaltig ist und deshalb Magenkranken nicht zu empfehlen ist. Diese Schicht ist darum vor «lern Gebrauche vorsichtig zu entfernen. Der Best der Milch, die eigentliche Rukmilch, zeichnet sich durch einen erfrischenden, angenehm säuerlichen Geschmack aus und findet hei chronischen Magenerkrankungen, hei denen die SäureentWickelung eine mangelhafte ist, vielfache Anwendung. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Main;, 15. Nov. Das „Deutsche Volksblau" in Wien bringt gegenwärtig einen antisemitischen Roman: Unter Juden, von K. Litwein, aus dent Russischen übersetzt. Das Machwerk, in dem eine christliche Gouvernante in widerwärtig gehässiger Weise die Kämpfe zwischen einem orthodoxen Vater mit seinem reformjüdischen Sohne erzählt, würde uns wenig interressiren, wenn nicht die vorzügliche Zerlegung in Fortsetzungen, die der Herr Chefredakteur vorgenommen, verdiente, aus dem engen Lesezirkel des „Deutschen Volksblattes" in weitere Kreise zu dringen. Kapitel vier der genannten Erzählung in dem erwähnten Blatte vom 3. Nov. schließt nämlich wie folgt: Die Neugier steigerte sich in mir noch mehr, und da ich Berditschewski schon einmal mein Versprechen gegeben, vor seinem Vater als Jüdin zu erscheinen, so entschloß ich mich doch, mein Versprechen einzuhalten. Und als dann Laiba vor Ungeduld über mein langes Schweigen mit dem Ellbogen mich ohne Umstände anftieß und zum drittenmal mir dieselbe Frage stellte, ihm doch endlich zu sagen, ob ich eine Jüdin sei oder nicht, antwortete ich ihm entschieden, aber ironisch lächelnd: (Fortsetzung folgt.) Frankfurt a. M., 15. Nov. Wir erhalten folgende Zuschrift: Auf die Notiz aus Adrianopel in einer Stummer Ihres geschätzten Blattes bezug-